Bestandsaufnahme

Mit dem umfassenden österreichischen Auen-Inventar, welches mit mehr als 820 Gebieten mit einer Gesamtfläche von über 95.500 ha praktisch alle Auen unseres Landes umfasst, haben Lazowski und Schwarz erstmalig eine flächendeckende und repräsentative Übersicht geschaffen. Untersucht wurden die Auen-Lebensräume, der Schutzstatus sowie die Gefährdungen der Gebiete.

Auen kommen in Österreich vom Tiefland bis in die Alpen vor, ihre Größe reicht von 2,81 ha („Piberschlag“ im Mühlviertel) bis 5.738,94 ha im Tullnerfeld. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt wenig überraschend in den großen Beckenlagen, dem Alpenvorland und den großen inneralpinen Tallagen, aber auch alpine und hochalpine Formationen wurden erfasst. Meist sind es Flussauen, es gibt aber auch Seeauen, Deltas, Umlagerungsstrecken mit Pioniergesellschaften, Gletschervorfelder oder alpine Schwemmebenen.

Aufgrund der verschiedenen Ausprägungen des Wasserhaushalts, ihrer Natürlichkeit, Dynamik, Vegetation, Höhenlage und Region wurden die Augebiete 45 „Naturräumen“ zugeordnet: Dabei stellen Weichholzauen-Biotope mit 42 % den Hauptteil dar, gefolgt von Hartholzauen (12 %), Pionierstandorten (11 %) und Feuchtgrünland (8 %). In den alpinen und hochalpinen Lagen kommen interessante Biotope der Koniferen-Auen und alpinen Schwemmebenen dazu.

 Betrachtet man die Weichholzauen gesondert, fällt – neben den dominierenden Weiden- und Grauerlenauwäldern – der bereits relativ geringe Anteil von Weiden-Pioniergebüschen (3 %) und Weiden-Tamarisken-Gebüschen (1 %) auf. Diese hochdynamischen Flusslebensräume wurden durch den hohen Verbauungsgrad der Gewässer stark dezimiert.

Über 60 % der Fläche der Auenobjekte ist aktuell geschützt (zumeist als Natura2000-Gebiete), zudem wurde die naturschutzfachliche Bedeutung sämtlicher Auenobjekte auf einer fünfstufigen Skala eingeschätzt.

 

Verbreitung der Auen laut Aueninventar

Aus dieser Abbildung werden die Schwerpunkte der Auenverbreitung in Österreich deutlich: Die Donau- und Marchauen in den östlichen Beckenlandschaften verfügen über die größten Flächenvorkommen, ebenso die Donauauen an der oberösterreichisch-niederösterreichischen Grenze. Karte: Schwarz & Lazowski 2010

Bedrohte Vielfalt

© Werner Lazowski

Schätzungen gehen davon aus, dass in den letzten Jahrzehnten rund drei Viertel des heimischen Auenbestandes durch Rodungen, Flussregulierungen und Wasserkraftausbau verschwunden sind. Von den verbliebenen Auenflächen ist nur noch etwa die Hälfte intakt, der Rest bedarf eindeutig einer Revitalisierung, um sein ökologisches Potential wiedererlangen zu können.

Unserer Fließgewässer gehören zu den saubersten in Europa. Doch die Qualität von Flüssen und Bächen definiert sich auch wesentlich über Naturnähe, Strukturreichtum und Vielfalt. Natürliche Fließgewässer und ihre Auen sind dynamische Systeme, die ihr Bett und das Umland durch Erosion, Materialtransport und Sedimentation ausformen und dabei ihre eigenen Strukturen entwickeln.

Die Auen bilden ein untrennbares System wertvoller Lebensräume. Diese sind jedoch durch zahlreiche Nutzungen und Eingriffe gefährdet. Natürliche, d.h. regelmäßig überflutete Auwälder finden wir in Mitteleuropa nur noch sehr selten – die meisten Fließstrecken sind eingedämmt, die Ufer hart verbaut und die Flüsse oftmals zur Energiegewinnung aufgestaut

Der gegenwärtige Zustand der Aulandschaften in Österreich zeichnet sich nicht durch seine natürliche Dynamik aus, sondern wird von Dammanlagen und Kraftwerken dominiert. Diese oft lange zurückliegenden Eingriffe verschieben die Oberflächen- und Grundwasserkörper. Für die Biotope und die Vegetation bedeutet das, dass sie von der für sie so essentiellen Wasserversorgung beinahe abgeschnitten werden. Kraftwerke schützen unsere Umgebung vor gefährlichen Hochwässern, doch für Auen bedeutet das Ausbleiben dieser Wassermassen einen gravierenden Einschnitt in ihr Ökosystem.

Zu den Verbauungen der Flusslandschaft kommen auf lokaler Ebene noch Land- und Forstwirtschaft sowie die Rohstoffgewinnung, die oft durch Agrochemikalien, Monokulturen und Abbau von Schotter und Kies die Problematik in Augebieten noch zusätzlich verschärfen.

Auch die Folgen moderner Zivilisation machen den Auen zu schaffen. Infrastruktur im Sinne von Verkehr und Industrie und die Abwanderung aus den Städten in das Umland führen vor allem in Tallagen und landwirtschaftlich genutzten Flachländern zu einer Verinselung dieser naturnahen Flächen. Straßen oder Hochleitungen „zerschneiden“ oftmals Aulandschaften. Diese Umgestaltung der Landschaft zieht negative ökologische Veränderungen nach sich. Traditionelle Kulturlandschaft und naturnahe Landschaften müssen immer mehr technischen Infrastrukturen weichen.

Um die bestehenden Gebiete zu schützen, gibt es seit 2001 Überlegungen zu einer nationalen Auenstrategie und Kampagne. Im Fokus steht hier der Erhalt der naturnahen Gewässerdynamik, die leider nur mehr in wenigen Fällen zur Gänze gegeben ist. Daten zum Hochwasserschutz und zu potenziellen Renaturierungsgebieten bieten Chancen für neue Entwicklungen in Bereichen bestehender Auenobjekte. Die Vernetzung der Gewässerkorridore lassen sich in ihrer Gesamtheit bundesübergreifend planen.

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