Schmetterlinge - bedrohte bunte Vielfalt

Woher stammt eigentlich die Bezeichnung "Schmetterling"? Das Wort "Schmetterling" kommt vom slawischstämmigen, ostmitteldeutschen Wort "Schmetten", was soviel wie Rahm bedeutet. Schmetterlinge wurden früher oft beim Butterschlagen angelockt und wurden auch als "Buttervogel" oder "Milchdieb" bezeichnet. Das spiegelt sich auch im englischen Namen "butterfly" wieder. Im Altgriechischen bedeutet Schmetterling "Hauch, Atem, Seele". Schmetterlinge bilden mit etwa 160.000 beschriebenen Arten die zweitreichste Insektenordnung der Welt. In Österreich gibt es etwa 4000 verschiedene Schmetterlingsarten, davon sind nur 215 Tagfalter. Bei den Schmetterlingen gibt es 2 Gruppen, die Tag- und die Nachtfalter.
 

Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen Tag- und Nachtfaltern?

© Wolfgang Schruf

© Otto Reder

Tagfalter, wie z.B. Tagpfauenauge, Kaisermantel, Zitronenfalter, Schwalbenschwanz oder Kleiner Fuchs, fliegen ausschließlich am Tag und schlagen in Ruheposition meistens die Flügel über dem Rücken zusammen, sodass die Flügelunterseite zu sehen ist. Sie besitzen schmale Fühler, die am Ende keulenförmig verdickt sind.
 
Nachtfalter, zu denen Eulenfalter, Spanner und Schwärmer (z.B. das Taubenschwänzchen) gehören, fliegen nicht nur in der Nacht, es gibt etliche, die auch tagsüber fliegen. Ihre Fühler sind fadenförmig, gezahnt oder gefiedert, verjüngen sich zum Ende hin und gleichen niemals denen der Tagfalter. Der Körper der Nachtfalter ist meist dicker und unauffälliger gefärbt als der der Tagfalter. In Ruheposition werden die Flügel oft dachförmig über dem Körper zusammengelegt oder neben dem Körper ausgebreitet. Die Hinterflügel sind unter den Vorderflügeln versteckt und oftmals ganz anders gefärbt. Allerdings gibt es natürlich auch wieder Ausnahmen!
 

Lebensweise

Schmetterlinge sind wechselwarme Tiere, das heißt, ihre Körpertemperatur ist von der Außentemperatur abhängig und sie müssen sich erst aufwärmen, um fliegen zu können. Tagfalter wärmen sich an der Sonne auf, Nachtfalter vibrieren mit den Flügeln und heizen sich durch die aus der Muskelbewegung entstehenden Wärme auf.
Schmetterlinge müssen überwintern, einige tun dies als Falter, wie z.B. der Zitronenfalter, und verstecken sich in hohlen Bäumen oder Tierbauen, wo sie regungslos verharren. Die meisten Schmetterlinge überwintern aber als Raupe, Puppe oder ungeschlüpft im Ei. Manche Raupen erwachen sogar an sehr warmen Wintertagen und fressen, bevor sie wieder in die Winterstarre fallen. Ebenso unterbrechen manche Falter an warmen Tagen ihre Winterstarre und fliegen umher.
 
Einige Schmetterlinge legen sehr lange Wanderungen zurück, das sind die sogenannten Wanderfalter. Nördlich der Alpen können viele Arten nicht dauerhaft überleben und wandern jedes Jahr erneut ein. Das Taubenschwänzchen, der Distelfalter und der Admiral fliegen im Frühling aus Südeuropa nach Norden, überqueren die Alpen und legen bis zu 2000 km zurück. Im Winter fliegen sie zurück in den Süden. Ursache könnte das Verdorren der Nektarpflanzen im Mittelmeerraum im Sommer sein.
 

Vom Ei zur Raupe zur Puppe zum Schmetterling

Das besondere an den Schmetterlingen ist die "vollständige Metamorphose", die ihr Aussehen in 4 Entwicklungsstadien grundlegend ändert. Die winzigen, bei jeder Schmetterlingsart unterschiedlich aussehenden Eier, werden von den Weibchen direkt oder in der Nähe der Futterpflanzen der Raupen mit einem Sekret befestigt. 

Aus den Eiern schlüpfen kleine Raupen, die sich durch die Schale fressen. Der Lebenszweck der Raupen heißt einzig und allein: Fressen und Wachsen. Sie sind mit einer festen, nicht dehnbaren Chitinhülle ummantelt, und "platzen regelmäßig aus der Haut", sie häuten sich. Raupen sind bunt gefärbt, behaart, oder mit Dornen besetzt und können giftig sein. Sie verpuppen sich durchschnittlich nach 3-4 Wochen. Oft wird im Raupenstadium überwintert, Rekordhalter verpuppen sich erst nach 13 Jahren.
 
