2017: Waldkauz

(Strix aluco)

Der Waldkauz ist der Vogel des Jahres 2017. Das Hauptauswahlkriterium für Birdlife war dabei, für die Schutzbedürftigkeit alter Bäume mit Höhlen in der breiten Öffentlichkeit zu werben und damit auf die Bedürfnisse von höhlenbewohnenden Tieren aufmerksam zu machen.

© Josef Limberger
Aussehen und Verbreitung
Wie alle Käuze besitzt auch der Waldkauz einen kompakten Körperbau, er trägt ein braun-meliertes Fiederkleid, ähnlich einer Baumrinde. Der große, runde Kopf hat keine Fiederohren und sitzt auf einem gedrungenen Körper. Der Waldkauz hat große schwarze „Knopfaugen“ und einen stark gekrümmten gelben Schnabel. Durch seine dichten und weichen Schwingen und die kammartigen Zähnchen an den äußeren Federn auf der Oberseite des Flügels kann die Eule durch Verwirbelungen völlig geräuschfrei durch die Nacht gleiten. Der nachtaktive Vogel wird ca. 40-42 cm groß und wiegt dabei 400-600 g. 90% seiner Reviere liegen innerhalb von Europa. Nur in den europäischen Ländern Irland, Nordskandinavien und dem europäischen Teil von Russland kann man ihn nicht finden. Seine Population wird mit rund einer Millionen Brutpaaren weltweit als stabil eingeschätzt.
 
Lebensraum
Am liebsten lebt er in lichten Laub- und Mischwäldern, die für die Familiengründung mit Höhlenbäumen versehen sein müssen. Sein Revier umfasst eine Fläche von 25-30 Hektar und bietet ihm das ganze Jahr über reichlich Nahrung und störungsfreie Tagesverstecke. Der Vogel des Jahres ist ein Standvogel, der das ganze Jahr in seinem Revier lebt. Seine Standortstreue wird in harten Wintern belohnt, denn so weiß der Kauz ganz genau, wo er auch jetzt noch Nahrung und Versteckmöglichkeiten finden kann. Sein Name ist irreführend, denn der Waldkauz lebt nicht nur im Wald. Als ideal werden Landschaften mit einem Baumanteil von 40- 80% betrachtet, aber auch in Städten kann man ihn antreffen. Findet er keine Bruthöhle in einem Baum, werden auch ruhige Winkel an Gebäuden oder Scheunen sowie Nistkästen als Brutplatz für die Nachkommen genutzt. Nadelbaumkulturen und ausgeräumte Landstriche ohne Bäume, die sich als Ansitzwarte eignen, meidet er wegen dem geringen Nahrungsangebot.
 
Lebensweise und Verhalten
Mit dem markanten Schrei „Huu-hu-huhuhuhuu“ markiert er sein Revier und versucht, Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Auch mit „ku-witt“ nimmt er Kontakt auf. Ein Brutpaar lebt zwar zusammen im gleichen Revier, doch den Sommer über fliegt jeder seiner Wege, erst im Herbst finden sie wieder zusammen. Ist kein Weibchen da versucht das Männchen eins mit seinem Gesang anzulocken. War das Liebeslied erfolgreich, zeigt das Männchen durch „kollernde“ Lockrufe seiner Geliebten den Weg zu einer geeigneten Bruthöhle. Die Eier werden im Februar oder März gelegt. Häufig bleibt die Paarbeziehung zeitlebens bestehen.
 
© Josef Limberger
Der Waldkauz ist für einen ausgeprägten Verteidigungsinstinkt bekannt, bedroht ein Jäger seine Brut, fliegt er lautlos von hinten an sein Ziel heran und greift den Feind an. Während der Brutzeit sitzt die Mutter auf ihrem Gelege von zwei bis vier Eiern, die meist im Abstand von zwei Tagen gelegt werden. Bis die Kleinen schlüpfen dauert es ungefähr vier Wochen. Die jungen Eulen sind zunächst blind, erst nach sechs Tagen öffnen sie die Augen. Im Alter von einem Monat verlassen die Jungvögel das Nest, flugfähig oder gar selbstständig sind sie aber noch lange nicht. Scheinbar verlassen sitzen sie auf Zweigen in der Nähe des Nestes. Während dieser Zeit werden sie auch „Ästlinge“ genannt. Nach zwei bis drei Wochen sind sie dann flugfähig, selbstständig werden sie aber erst nach drei Monaten. Wenn im Herbst die Balz von neuem beginnt, werden die Jungvögel von den Eltern aus dem Revier vertrieben.
 
Nahrung
Kurz nach Sonnenuntergang begibt sich der Waldkauz auf einen Ansitz und späht von dort aus nach geeigneten Beutetieren. Ganz oben auf seiner Speisekarte stehen Mäuse, Maulwürfe, Ratten und Jungkaninchen. Sind nicht genug Säugetiere als Futter vorhanden, was besonders in Städten der Fall sein kann, frisst der Kauz auch andere Vögel. Je nach Größe wird die Beute im Ganzen verschlungen oder grob zerrupft. Unverdauliche Teile wie Knochen, Schnäbel, Federn und Fell werden in seinem Magen zu einem Gewölle geformt und wieder ausgewürgt. Einen Überschuss an Beute lagert er in Baumhöhlen oder ähnlichen Verstecken für weniger erfolgreiche Tage.
 
Allgemeine Informationen finden Sie auf den Seiten von BirdLife und NABU
 
Weiterführende Literatur:
 
 
 

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