Der Naturschutzbund Österreich lädt auch heuer wieder zur öffentlichen Wahl des „Tiers des Jahres“ ein. Für den begehrten „Titel“ gehen diesmal drei faszinierende Säugetiere ins Rennen: der gestaltende Biber, der anpassungsfähige Steinmarder und die winzige Zwergmaus. So unterschiedlich die Nominierten auch sind, sie teilen ein gemeinsames Schicksal: Alle drei Arten leiden massiv unter der fortschreitenden Zerschneidung unserer Landschaft. Für ihr Überleben sind zusammenhängende, naturnahe Lebensräume essenziell.
Bis zum Sonntag, 1. November 2026, kann jede und jeder hier seine Stimme abgeben. Das Voting gibt den Tieren eine öffentliche Stimme und macht auf ihre Gefährdung aufmerksam. Der „Gewinner-Art“ wird ein größerer Aufritt in der Öffentlichkeit ermöglicht, der sowohl ihre Einzigartigkeit bekannt als auch auf ihre Bedürfnisse und ihre Gefährdung aufmerksam machen soll. Unter den Teilnehmenden am Online-Voting werden spannende Naturbücher verlost.
Der Biber, Castor fiber erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 80 bis 100 cm und eine Schwanzlänge von bis zu 30 cm. Sein Fell zählt zu den dichtesten im Tierreich und weist insbesondere am Bauch eine sehr hohe Haardichte auf. Das wohl auffälligste Merkmal ist der platte Schwanz, der mit Hornschuppen bedeckt ist. Der Vegetarier ist hinsichtlich seiner Nahrung sehr flexibel und frisst alle krautigen und verholzten Pflanzen in Gewässernähe. Mit seinen vier Nagezähnen, die mit einer harten, eisenhaltigen, orangen Schmelzschicht überzogen sind und ein Leben lang nachwachsen, kann er selbst harte Bäume fällen. Mit dem Holz werden anschließend Burgen und Dämme errichtet. Der ganzjährig aktive Biber zählt zu den bedeutendsten Gestaltern europäischer Gewässerlandschaften und gilt als Schlüsselart. Durch seine ausgeprägte Bautätigkeit gestaltet er aquatische Ökosysteme aktiv mit, wodurch ökologische Nischen für zahlreiche andere Arten geschaffen werden. Seine Dämme schaffen durch die Wiedervernässung von Flächen und die Entstehung naturnaher Gewässerstrukturen wichtige Voraussetzungen für die Renaturierung von Wasserlebensräumen.
Der Steinmarder, Martes foina erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 37 bis 52 cm und eine Schwanzlänge von bis zu 31 cm. Als Lebensraum bevorzugt er offene Landschaften mit Busch- und Baumbestand sowie häufig auch felsiges Gelände. Im Gebirge ist das Säugetier bis in Höhen von etwa 2.400 m anzutreffen. Der überwiegend nachtaktive Allesfresser gilt zudem als ausgesprochener Kulturfolger und hält sich daher oft in der Nähe von menschlichen Siedlungen auf. Tagsüber sucht er seine Schlaf- und Ruheplätze wie beispielsweise Gebäude, Holzstapel oder Baumhöhlen auf. Er vertilgt vor allem Kleinsäuger, Aas, Vögel und deren Eier, aber auch Insekten, Obst, Nüsse und weitere pflanzliche Nahrung. Die Paarungszeit erstreckt sich von Juni bis August. Nach einer etwa neunmonatigen Tragezeit bringt das Weibchen im darauffolgenden Frühjahr die Jungtiere zur Welt. Der Steinmarder ist ganzjährig aktiv und hält keinen Winterschlaf. Im Freiland kann er ein Alter von bis zu zehn Jahren erreichen.
Die Zwergmaus, Micromys minutus erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 50 bis 75 mm und eine Schwanzlänge von bis zu 75 mm. Sie ist das kleinste Nagetier Österreichs und gehört zu den kleinsten Säugetieren Europas. Charakteristisch für die Art ist ihr greiffähiger Schwanz, der sie zu einer ausgezeichneten Halmkletterin macht. Man findet sie an vegetationsreichen Flussufern, Hochstaudenfluren, Feuchtwiesen mit Hochgrasbeständen sowie Au- und Laubbruchwaldbereichen. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft nehmen solche Habitate jedoch stetig ab. Die Zwergmaus ist sowohl tag- als auch nachtaktiv und lebt überwiegend solitär. Zwischen März und Oktober erstreckt sich die Paarungszeit, in der sie zwei- bis dreimal pro Jahr wirft. Etwa zehn Tage vor der Geburt errichten die trächtigen Weibchen kugelförmige Nester aus Blättern und befestigen diese an umliegenden Halmen. Der kleine wasserliebende Nager ernährt sich überwiegend von verschiedenen Samen, grünen Pflanzenteilen und Insekten.