Energiesparen leicht gemacht am Thema Wohnen

© Pro Natura, Schweiz

Die Frage der Energieversorgung und der Energiesicherheit ist vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen dringender als je zuvor.

Seit Februar 2022 hält der brutale Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine die ganze Welt in Atem. Aufgrund einer politisch gewachsenen, vergleichsweise großen Abhängigkeit Österreichs von Gasimporten aus Russland (man bezieht derzeit rund 80 % des Bedarfs aus Russland) wird nun fieberhaft nach Alterantiven gesucht.
Zum anderen dominiert seit vielen Jahren auch die Klimakrise, besser wohl Klimakatastrophe, unser gegenwärtiges Leben. Außerdem benötigen alle konsumierten Waren zu ihrer Erzeugung neben Energie zahlreiche Rohstoffe, werden irgendwo auf der Welt erzeugt und anschließend zum jeweiligen Verkaufsort transportiert und erfordern die Arbeitskraft vieler Menschen die selten genug dafür fair entlohnt werden.

In diesem Artikel wollen wir praktische Möglichkeiten aufzeigen, wie jeder seinen Lebensstil anpassen kann um weniger Ressourcen sowie weniger Energie zu verbrauchen. Dabei soll nicht nur von Verzicht die Rede sein, sondern vielmehr das Sammeln von Angeboten und Hinweisen, wie durch eine nachhaltige Lebensweise das eigene Leben unabhängiger, einfacher und lustvoller gestaltet werden kann.

Beim so umfangreichen und stark vom einzelnen abhängigen Thema Wohnen kann dieser Artikel nur einige Denkanstöße und Hinweise liefern um sich eingehender mit dem jeweiligen Thema zu beschäftigen.

UNSERE ART ZU WOHNEN

beeinflusst den von uns verursachten Energiebedarf und die Art und Menge an Ressourcen die wir verbrauchen ganz entscheidend!
Welche Bereiche können wir nun hinterfragen und systematisch verbessern um die Auswirkungen unseres Lebensstils umweltverträglicher zu gestalten?

1) Überprüfen Sie Ihren ökologischen Fußabdruck!
Verwenden Sie die Möglichkeit mit Hilfe des ökologischen Fußabdruckrechners Ihre gegenwärtige Lebensweise und schrittweise Veränderungen dabei im Hinblick auf die dadurch verursachten Umweltauswirkungen zu berechnen. So erhalten Sie einen besseren Einblick wie Sie Ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren können.

2) Verwenden Sie nachhaltige Lacke und Farben!
Die Wahl von Farben, Putzen und anderen Materialen wie Bodenbelägen, Teppichen etc. ist wichtig. Durch die Prüfung der Art der Materialen und der Herstellungsbedingungen können Sie das Einbringen von Giftstoffen im schlimmsten Fall oder chemischen Verbindungen die Allergien verurachen können verhindern.
Vewenden Sie daher Naturfarben, die etwas teurer aber ökologisch unbedenklich sind.
Natürliche Mineralfarben auf Kalkbasis sind für Innenräume und Fassaden erhältlich. Diese sind frei von Lösungsmitteln, lassen sich gut auftragen und haben hohe Deckkraft.
Wenn Sie die Wände mit Lehm verputzen (lassen) bringen Sie einen natürlichen Feuchtigkeitsregulator in ihre Wohnräume: Lehm nimmt die Luftfeuchte auf und gibt sie nach und nach wieder ab. Lange Zeit wurden früher Wände mit Lehm verputzt. Heute ist Lehmputz wieder beliebter, aber teurer wie herkömmliche Putzmischungen.
Verwenden Sie Leim auf Naturstoffbasis und Lacke ohne Lösungsmittel und Weichmacher.

3) Beziehen Sie Strom aus erneuerbaren Energiequellen!
Welchen Strom man woher bezieht ist in vielerlei Hinsicht das Gebot der Stunde, einerseits im Hinblick auf geopolitische Fragen bis hin zum Krieg in der Ukraine, andererseits was die Menge an ausgestoßenen Treibhausgasen betrifft. Nutzen Sie dafür vor allem die Möglichkeiten der Energieberatung von behördlicher Seite.

