2017: Wolf

(Canis lupus)

Kurzbeschreibung
Die Stammform unserer Haushunde ist der Wolf. Ein sehr soziales und intelligentes Rudeltier, das sich vor allem von Huftieren wie Reh, Rothirsch und Wildschwein ernährt.
 
© Josef Limberger
Verbreitung und Lebensraum
Ursprünglich war der Wolf das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Im Großteil der nördlichen Hemisphäre kam er von der arktischen Tundra bis zu den südlichen (Halb)wüsten vor. Durch die starke Verfolgung zeichneten sich erstmals im 17./18. Jahrhundert große Lücken im Areal  ab. In Österreich wurde er im 19. Jahrhundert endgültig ausgerottet. Jedoch gab es seit damals immer wieder einzelne durchwandernde Tiere aus der Karpaten- und Balkanpopulation sowie aus Italien. Zu einer permanenten Ansiedlung kam es jedoch bisher nicht.
Der Wolf ist sehr anpassungsfähig, bevorzugt aber offene oder teilweise offene Lebensräume mit herdenlebenden Huftieren. In den Alpen sind es jedoch vor allem große Wald- und Berggebiete mit wenig Störung durch den Menschen.
 
Merkmale
Flüchtig betrachtet gleicht der Wolf einem großen Schäferhund, er ist jedoch hochbeiniger, hat einen großen, breitstirnigen Kopf, kleine, dreieckige Ohren und einen buschigen Schwanz (Rute) mit schwarzer Spitze. In Mitteleuropa erreicht er eine Schulterhöhe von ca. 60-80 cm und eine Kopf-Rumpflänge von bis zu 130 cm bei einem Gewicht von 30 bis 60 kg. Sein Fell ist grau mit gelblich bis dunkelbraunen Untertönen. Die Weibchen sind kleiner und leichter als die Rüden, die zusätzlich im Alter eine starke Behaarung an der Halsoberseite, fast vergleichbar mit einer Mähne, vorweisen. Die Rute wird im Vergleich zum Hund eher nach unten hängend oder waagrecht getragen.
Wölfe leben überwiegend in Familiengruppen von 5 bis 10 Individuen. Sie sind außergewöhnlich ausdauernde Läufer. Die Spuren sind leicht mit denen großer Hunde zu verwechseln, wenn man dem Verlauf folgt, erkennt man jedoch das „Schnüren“ beim Wolf, wobei die Hinterpfoten genau in die Abdrücke der Vorderpfoten gesetzt werden. Da Wölfe sehr kommunikativ sind, kann man sie am Heulen erkennen. Das langgezogene Jaulen ist bis zu 15 km weit hörbar, damit können auch einzelne Tiere unterschieden werden. Menschen meidet der Wolf eher und bisher sind in Österreich in den letzten 100 Jahren nur vereinzelt Wölfe gesichtet bzw. nachgewiesen worden.
 
Lebensweise
Wölfe leben überwiegend in kleinen Familienverbänden, bestehend aus einem Elternpaar und ihren noch nicht geschlechtsreifen Jungtieren verschiedener Generationen. Das Sozialverhalten der Tiere ist sehr komplex und es gibt eine Rangordnung. Gewöhnlich pflanzt sich nur das ranghöchste, das Alpha-Paar, fort. Die Paarungszeit fällt je nach Klimazone zwischen Dezember und April. Nach 61-63 Tagen Tragzeit werden vier bis sechs Welpen in einer Höhle geboren und etwa acht Wochen gesäugt. Mit ein bis drei Jahren sind die Jungtiere geschlechtsreif. In freier Wildbahn werden Wölfe 8-16 Jahre alt.
Als Rudel können sie Beutetiere erlegen, die um ein Vielfaches größer und schwerer sind als sie selbst, wie z.B. Elche oder Rothirsche. In der Regel werden aber Jungtiere sowie alte und kranke Tiere erbeutet, damit erfüllen Wölfe eine wichtige ökologische Funktion. In Menschennähe können auch nicht geschützte domestizierte Tiere wie Schafe und Ziegen erlegt oder bei Nahrungsmangel auch Abfall gefressen werden. Menschen gegenüber ist der Wolf generell scheu und meidet sie.
 
Ähnliche Arten
Die Verwechslungsgefahr mit anderen in Österreich vorkommenden Wildtieren ist gering, da der Wolf viel größer und teilweise anders gefärbt ist als alle weiteren Hundeartigen wie Rotfuchs (rötlich, Schulterhöhe ca. 40cm), Goldschakal (rötlich-gelbbraun, Schulterhöhe ca. 35cm), Marderhund (Schulterhöhe ca. 30cm). Am ehesten lässt sich der Wolf mit Haushunden wie dem Schäferhund verwechseln. Er ist jedoch hochbeiniger, der Kopf breiter, mit breiter Stirn und kleineren, dreieckigen Ohren. Den Schwanz trägt der Wolf meist waagrecht oder nach unten hängend, Hunde hingegen eher nach oben oder eingerollt. Die Spuren sind ebenfalls leicht zu verwechseln, doch die Wolfskrallen sind kräftiger, der Abstand zwischen den Mittelzehen größer. Die Wolfsfährte verläuft eher geradlinig und zielorientiert, während bei Hunden das Umherlaufen und Abweichen typisch ist.
 
© Josef Limberger
Gefährdung und Schutz
Das negative Image des Wolfes als  gefährliches Raubtier und Konkurrent führte zu seiner Ausrottung in West- und Mitteleuropa. Durch die europaweite Unterschutzstellung konnten sich verschiedene Populationen jedoch wieder erholen und der Wolf breitet sich inzwischen wieder aus. Auf der Roten Liste Österreichs ist er allerdings immer noch als „regional ausgestorben“ eingetragen. Neueste Meldungen (25.8.2016) berichten nun aber von der ersten Wolfsfamilie in Österreich (Allentstein, NÖ) seit über 100 Jahren. Um diese erfreuliche Entwicklung zu fördern muss die Akzeptanz in der Bevölkerung steigen, Aufklärungsarbeit geleistet werden und es braucht Vorbeuge- bzw. Schadensersatzmaßnahmen.
 
 
 
Wissenswertes und Hinweise
1991 wurde Pluie, eine fünf Jahre alte Grauwölfin, gefangen und mit einem Satellitensender ausgestattet. In den folgenden zwei Jahren konnte so festgestellt werden, dass sie insgesamt eine Fläche von über 100.000 km2 durchwanderte – eine Fläche ca. 16.000 km2 größer als Österreich. Ihre Reise verdeutlichte, dass einzelne Nationalparks oft viel zu klein sind für große Beutegreifer. Da auch Megaherbivoren wie Rothirsch, Elch oder Bison weit wandern, wandert der Wolf als ihr Jäger ebenso weit.
 
Literatur
Ansorge H, Holzapfel M., Kluth G., Reinhardt I., Wagner C. (2010). Das erste Jahrzehnt: Die Rückkehr der Wölfe. Biol., Vol 40, Band 4, p. 244-253
Spitzenberger, F. (2001). Die Säugetierfauna Österreichs (Grüne Reihe Band 13). Graz: Verlag austria medien Service GmbH
Stüber E., Lindner R., Jerabek M. (2014). Die Säugetiere Salzburgs (Salzburger Natur-Monographien- Band2), Salzburg: Verlag Haus der Natur
Zulka, K. BMLFUW (2005). Rote Liste gefährdeter Tiere Österreichs (Grüne Reihe Band 14/1). Wien: Verlag Böhlau.
NewYorkTimes (2006). Wandering Wolf Inspires Project
 
 
 

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