2020+2021: Weinbergschnecke

(Helix pomatia)

Die Weinbergschnecke ist die größte Gehäuseschnecke, die bei uns vorkommt. Jedes Kind kennt sie: Deshalb wird ihr die Ehre zuteil, 2020 und 2021als „Weichtier des Jahres“ auf die Vielen unbekannte Welt der Weichtiere aufmerksam zu machen. Finden kann man diese Schneckenart trotz ihres Namens nicht nur auf Weinbergen, sondern auch an Wegen, in Wäldern und überall dort, wo dichter Pflanzenbewuchs für Schutz und Nahrung sorgt.

Schnecken und Muscheln sind uns vertraut unter anderem in Verbindung mit Schmuck oder auch als kulinarische Attraktion. Doch als wichtiger Teil des Ökosystems werden sie von vielen Leuten schon nicht mehr so gerne akzeptiert. Der Naturschutzbund Österreich und die Malakologen (Weichtier-Experten) des Hauses der Natur in Salzburg haben deshalb die Weinbergschnecke – wissenschaftlich Helix pomatia – stellvertretend für alle Weichtiere zum „Weichtier des Jahres“ für 2020 und 2021 in Österreich ausgerufen.

© Robert Patzner

Beschreibung
Wenn im Frühjahr die Temperatur über 8° C steigt und die Witterung feucht genug ist, verlässt die Weinbergschnecke ihr Winterquartier. Zuvor muss sie jedoch ihren Winterdeckel, das Epiphragma, mit dem Fuß aufstoßen. Dieser dient in der kalten Jahreszeit als Schutz vor Feinden und vor Austrocknung.
Neben der Nahrungsaufnahme ist dann zunächst einmal die Paarung wichtig – sie findet von Mai bis Juli statt. Dabei legen sich die zwittrigen Schnecken aneinander und schießen sich gegenseitig einen Kalkpfeil, den so genannten Liebespfeil, in den Körper. Dann werden die Spermien in einem Paket gegenseitig übergeben. Die Eiablage erfolgt etwa vier bis sechs Wochen später: In eine selbst gegrabene Höhle werden 40 bis 50 Eier gelegt. Nach etwa 25 Tagen schlüpfen die Jungtiere. Weitere 10 bis 14 Tage später verlassen die jungen Schnecken die Erdhöhle. Erst nach drei Überwinterungen haben die Schnecken ihre maximale Gehäusegröße erreicht und sind geschlechtsreif. Die Lebenserwartung der Weinbergschnecke in der Natur liegt bei etwa fünf bis maximal acht Jahren.

Ausgewachsen erreichen Weinbergschnecken eine Länge von bis zu 10 cm, sie werden etwa 30 g schwer. Mit einem Gehäuse von bis zu 50 mm Durchmesser ist die Weinbergschnecke die größte in Mitteleuropa vorkommende Schneckenart.

Weinbergschnecken ernähren sich von Pflanzen, wobei sie oft welke Pflanzen den frischen grünen vorziehen. Deshalb trifft man sie nur selten in Gartenkulturen an. Die Nahrung wird mit Hilfe einer Raspelzunge (Radula) aufgenommen. Diese besitzt unzählige kleine Zähnchen aus Chitin, die durch eingelagerte Mineralsalze sehr widerstandsfähig sind.

Verbreitung und Lebensraum
Die Weinbergschnecke ist eine wärmeliebende Art, die vor allem in Mittel- und Südeuropa vorkommt. Sie lebt in lichten Wäldern, Hecken und Gebüschen, an Feldrainen, gebüschreichen Magerrasen und in Weingärten. Dabei bevorzugt sie Kalkuntergrund. In den Alpen kann man sie bis in eine Höhe von 2.000 m finden.

© Josef Limberger

Gefährdung
Früher fand man sie in Weinbaugebieten sehr häufig, wo sie durch das Abfressen der jungen Weintriebe durchaus schädlich werden konnte. Heutzutage ist sie jedoch durch die moderne Bodenbearbeitung und den hohen Pestizideinsatz selten geworden. Lediglich in südlichen Weinbaugebieten kann sie z.T. noch häufiger angetroffen werden.
Weinbergschnecken sind vor allem durch den Menschen gefährdet. Einerseits durch Biotopveränderungen, andererseits wird die Weinbergschnecke als Delikatesse geschätzt und wurde früher durch freies Absammeln an den Rand der Ausrottung gebracht.
Die Weinbergschnecke steht in Österreich unter strengem Naturschutz und wird im Anhang 5 der FFH Richtlinie der EU genannt. Dieser Anhang listet Tier- und Pflanzenarten auf, deren Rückgang und Gefährdung vor allem durch die Entnahme aus der Natur verursacht wurde und die daher vor weiterer unkontrollierter Entnahme geschützt werden müssen.

Die in der Gastronomie erhältlichen Schnecken stammen alle aus Zuchten, oft sind es gar keine heimischen, sondern osteuropäische Arten.

Das Österreichische Weichtier des Jahres wird vom Naturschutzbund und den Malakologen der Universität Salzburg ernannt.

 
Rückfragen:
 
Univ.-Prof. Dr. Robert Patzner, Haus der Natur, Salzburg,
Tel. 0650 / 2331809,  robert.patzner@sbg.ac.at
 
Stefan Kwitt MSc, Haus der Natur, Salzburg,
Tel. 0664 / 6463802, stefan.kwitt@gmx.at
 
 

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