4) Reduzieren Sie Ihren laufenden Stromverbrauch!
· Erkundigen Sie sich vor Kauf oder Umzug nach dem Energieausweis: dieser ist vom Vermieter oder Verkäufer verpflichtend vorzulegen und gibt ihnen wichtige Hinweise über den zu erwartenden Energieverbrauch, mögliche bauliche Verbesserungsmaßnahmen und die davon abhängigen Heizkosten.
· Schalten Sie nicht benötigte Geräte nachts aus!
· Trennen Sie nicht verwendete Geräte mit sogenannten Netzschaltern: erst wenn Sie diese damit wirklich von der Stromleitung trennen, verbrauchen diese keinen Strom mehr.
· Kaufen Sie energiesparende, energieeffiziente Geräte (Klasse A+++), wechseln Sie von Elektroherden auf Gasherde oder moderne Herde mit Induktionsplatten!
· Schalten Sie Kochplatten vorzeitig ab und nutzen Sie die Restwärme! Entlassen Sie die Backwärme am Ende eines Backvorgangs zum Wärmen in die Küche!
· Erhitzen Sie Wasser schnell und energiesparend mit einem Wasserkocher, nicht nur für das Teekochen, sondern auch um Wasser zum Kochen effizienter heiß zu machen!
· Tauschen Sie Leuchtkörper gegen solche mit LED-Technologie!
· Verzichten Sie allgemein auf überflüssige Elektrogeräte!
· Bringen Sie etwa durch großflächige, hochwertige Fenster viel Tageslicht und Sonnenwärme in Ihre Wohnräume!

5) Senken Sie Ihren Wasserverbrauch!
· Verwendung von Regenwasser als Brauchwasser:
bei Neubauten oder Sanierungen können Zisternen gemauert oder aus Kunststoff bei vorhandenen Gärten eingegraben werden. Mit diesen kann Wasser aus Niederschlägen gesammelt werden. Schließt man mit einer Pumpe das gesammelte Regenwasser an das Hauswasserleitungsnetz an, kann dieses (es ist dafür ein zweites Wasserleitungsnetz notwendig, weshalb das vor allem für Neubauten oder Sanierung von Wasserleitungen in Frage kommt) zur Nutzung in Toilettenspülungen, der Waschmaschine und der Gartenbewässerung verwendet werden.
· Verwenden Sie bei Toilettenspülkästen die Stopptaste bzw. jene für reduzierte Spülwassermenge!
· Spülen Sie Geschirr nicht unter laufendem Wasser, drehen Sie beim Zähneputzen das Wasser ab und gehen Sie lieber duschen statt ein Vollbad zu nehmen! Installieren Sie wassersparende Duschköpfe und aktivieren Sie Geschirrspüler oder Waschmaschine erst, wenn sie diese voll anfüllen können.

6) Möbel, Teppiche, Wohntextilien
Informieren Sie sich über die Herstellbedingungen, Arbeitsbedingungen und wo Teile oder die gesamten Einrichtungsgegenstände und Bodenbelege erzeugt werden.
Billige Waren können Inhaltsstoffe beinhahlten die Kopfschmerzen oder Allergien auslösen können.
Achten Sie auf Folgendes:
· Naturteppiche ohne Biozide
· Bodenbeläge ohne Weichmacher
· Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Hier ist das FSC (Forest Stewardship Council)-Siegel hilfreich, das Holzprodukte und Papier aus nachhaltiger Produktion kennzeichnet.
· Natursteine aus der Region: das unterbindet weite Transportwege. Zudem sind beim Abbau von Natursteinen häufig im globalen Süden Kinder an der Arbeit beteiligt.
· Kaufen Sie Bettwäsche und Gardinen aus Biobaumwolle

7) Trennen Sie ihren Müll richtig und reduzieren Sie Müll!
Trennen Sie ihren Müll so weit wie möglich und klären Sie offene Fragen dazu mit Ansprechpartnern der Altstoffsammelzentren ihrer Gemeinde. Verwende Sie für organischen Müll eine Biotonne oder legen Sie in Ihrem Garten einen Komposthaufen an. Entsorgen Sie alte Konsumgüter über Hausmüllsamlungen oder im Altstoffsammelzentrum. Kaufen Sie nach Möglichkeit hochwertige und vollständig zerlegbare Produkte. Suchen Sie kleine Reparaturfachgeschäfte auf. In vielen Produkten sind eine oder wenige Teile mit geringerer Lebensdauer eingebaut (sog. geplante Obsoleszenz). Diese Schwachstellen können häufig einfach getauscht oder repariert werden wodurch ein Produkt weiter verwendet werden kann. Nutzen Sie dazu auch die Gelegenheit sich durch handwerklich talentierte Menschen bei einem Repair-Cafe bei der Instandsetzung helfen zu lassen. Das sind meist von sozialen oder karritativen Gruppen ins Leben gerufene Initiativen zu denen man mit defekten Produkten hingehen kann um diese reparieren zu lassen.
Schließlich können Sie auch die Menge an Verpackungsmüll beim Einkaufen im Alltag reduzieren:
Kaufen Sie lose Ware! Nehmen Sie Stofftaschen, Körbe, Rucksacke und ähnliches mit um Ihren Einkauf zu transportieren. Außerdem können Sie sich offene Nahrungsmittel auch in mitgebrachte Gefäße füllen lassen. Wenn Sie das gezielt und überwiegend tun wollen, können Sie Nahrungsmittel in sogenannten "Unverpacktläden" beziehen.

