2022: Posthornschnecke

(Planorbarius corneus)

Das Weichtier des Jahres wird von der Malakologischen Arbeitsgemeinschaft am Haus der Natur in Salzburg ernannt und macht auf die Gefährdung von Arten durch Lebensraumverlust aufmerksam.

© Robert Patzner

Beschreibung
Die Posthornschnecke ist eine der größten heimischen Wasserschnecken. Das flache, linksgewundene Gehäuse erreicht über 3 bis maximal 4 cm im Durchmesser. Der Weichkörper ist dunkelbraun bis rötlichschwarz, selten rötlich. Die rötliche Färbung wird durch den Blutfarbstoff Hämoglobin hervorgerufen, der bei albinotischen Schnecken durch die Haut scheint. Die Posthornschnecke ist die einzige europäische Wasserschnecke, die Hämoglobin besitzt. Dies hilft, um auch in sauerstoffarmen Gewässern ohne Luftatmung zu überleben. Die Schnecke gehört zwar zu den Lungenschnecken, die Sauerstoffaufnahme geschieht aber großteils durch die Haut. An der Kopfbasis hat sie zwei Fühler, die nicht einziehbar sind. Daneben liegen die Augen.

Ernährung
Die Posthornschnecke ernährt sich hauptsächlich von Algen und Detritus (Zerreibsel). Nur ganz selten nimmt sie auch lebende Pflanzen und Aas zu sich. Die Nahrungsaufnahme bzw. -zerkleinerung geschieht wie bei den meisten Schnecken mit der Radula, einer Reibzunge mit einer Vielzahl von kleinen Zähnchen.

Fortpflanzung
Wie ein Großteil der Wasserlungenschnecken sind auch die Posthornschnecken Zwitter. Bei der Paarung befruchten sie sich gegenseitig, es ist aber auch eine Selbstbefruchtung möglich. Die Eiablage erfolgt im Frühjahr, gelegentlich gibt es später im Jahr noch eine zweite Generation. Die Eier werden meist an der Blattunterseite und an Stängeln von Wasserpflanzen in Gruppen von 10 bis 70 Stück abgelegt. Die Entwicklung erfolgt im Ei, die fertigen Jungtiere benutzen dann ihre Radula, um sich aus der Eihülle zu befreien. Die Gehäuse der kleinen Schnecken sind behaart. Die Tiere können im Freiland bis zu zwei Jahre alt werden, in Aquarien bis über vier Jahre.

Lebensraum und Verbreitung
Die Posthornschnecke lebt in pflanzenreichen, stehenden und langsam fließenden Gewässern im Uferbereich in bis zu drei Metern Wassertiefe. Sehr oft findet man sie in Gartenteichen und anderen künstlich angelegten Gewässern. Die natürliche Verbreitung in Mitteleuropa ist etwas unklar, da sie gerne aufgesammelt und an anderen Stellen ausgesetzt wurde.

Gefährdung
In Österreich wird die Posthornschnecke auf der Roten Liste bedrohter Tierarten (2007) als „nicht gefährdet“ angeführt. Gefahr droht neben der Gewässerverschmutzung durch Trockenlegung von Tümpeln und Instandhaltungsarbeiten von Entwässerungsgräben, bei denen die Wasserpflanzen entnommen werden.

Text: Univ. Prof. Dr. Robert A. Patzner
Malakologische Arbeitsgemeinschaft am Haus der Natur in Salzburg
und FB Umwelt & Biodiversität, Universität Salzburg

Tel. 0650 / 2331809, robert.patzner@sbg.ac.at

Sämtliche Inhalte (Fotos ausschließlich mit Copyright) dürfen für Berichte über die Arten des Jahres verwendet werden. Wir freuen uns über ein Belegexemplar!

 

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