Willkommen zu Hause, Pinselohr

Der heimliche Luchs (Lynx lynx) lebte einst in allen größeren Waldgebieten Mitteleuropas. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde er allerdings bis auf wenige Rückzugsgebiete ausgerottet. Nach fast 140 Jahren der Abwesenheit wandern heute immer wieder einzelne Luchse in unsere Wälder retour. Um hier nun dauerhaft eine Heimat finden zu können, brauchen Luchse aber unsere Hilfe!

Bei uns tappt der Luchs nur in die Fotofalle

Nur recht langsam kehrt der Luchs nach Österreich zurück. Nach der Wiederansiedelung von 17 Karpatenluchsen im südböhmischen Šumava/Böhmerwald in den 1980er Jahren breiteten sich diese Luchse und ihre Nachkommen über den gesamten Großraum des Böhmischen Massivs aus, so auch ins Mühl- und Waldviertel. Anfangs waren es nur vereinzelte Luchse, die einmal kürzer, einmal länger im Gebiet waren, eine dauerhafte Besiedelung des Waldviertels gelang vorerst nicht. Braucht es dazu doch Weibchen die zuwandern, dann ein eigenes Territorium etablieren und über mehrere Jahre ungestört Nachwuchs großziehen können. Junge Männchen tauchen schneller Mal wo auf, finden sie aber keine Artgenossen, sind auch sie schnell wieder weg. Bei Luchsinnen dauert dieser Rekolonialisierungsprozess recht lange, wenn er aber gelingt und akzeptiert wird, ist er auch dauerhafter.

© Luchsprojekt Österreich Nordwest

Im Waldviertel gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Hinweise auf Luchse, vereinzelt auch Hinweise auf Reproduktion bzw. Jungluchse. Die Besiedelung war aber stets durch eine hohe Fluktuation gekennzeichnet. Jahren mit vielen Luchshinweisen folgten wieder Jahre mit wenig bis keinen Luchsnachweisen, d.h. die Luchsansiedelung war nicht kontinuierlich und sie riss immer wieder ab.

Seit dem vermehrten Einsatz von Wildkameras zum Monitoring von Luchsen, die wir in den letzten 10 Jahren auch dank Ihrer Hilfe ankaufen konnten, wächst auch das Wissen über die Verbreitung des Luchses im Waldviertel und es können konkretere Aussagen gemacht werden. Ab 2013 sind bis auf das Jahr 2015 mehr oder weniger laufend (aber nur vereinzelt) führende Luchsinnen im Waldviertel bekannt. Aber auch hier herrscht hohe Fluktuation und die meisten Luchse sind zudem Grenzgänger zum Mühlviertel und/oder Südböhmen.

© Josef Limberger

Im Sommer 2013 wurde eine Luchsin mit einem Jungen, getötet und in einem Plastiksack verpackt, in der Ysper aufgefunden. Auch verwaiste Jungluchse tauchten im Waldviertel immer wieder auf. Dem gegenüber steht eine Luchsin, die in den Jahren 2017 bis 2020, also viermal hintereinander, im Grenzgebiet zu Südböhmen und OÖ erfolgreich Junge großziehen konnte. Dies ist der erste dokumentierte Fall, wo dies einer Luchsin im Waldviertel so lange gelang.

In den großen Schutzgebieten der böhmisch-bayerisch-österreichische  Luchspopulation, in den Nationalparken Šumava und Bayerischer Wald, sind dauerhafte Reproduktionen von Luchsinnen hingegen normal. Hier wurden Luchsinnen beobachtet die 10 Jahre und mehr hintereinander Junge großzogen.

Die anderen bisher bekannten Luchsinnen im Waldviertel reproduzierten einmal oder zweimal und wurden nachher nicht mehr festgestellt. Bemerkenswert ist auch der dokumentierte Fall einer sehr jungen führenden Luchsin, die bereits im Alter von nur einem Jahr ein Junges führte. Üblicherweise kriegen Luchsweibchen erst ab dem zweiten Lebensjahr Junge.

In den vergangenen 10 Jahren wurden mehrere Fälle von Donauquerungen bekannt. Die Tiere wechselten hier stets in große Waldgebiete südlich der Donau, wie dem Sauwald und Kürnberger Wald in OÖ oder dem Dunkelsteiner Wald in NÖ. Meist kehren die Luchse wieder auf das nördliche Ufer zurück, wenn sie feststellen, dass sie südlich der Donau keine Artgenossen vorfinden.
Insgesamt sind Luchse im Waldviertel v.a. in den Bezirken Gmünd, Zwettl, Melk und hin und wieder Krems unterwegs. In den vergangenen beiden Jahren hat sich der Schwerpunkt der Luchsbeobachtungen weg vom Dreiländereck NÖ/OÖ/Südböhmen, weiter Richtung Süden verlagert. Auch treten Luchse sehr vereinzelt auch im südlichen also alpinen NÖ auf. Es sind hier meist Tiere aus dem Luchsprojekt des Nationalparks OÖ Kalkalpen oder ganz selten auch Tiere unbekannter Herkunft. Dauerhafte Besiedelung oder Reproduktion ist aus dem südlichen NÖ nicht bekannt.

© Alexander Schneider

Das Luchsvorkommen im Waldviertel ist der östliche Rand der grenzüberschreitenden böhmisch-bayerisch-österreichischen Luchspopulation, die sich von der Oberpfalz bis eben ins Waldviertel erstreckt. Insgesamt konnten hier im Luchsjahr 2019/2020 130 selbständige Luchse festgestellt werden, davon waren 32 führende Weibchen mit wiederum 68 Jungen. Nur ca. 20 % dieser Luchse nutzen auch österreichisches Gebiet und wiederum nur ein Teil davon das Waldviertel.
Nichtsdestotrotz sind das Mühl- und Waldviertel wichtige Luchslebensräume für das Überleben der Luchse in Mitteleuropa. Für die Zukunft notwendig sind dichteres Monitoring v.a. in den großen Waldgebieten, mehr Akzeptanz und ein gelassenerer Umgang mit dem Pinselohr.

Was macht der Naturschutzbund mit Ihrer Spende?

Mit Ihrer Spende auf IBAN: AT74 6000 0501 1014 0425 können wir Fotofallenkameras (€350.-) ankaufen. Auch die Betreuung der Fotofallen wie beispielsweise die Montage, Wartung und Batteriewechsel (€25.- für ein Batteriepack) ist damit gesichert. Auch finanzieren wir das wissenschaftliche Monitoring (€700.-) wie die Datenauswertung von Fotofallen sowie Öffentlichkeitsarbeit um Vorurteile abzubauen. Ihre Spende gibt dem Luchs in Österreich wieder eine Chance, herzlichen Dank!

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