Energiesparen leicht gemacht am Thema Ernährung. Oder Du bist was Du isst!

© Aus "Taste the waste", prokino

Die Frage der Energieversorgung und der Energiesicherheit ist vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen dringender als je zuvor.

Seit Februar 2022 hält der brutale Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine die ganze Welt in Atem. Aufgrund einer politisch gewachsenen, vergleichsweise großen Abhängigkeit Österreichs von Gasimporten aus Russland (man bezieht derzeit rund 80 % des Bedarfs aus Russland) wird nun fieberhaft nach Alterantiven gesucht.
Zum anderen dominiert seit vielen Jahren auch die Klimakrise, besser wohl Klimakatastrophe, unser gegenwärtiges Leben.

In diesem Artikel wollen wir - ständig erweitert - praktische Möglichkeiten aufzeigen, wie jeder von uns selbst seinen Lebensstil anpassen kann um weniger Ressourcen sowie weniger Energie zu verbrauchen. Dabei soll nicht nur von Verzicht die Rede sein, sondern vielmehr das Sammeln von Angeboten und Hinweisen, wie durch eine nachhaltige Lebensweise das eigene Leben unabhängiger, einfacher und lustvoller gestaltet werden kann.

ENERGIESPARTIPPS BEI DER ERNÄHRUNG

Fleischarm/-los - regional - saisonal
Unsere Ernährungsweise und die Herkunft unserer Nahrung haben fundamentale Auswirkungen auf unsere Gesundheit und die Umwelt.
Da entlang der Nahrungsketten (Sonne > pflanzliche Biomasse > Pflanzenfresser > Fleischfresser ...) jeweils 90 % der aufgenommen Energie durch den Stoffwechsel eines Lebewesens durch die Ernährung von diesem durch ein anderes verloren gehen ist der "Aufwand" zur Erzeugung einer Kalorie Nahrung am effizientesten bei den sogenannten Primärproduzenten (Algen, Pflanzen). Dagegen steigt der Aufwand für die Erzeugung einer Kalorie tierischer Nahrung in Form von Pflanzenfressern wie Nutztieren um den Faktor 10.
Das bedeutet, dass bei einer Ernährung von tierischen Nahrungsmitteln im Vergleich zehn Mal so viel Futtermittel und Wasser und Energie benötigt wird um letztlich den selben Nährwert zu erzielen.

Die Erzeugung planzlicher Nahrung benötigt also weniger "Mitteleinsatz" als die Erzeugung tierischer Nahrung. Weltweit sind die Ausgangsstoffe zur Erzeugung verschiedener Düngerarten mengenmäßig beschränkt und auch die weltweit verfügbare Menge an sauberem Süßwasser ist begrenzt. Schon alleine deshalb ist pflanzliche Ernährung von Vorteil.

Die Erzeugung unserer gesamten Nahrung benötigt für den Anbau von Nutzpflanzen, aber auch Futtermitteln (für Nutztiere!) sowie Weideflächen (für Nutztiere!) bereits rund zwei Drittel (intensive und extensive Landwirtschaft) der Landfläche der Erde.

Da vor allem durch die Nutztierhaltung sehr viele ökologisch negative Folgen verursacht werden, empfiehlt sich eine für jeden Menschen eine pflanzenlose oder pflanzenarme Kost.
Immense Flächen die davor vom Menschen noch unberührt waren wurden bereits und werden weiterhin täglich (!) dafür gerodet. Viele dieser Gebiete wie Primärregenwälder (noch nicht vom Menschen veränderte) oder die Grenzen zwischen Land und Wasser (Küsten, Ufer) werden dabei für immer oder sehr lange Zeit zerstört. Millionen von Arten und zahllose Individuen verlieren dadurch ihre Lebesräume oft noch bevor sie entdeckt und wissenschaftlich beschrieben werden können.

Gegenwärtig werden rund ein Drittel bis die Hälfte aller erzeugten Nahrungsmittel nicht verwendet oder weggeworfen.
Das beginnt dabei, dass nicht alles an angebauten Früchten/Gemüse am Feld geerntet wird, oft aus 'ästhetischen' Gründen oder weil sich der Aufwand aus ökonomischen Überlegungen nicht rentiert. So kommt nur eine Auswahl der schönsten, fehlerfreien Ernte in den Handel. Und dort setzt sich die Vernichtung fort. Lockangebote lassen viele Menschen regelmäßig mehr als sie benötigen kaufen und so landet viel Nahrung ungenutzt im Müll privater Haushalte. Zudem führt das stete Füllen der Regale bis zu Geschäftsschluss zu einer enormen Menge an Nahrungsmitteln die täglich in jedem Geschäft weggeworfen werden.

Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum
Sich über diese beiden Begriffe und ihre Bedeutung im Klaren zu sein ist für mündige Kaufentscheidungen von zentraler Bedeutung.
Vergleichsweise wenig wichtig ist das Mindesthaltbarkeitsdatum. Es besagt lediglich, dass der Hersteller bis zu diesem Datum bestimmte Eigenschaften, wie etwa Farbe, Geruch etc. garantieren muss, aber nichts über die Genußfähigkeit eines Nahrungsmittels. Gute Beispiele dafür sind Obst, Gemüse, Backwaren, die nach Verstreichen des "MHDs" etwas älter, weniger 'frisch' aber verzehrfähig sind.
Im Unterschied dazu zeigt das Verbrauchsdatum bei verderblichen Nahrungsmitteln (Fleisch, Fisch, Fertigsalate, ...) an, dass diese Nahrungsmittel ab Erreichen dieses Datums zu verderben beginnen und daher nicht mehr genußfähig sind und entsorgt werden müssen.

Kaufen Sie also bewusst nur die Menge an Nahrungsmitteln ein, die Sie auch verbrauchen können! Fallen Sie nicht auf Lockangebot herein, die die Nahrungsmittelvernichtung künstlich erhöhen! Und prüfen Sie zu Hause Nahrungsmittel nach Geruch und Geschmack um deren Verzehrfähigkeit abzuklären.
Noch ein paar Beispiele dazu: Yoghurts etwa sind wenn davor die Kühlkette eingehalten wurde meist Wochen nach Ablauf des MHD weiter genussfähig! Teigwaren sind jahrelang haltbar und wenn nicht von 'Nagern' oder anderen Mitessern besucht kaum verderbensfähig.


Regional und saisonal
Große Auswirkungen vor allem auf den Energiebedarf hat die Herkunft unserer Nahrung durch die Emissionen die zum Transport dieser aus den Anbaugebieten zu den Konsumenten anfallen. Nahrungsmittel, die gerade jahreszeitlich frisch verfügbar sind, haben die kürzesten Wege hinter sich, Erdbeeren im hiesigen Winter etwa aus Bali dagegen eine Weltreise.
Viele Nahrungsmittel können auch einfach und gut gelagert oder für den Winter haltbar gemacht werden. Die Generationen vor uns wussten um Mittel und Wege um Lebensmittel für Herbst und Winter zu konservieren. Dieses Wissen ging großteils verloren, oft mangelt es aber auch schlicht am Bewusstsein welcher Aufwand an Arbeit, Energie und Rohstoffen in unserem Essen steckt.

Sich nach lokalem und jahreszeitlich verfügbarem Angebot zu richten ist immer zu empfehlen. Zudem stützt man so regionale Wirtschaftskreisläufe und ermöglicht heimischen Bauern ihr Einkommen.


Gartenln, Gemeinschaftsgärten, Foodkooeperativen und alte Sorten
Wenn Sie die Möglichkeit und Lust dazu haben, bauen Sie selber (einen Teil) ihrer Nahrung an. Im eigenen Garten oder aber in einem Gemeinschaftsgarten. Solche entstehen - oft in Städten - aber auch am Land immer mehr. Erkundigen Sie sich danach oder initieren Sie selbst eine Gruppe Interessierter dafür.
Nach und nach entstehen immer mehr "Foodkooperationen", wie im Raum Salzburg etwa Erdling (ein Verein für solidarische kooperative Landwirtschaft).
Leider geraten auch alte, oft jahrhundertlang erfolgreiche lokal angebaute und zahlreiche Male vermehrte Sorten von Nutzpflanzen, Kulturpflanzen oder Nutztierrassen immer mehr unter Druck. Im gängigen Handel, Gärtnereien oder Baumschulen werden häufig nur wenige, häufig überzüchtete Sorten angeboten: eine Quelle (neben anderen) für den Bezug alter Obst- und Gemüsesorten ist die Arche Noah.
Diese konnten sich über lange Zeiträume ideal an die speziellen ökologischen Rahmenbedingungen einer bestimmten Region anpassen, gedeihen daher gut und liefern meist gute Erträge und intensive Geschmackserlebnisse.
Einer immer mehr auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Wirtschaft sind diese aber ein Dorn im Auge weshalb diese zusehends verdrängt werden:
Für ihren (Gemeinschafts-)garten aber sollten Sie überwiegend auf den Anbau solcher alter Sorten und Rassen zurückgreifen!
Im Bereich unserer Dokumentarfilmtipps und der stets wachsenden Linksammlung finden Sie dazu viele weitere Quellen zum inforieren und inspieren lassen!

Salzburg, 25/8/2022

Zurück

.