Beim Verpuppen platzt die Raupenhaut auf und die Puppe kommt zum Vorschein. Es gibt verschiedene Verpuppungsmethoden, einige hängen kopfüber von Zweigen, andere spinnen sich einen Gürtel, der sie senkrecht hält und wieder andere spinnen sich einen Kokon. Die Organe der Raupe werden von Enzymen zersetzt und neue Organe werden gebildet. Das Puppenstadium dauert ca. 2 Wochen.
 
Bei der "zweiten Geburt" des Schmetterlings bricht die starre Puppe auf und der Schmetterling schlüpft mit noch nicht entfalteten Flügeln. Er verweilt an der Puppe hängend und pumpt Blut in die Flügel. Nach einer Weile sind die entfalteten Flügel ausgehärtet und getrocknet. Nun erobert der adulte Schmetterling (= Imago) die Lüfte, dieses Stadium dient der Fortpflanzung und Verbreitung der Art und dauert einige Wochen bis zu 11 Monate.
 
Der Falter kann sich im Unterschied zu den Raupen, die Blätter oder Samen fressen, nur noch flüssig von Blütennektar, Frucht- oder Baumsäften ernähren. Schmetterlinge sind wegen der vielen Fressfeinde in allen Lebensphasen Meister des Tarnens und Täuschens. Manche besitzen Schreckfarben, andere sehen aus wie Blätter oder ahmen Tieraugen nach, verwirren durch schillernde Farben oder sind auch als Falter noch giftig.
 

Gefährdetes Flattern

Die Situation unserer heimischen Schmetterlinge ist alarmierend. Von den circa 4000 heimischen Schmetterlingsarten (davon 215 Tagfalter, der Rest Nachtfalter), werden alle Tagfalterarten und die wichtigsten 800 Nachtfalterarten in den Roten Listen behandelt. Davon sind etwa die Hälfte aller Tagfalterarten und rund 600 Nachtfalterarten gefährdet. Der Bestandstrend bei den Schmetterlingen ist negativ, das heißt die meisten Arten nehmen ab.
 
Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling © Johannes Gepp
Jede Schmetterlingsart stellt vielfältige, artspezifische Ansprüche an ihre Umwelt. Nur wenn diese erfüllt sind, können die Tiere überleben. Eine der wichtigsten Bedingungen für die Verbreitung und das Vorkommen ist das ausreichende Vorhandensein von Nahrungspflanzen, sowohl für Falter als auch für Raupen. Während manche Arten viele Nahrungspflanzen annehmen und eine weite Verbreitung finden, sind etliche Arten auf wenige oder nur eine einzige Nährpflanze angewiesen. Sie sind somit auch in ihrer Verbreitung stark beschränkt.
 
Einerseits ermöglicht die Fähigkeit der hohen Spezialisierung den Schmetterlingen die Besiedelung der unterschiedlichsten Lebensräume. Andererseits wird ihnen diese Eigenschaft, in einer vom Menschen sehr stark beeinflussten Welt, immer mehr zum Verhängnis. Da sie bereits auf geringe Veränderungen sehr sensibel reagieren, bedrohen die globalen Umweltveränderungen viele Schmetterlingsarten. Feuchtgebiete wurden entwässert, Offenland wurde aufgeforstet oder bebaut und die Landwirtschaft wurde stark intensiviert.
 
Oft wird wichtigen Futterpflanzen die Wachstumsgrundlage entzogen und die an sie angepassten Schmetterlingsarten können sich ohne sie nicht mehr entwickeln. Die standorttreuen Arten verschwinden, wenn ihr Biotop zerstört wird oder sich verändert. Widderchen sind z. B. auf Trockenrasen und auf die dort wachsenden Pflanzen angewiesen. Werden diese Flächen nicht gepflegt und verbuschen, verschwinden auch die Widderchen. Bläulingsarten brauchen Moore und andere Feuchtgebiete, sie sind extrem standorttreu und halten sich nur in der Nähe ihrer Futterpflanzen auf. Kommt es zu gravierenden Eingriffen in diesen Biotoptyp, verschwinden die Populationen. Für Nachtfalter ist auch die zunehmende Lichtverschmutzung eine Gefahr. Die Tiere verharren die ganze Nacht in der Nähe von künstlichen Lichtquellen und werden am Morgen von Vögeln gefressen oder sterben an Erschöpfung.
 
 
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