Häufige Fragen zum Luchs

Frage: Wie viele Luchse gibt es in Österreich?

Antwort: Eine genaue Zahl lässt sich aufgrund der Lebensweise des Luchses nicht seriös bestimmen. Da ihr Fellmuster einzigartig wie ein Fingerabdruck ist, kann man aber mithilfe automatischer Wildkameras die Mindestzahl von Luchsen in einer Region systematisch ermitteln. Bisher finden diese Erhebungen nur in wenigen Regionen und auf kleiner Fläche statt. Im Jahr 2019 konnten zwischen 35 und 39 selbständige (also von der Mutter unabhängige) Luchse in Österreich dokumentiert werden, von denen aber viele im Grenzbereich zu unseren Nachbarländern und nur teilweise in Österreich leben.


Frage:
Wo leben Luchse in Österreich?

Antwort: Österreich hat Anteil an zwei Luchspopulationen. Ein kleines Luchsvorkommen besteht in der Nationalpark Kalkalpen Region, das zusammen mit Luchs-Nachweisen aus Vorarlberg Teil der Alpinen Luchspopulation ist. Die Luchse im nördlichen Mühl- und Waldviertel entlang der Grenzen zu Bayern und Tschechien gehören zur Böhmisch-Bayerisch-Österreichischen Population (BBA).


Frage:
Was frisst der Luchs?

Antwort: Der Luchs ist ein reiner Fleischfresser und erbeutet überwiegend mittelgroße wilde Huftiere wie Rehe, Gämsen oder Hirschkälber. Grundsätzlich ist der Luchs Opportunist. Daher werden auch Mäuse, Füchse, Feldhasen, Frischlinge, Mader, Katzen und Vögel erbeutet.


Frage:
Ist der Luchs ein Gesundheitspolizist im Wald?

Antwort: Als Pirsch- und Lauerjäger erbeutet der Luchs vor allem unvorsichtige Tiere. Für längere Sprints oder Hetzjagden ist er körperlich nicht ausgestattet. Der Luchs erbeutet Rehe und Gämsen aller Altersklassen und beider Geschlechter. Einen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass der Luchs überwiegend kranke, schwache, junge und alte Tiere erbeutet, gibt es bisher nicht.


Frage:
Kann der Luchs seine Beute lokal ausrotten?

Antwort: Nein, denn Beutegreifer und Beutetier sind in Koevolution entstanden. Das bedeutet die Tierarten haben sich über Jahrtausende kontinuierlich aneinander angepasst. Die genetisch verankerten Verhaltensweisen zeigen sich nach kurzer Zeit in Regionen in denen der Luchs wieder auftaucht.


Frage:
Wie viele Rehe erbeutet ein Luchs im Jahr?

Antwort: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass in mitteleuropäischen Verbreitungsgebieten des Luchses im Schnitt ein selbständiger Luchs pro 100 km2 lebt. Ein erbeutetes Reh nutzt der Luchs circa eine Woche (ca. 2 Kg Fleisch pro Tag). Der Luchs erbeutet also 50 bis 60 Beutetiere in Reh-Größe pro Jahr. Auf die Dichte umgerechnet entspricht das 0,5 bis 0,6 Rehe pro 100 ha. Luchsweibchen mit Jungen haben einen erhöhten Bedarf und erbeuten bis zu 1,2 Rehe pro 100 ha.

Zum Vergleich: Auf der jagdlich genutzten Fläche Österreichs kamen im Jagdjahr 2018/2019 durchschnittlich rund 5 Rehe auf 100 ha durch jagdliche Nutzung, den Straßenverkehr oder andere Ursachen (z.B. Krankheiten oder Kälte) zu Tode.


Frage:
Kann der Luchs bei der Waldverjüngung helfen?

Antwort: Verbiss von Leittrieben oder das Schälen von Bäumen tritt in Österreich überall auf. Auch dort wo es keine Luchse gibt. Zwar konnte bei Untersuchungen im Bayerischen Wald gezeigt werden, dass dort in Gebieten mit territorialen Luchsen weniger Leittriebverbiss auftritt als in Gebieten ohne Luchse. Aufgrund der vielfältigen Einflüsse auf die Waldverjüngung können diese Ergebnisse allerdings nicht pauschal auf Österreich übertragen werden.


Frage:
Werden andere Wildtiere durch den Luchs scheuer?

Antwort: Tritt ein Luchs in einer Region auf,  verhalten sich Rehe und andere wilde Huftiere anfangs oft weniger kalkulierbar. Das entspricht dem natürlichen Vermeidungsverhalten. Dadurch kann die Sichtbarkeit und Bejagung der Beutetiere des Luchses erschwert sein.


Frage:
Kann der Luchs seltene Vogelarten wie das Auerhuhn im Bestand gefährden?

Antwort: Als Opportunist erbeutet der Luchs naturgemäß vermehrt jene Tierarten, die häufig sind. Seltene Tiere werden immer eine Zufallsbeute sein. Entsprechend wurden Überreste von Raufußhühnern (dazu gehören z.B. Auerhuhn, Alpenschneehuhn, Birkhuhn) bei Analysen von Luchs-Kotproben in Mitteleuropa nur sehr selten gefunden.


