Komm nach Hause, Pinselohr

Der Luchs (Lynx lynx) lebte einst in allen größeren Waldgebieten Mitteleuropas. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde er allerdings bis auf wenige Rückzugsgebiete ausgerottet. Heute steht er EU-weit unter strengem Schutz. In ganz Österreich gibt es 140 Jahre nach seiner Ausrottung wieder etwa 15 bis 25 Tiere. Trotzdem verschwinden immer wieder Luchse oder es werden verwaiste Jungtiere aufgefunden. Dies deutet auf hohe Sterblichkeit durch Verkehr und Wilderei hin. Es liegt an der Akzeptanz durch uns Menschen, ob sich diese faszinierende Katze bei uns auf Dauer wieder etablieren kann! 

Bei uns tappt der Luchs nur in die Fotofalle

In den vergangenen Jahre konnten wir im Waldviertel bis hin zur Wachau und dem Dunkelsteinerwald regelmäßig Luchse nachweisen. Mittels Fotofallenmonitoring,wissenschaftlichem Fellmustervergleich und Identifizierung von einzelnen Tieren wurden verschiedene Luchswanderungen dokumentiert. Die Weitwanderung von Luchsen vom Bayerischen Wald in das Waldviertel und zurück, die belegte Überquerung der Donau durch Luchse oder der Nachweis von Jungluchsen sind die bisher eindrucksvollsten Forschungsergebnisse. Eine enge Zusammenarbeit insbesondere mit den tschechischen Fachkollegen ist notwendig, weil Luchse keine Grenzen kennen und fast immer sowohl österreichisches als auch tschechisches Staatsgebiet als Lebensraum nutzen.

© Luchsprojekt Österreich Nordwest

Dem Raum Amstetten-Melk kommt bezüglich der Vernetzung von Wildtierlebensräumen zwischen der Böhmischen Masse und den Alpen eine besondere Bedeutung zu. Eine gute und aktuelle Datenlage bei Luchsnachweisen ist hier von großem Vorteil zur Erhaltung und Verbesserung dieses wichtigsten Wildtierkorridors, der natürlich auch anderen Tieren die Möglichkeit zur Wanderung bietet. Das „Luchsprojekt Österreich Nordwest“ führt seit mehreren Jahren ein Fotofallenmonitoring im Böhmerwald, Mühlviertel und Waldviertel durch und konnte hier gerade mittels der gewonnen Bilder das Wissen um den Luchs im Nordwesten Österreichs erheblich steigern.

In Kooperation mit Grundbesitzern und Jägern werden wir auch weiterhin versuchen, viele Teile des Waldviertels mit Fotofallen abzudecken. Hierfür würden jetzt fünf neue Fotofallen benötigt werden. Mithilfe Ihrer Spende können diese Geräte angeschafft und betrieben werden.

Unser Halsband für die Freiheit

© Josef Limberger

Da zwei Luchse vor einiger Zeit im Umfeld des Nationalpark Kalkalpen gewildert wurden, kam es im März 2017 zur Freilassung zweier Ersatztiere. Frisch aus der Schweiz wurden diese im März 2017 im Nationalpark Kalkalpen ausgewildert. Diese Luchse sollen die Lücke schließen, welche eine Illegale Entnahme durch Wilderei in die Population gerissen hatte.

Mit Hilfe von GPS Halsbändern wird ihr genauer Aufenthaltsort nach der Freilassung ständig kontrolliert. Die übermittelten Positionsdaten liefern wertvolle Erkenntnisse über aktuelle Aufenthaltsorte, Reviergrößen, Reproduktion und Beutetiere. Somit können auch völlig neue Daten zu Wanderungen und Vermehrung von Luchsen erhoben werden. Dank Ihrer Spende  ist die Anschaffung solcher modernen Sender möglich. 

Im Rahmen des im heurigen Frühling gestarteten Projektes „Pro Luchs“ werden in Oberösterreich nun die besten Experten und Expertinnen an den neuen Erkenntnissen über die Wanderungen des Luchses und potentiellen Lebensräumen arbeiten.

Mehr Daten über den Luchs, mehr Akzeptanz des Luchses bei den oberösterreichischen Jägerinnen und Jägern und bessere Rahmenbedingungen für das Überleben der Luchse insgesamt, sind die wichtigsten gemeinsam gesteckten Ziele, die mit einem Luchsmonitoring, Information der breiten Öffentlichkeit und direkte Artenschutzmaßnahmen für den Luchs, wie zum Beispiel der Nachbesatz bei Wilderei, in den nächsten Jahren erreicht werden sollen.

Der Naturschutzbund hat auch ein eigenes Unterrichtsmodul für Schulen erstellt, in welchem die Schülerinnen und Schüler den Luchs und seine Lebensweise näher kennen lernen können um so keine Angst vor dem scheuen Pinselohr zu haben.

Alus wird uns fehlen

© ÖNB Archiv

Wie wichtig Toleranz und Unterstützung für die Wiederansiedelung des Luchses ist, zeigt auch das aktuelle Beispiel von Luchs Alus. Der Single-Luchs war seit 2015 im Salzburger Pinzgau und im Berchtesgadener Land unterwegs und wurde am 5. 9. 2017 im bayerischen Schneizlreuth bei Baggerarbeiten in einem Saalach-Stausee tot aufgefunden. Der Schädel und die Pfoten des Tieres fehlten allerdings. Die pathologische Untersuchung konnte nun eindeutig Geschosspartikel nachweisen. Der Verlust von Alus ist mehr als tragisch, da die Luchspopulation seit langer Zeit stagniert und ein wichtiger Trittstein im österreichisch-bayerischen Alpenraum nun vorerst verloren ist.

Der Naturschutzbund und der Bund Naturschutz in Bayern e.V. fordern jetzt abgestimmte Freilassungen von Luchsen im Alpenraum. Der Luchs muss bleiben dürfen! Für einen dauerhaften Bestand braucht er auch Öffentlichkeitsarbeit, die zu mehr Toleranz und Unterstützung führt, hier leihen wir dem Luchs unsere Stimme!

Was macht der Naturschutzbund mit Ihrer Spende?

Mit Ihrer Spende auf IBAN: AT74 6000 0501 1014 0425 können wir Fotofallenkameras (€350.-) und GPS-Halsbänder (€2500.-) ankaufen. Auch die Betreuung der Fotofallen wie beispielsweise die Montage, Wartung und Batteriewechsel (€25.- für ein Batteriepack) ist damit gesichert. Auch finanzieren wir das wissenschaftliche Monitoring wie die Datenauswertung von Fotofallen sowie Öffentlichkeitsarbeit um Vorurteile abzubauen. Ihre Spende gibt dem Luchs in Österreich wieder eine Chance, herzlichen Dank!

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