8) Richtiges Lüften und Heizen!
Stellen Sie die Raumtemperatur nie zu hoch ein! Schalten Sie die Heizung nie gänzlich aus - ausgekühlte Wohnräume brauchen deutlich mehr Energie zum Aufheizen. Entlüften Sie oder lassen Sie Ihre Heizkörper entlüften. Heizkörper müssen frei stehen und sollten nicht von Möbeln verstellt oder etwa von Decken/Tüchern abgedeckt werden.
Achten Sie auf gute Wärmedämmung der Wände, der Böden und des Dachs. 50 cm breite Ziegelwände isolieren besser als dicke Dämmplatten auf die Fassaden zu montieren. Zudem halten letztere weniger lang und viele sind nach Gebrauch als Sondermüll zu entsorgen. Tauschen und modernisieren Sie Fenster durch zweifach- oder dreifachverglaste gut schließende. Kippen Sie Fenster nicht, sondern tauschen Sie die Raumluft durch tägliches ein- oder zweimaliges kurzes Stoßlüften.
Nehmen Sie - meist von der Landesregierung angebotene - Energieberatungen in Anspruch und informieren Sie sich nach aktuellen Fördermöglichkeiten für die Installation moderner Heizsysteme (Fernwärme, Erdwärme, Luftpumpe, Pelletsheizung) sowie der Errichtung von Solar- und Photovoltaikanlagen. Erkundigen Sie sich zudem nach der Möglichkeit an einer neu enstehenden erneuerbaren Energiegemeinschaft vor Ort zu partizipieren und über diese selbst verwaltet und autark Energie zu beziehen.

9) Nachhaltig wohnen und nachhaltig erzeugte, langlebige Möbel kaufen!
Nachhaltig erzeugte Möbel werden aus nachwachsende Rohstoffen und ökologischen Anbau erzeugt. Die zugehörigen Transportwege sind kurz und die Mitarbeiter werden dafür fair entlohnt. Diese Möbel sind frei von bedenklichen Inhaltsstoffen. Eine Entscheidung für (teure) hochwertige und zeitlose Möbel ist nicht nur sozial- und umweltverträglich - diese halten auch ein Leben lang! Ein paar heimische ökologisch fair agierende Möbelerzeuger sind hier aufgelistet.

10) Recycling und Upcycling statt Neukauf!
Prinzipiell sollte man immer hinterfragen ob man etwas wirklich benötigt. Sehr häufig erfolgen Kaufentscheidungen spontan und als sogenannte Impulskäufe. Ein weiter wachsendes Angebot an "Billigwaren" verführt dabei viele Menschen zu unreflektierten Kaufentscheidungen.
Statt etwas neu zu kaufen können Sie auch Tausch- und Verschenkplattformen, Second-Hand-Läden oder Flohmärkte nutzen um gebrauchten Gegenständen eine längere Nutzungsdauer zu ermöglichen. Handwerklich Versierte richten alte Möbel her oder nähen aus gebrauchten Textilien neue!

11) Richtig umbauen und sanieren!
Schließlich entstehen allmählich auch nach und nach mehr Konzepte um Wohnraum generationübergreifend möglichst so zu gestalten, dass dieser einfach an unterschiedliche Anzahl von dort lebenden Personen und wechselnde Lebensansprüche einfach(er) angepasst werden kann. Im Detail kann das bedeuten, mehr Wasseranschlüsse und Steckdosen/Stromleitungen vorzusehen, einfach zu errichtende/entfernende Trennwände anzudenken, Kellergeschosse in Hochwasserregionen "wasserdicht" zu machen oder alte Fensterfugen neu abzudichten.

12) Ökologisches Putzen und Reinigen!
Tausende Tonnen von Rückständen von Reinigungs- und Waschmitteln gelangen jährlich in das Abwasser. Das kann durch die Verwendung ökologischer Reinigungsmittel reduziert werden. Dazu findet man im Internet zahlreiche Anleitungen um Reinigungsmittel selbst und kostengünstig zu erzeugen. Außerdem haben Sie so die Kontrolle darüber, dass diese keine Zusatz- oder andere bedenkliche Stoffe beinhalten oder etwa Mikroplastik, dass sich sonst im Wasserkreislauf, Böden und letztlich Nahrungsnetzen immer mehr anreichert.

Salzburg, 9/6/2022

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