Frage:
Sind Nutztiere durch den Luchs gefährdet?

Antwort: Die meisten Luchse verursachen keine Nutztierschäden. In Gebieten mit Luchsvorkommen fallen die durch den Luchs verursachten Nutztierrisse eher gering aus und betreffen dann zumeist Schafe, seltener Ziegen. Für die Mutterkuhhaltung geht vom Luchs keine Gefahr aus. Bei Verdacht auf einen Luchsriss an Weidetieren ist jedenfalls umgehend die zuständige Bezirkshauptmannschaft zu informieren. In den meisten Bundesländern bestehen Kompensationszahlungen für Verluste von Nutztieren durch den Luchs.


Frage:
Ist der Luchs gefährlich für den Menschen?

Antwort: Nein, es gibt bis dato in freier Wildbahn keine Belege für Angriffe von gesunden Luchsen auf Menschen. Auch für Kinder stellt der Luchs keine Gefahr dar. Als einzige Ausnahme können durch Tollwut infizierte Tiere sein. Das Tollwutvirus tritt bei Luchsen aufgrund ihrer natürlich geringen Dichte allerdings nur selten auf und ist in Mitteleuropa weitgehend ausgerottet.


Frage:
Was mache ich, wenn ich einem Luchs begegne?

Antwort: Anders als häufig behauptet sind Luchse nicht „scheu“, sondern führen ein heimliches Leben und sind v.a. zur Dämmerung und nachts aktiv. Daher kommt es nur selten zu Begegnungen zwischen Mensch und Luchs. Hat man das Glück einen Luchs zu Gesicht zu bekommen, kann man den Moment mit respektvollem Abstand einfach genießen. Eventuell zieht sich Tier nicht sofort zurück. Das ist kein Zeichen von unnatürlicher Vertrautheit. Luchse verlassen sich auf ihre gute Tarnung und zeigen dadurch teilweise geringe Fluchtdistanzen und ziehen sie sich eher langsam zurück.


Frage:
Wie erkenne ich eine Luchsspur?

Antwort: Das einzelne Trittsiegel ist annähernd rund und es sind in der Regel keine Krallenabdrücke erkennbar. Die Zehenballen sind leicht asymmetrisch halbmondförmig über dem großen Mittelfußballen angeordnet. Die Größe des Abdrucks variiert (z. B. je nach Untergrund) zwischen 7 und 9 cm in Länge und Breite. Zur sicheren Unterscheidung einer Luchsspur von anderen Wild- oder Haustieren reicht ein einzelnes Trittsiegel in der Regel nicht aus. Dafür braucht es eine Spur. Im Schritt beträgt die Schrittlänge (vom Abdruck des eines Beins zum nächsten Abdruck desselben Beins) ca. 90 cm, im Trab ca. 120 cm. Wie viele andere Wildtiere „schnürt“ auch der Luchs häufig. Dabei wird der Hinterfuß in den Abdruck des Vorderfußes gesetzt, was besonders energieeffizient ist. Fotoaufnahmen sollten mit Größenvergleich und aus verschiedenen Perspektiven gemacht und mit Fundortangabe an die lokalen Luchsberater oder den Landesjagdverband geschickt werden.


Frage:
Hat der Luchs in unserer Kulturlandschaft überhaupt genug Platz?

Antwort: Luchse haben einen großen Raumanspruch und brauchen ausreichend struktur- und deckungsreiche Landschaften sowie genügend wilde Huftiere als Nahrung. Diese Kriterien erfüllen auch strukturreiche Kulturlandschaften. Mit seinen großen Waldgebieten und dem hohen Wildbestand gibt es in Österreich viel geeigneten Lebensraum für den Luchs. Wichtig ist, dass die Lebensräume verbunden bleiben beziehungsweise wieder verbunden werden.


Frage:
Muss der Luchs irgendwann bejagt werden, weil es sonst zu viele gibt?

Antwort: Aufgrund ihrer Biologie kommen Luchse von Natur aus in geringen Dichten vor, die vom Nahrungsangebot bestimmt werden. Populationszuwächse können nur stattfinden, wenn junge Luchse in bisher unbesiedelte Gebiete abwandern. Eine „Überpopulation“ ist daher nicht realistisch und eine Bejagung nicht notwendig.


Frage:
Wo melde ich Beobachtungen von Luchsen oder Luchshinweisen?

Antwort: Luchs-Hinweise (vor allem Fotofallenaufnahmen) sind ein wichtiger Beitrag für das Monitoring des Luchses. Meldungen können direkt an das Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs oder über das Meldeformular unter beutegreifer.at versendet werden.


Quellen:
Thomas Engleder (2017): Artenhilfsprojekt im Mühlviertel/Böhmerwald. Bericht per 31.03.2017 durchgeführt im Auftrag des Landes OÖ, Naturschutz.
Christian Fuxjäger. Der Luchs im Nationalpark Kalkalpen, Jahresberichte 2011 bis 2018. Nationalpark Kalkalpen.
Marco Heurich (2019). Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft - Konflikte, Chancen und Lösungen im Umgang mit großen Beutegreifern. Eugen Ulmer KG, Stuttgart.