Interreg IV-Projekt „Nachhaltiges Moormanagement“

Der Naturschutzbund Vorarlberg war gemeinsam mit Vorarlberger, Schweizer und Deutschen Partnern im Interreg IV-Projekt „Nachhaltiges Moormanagement“ für Moore aktiv. Das Götzner Moos wertete der Naturschutzbund gemeinsam mit der Marktgemeinde Götzis und der Agrargemeinschaft Götzis durch die erste Hochmoorrenaturierung Vorarlberg auf. Auch im Streuwiesengebiet Mösle konnten Verbesserungen erzielt werden.

© Landratsamt Ravensburg

Moore binden klimaschädliches CO2, sind Lebensraum für hochspezialisierte Arten, speichern Wasser und mildern Hochwasserspitzen - intakte Moore haben eine herausragende Bedeutung für den Naturhaushalt. Viele Moore sind heute aber entwässert und können diese wichtigen Funktionen nicht mehr wahrnehmen.  Eine Herausforderung für den Naturschutz! 

Naturschutzbund Vorarlberg, inatura, Schweizerische Stiftung für Vogelschutzgebiete, Naturmuseum St. Gallen und BUND Regionalverband Bodensee-Oberschwaben sind unter der Koordination des Landratsamts Ravensburg von August 2010 bis März 2014 im Interreg-Projekt „Nachhaltiges Moormanagement“ tätig geworden. In Vorarlberg waren die Marktgemeinde Götzis und die Agrargemeinschaft Götzis wichtige Partner vor Ort. Das Interreg IV-Projekt „Nachhaltiges Moormanagement“ wurde mit Fördergeldern der Europäischen Union, der beteiligten Schweizer Kantone, durch die Marktgemeinde Götzis, das Land Vorarlberg, das Naturschutzzentrum des Österreichischen Naturschutzbundes, die Agrargemeinschaft Götzis und weiteren Förderern finanziell unterstützt.

Moore ist mehr!

© Bianca Burtscher

Moore – Kinder des Wassers: Nur dort, wo genügend Wasser vorhanden ist, konnten Moore entstehen. Ein intakter Wasserhaushalt ist auch für ihre Erhaltung entscheidend. Das niederschlagsreiche Vorarlberg ist besonders reich an Mooren. Bei 3% der Landesfläche Österreichs befindet sich gut ein Viertel der Moorfläche Österreichs in Vorarlberg. Das Land Vorarlberg trägt deshalb eine besondere Verantwortung im Moorschutz.

Moore – faszinierend und geheimnisvoll: Moore sind Schauplatz unzähliger Sagen und Mythen und spielen eine wichtige Rolle in der menschlichen Kulturgeschichte. In ihren Torfschichten haben sich Pollen aus längst vergangener Zeit erhalten. Durch die Untersuchung dieser Pollen können Fachleute die Vegetation früherer Zeiten rekonstruieren. Moore sind deshalb auch als lebende Archive der Landschaftsgeschichte von unschätzbarem wissenschaftlichem Wert.

Moore – Lebensraum für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt:  In Mooren leben wahre Spezialisten der Tier- und Pflanzenwelt, die uns mit ihren besonderen Eigenschaften zum Staunen bringen. Lichtliebende Hungerkünstler, wie Schwertlilie, Sumpf-Gladiole und Lungen-Enzian verwandeln Niedermoore trotz der Nährstoffarmut jedes Jahr aufs Neue in einen bunten Blütenteppich.

© Bianca Burtscher

Weniger auffällig, aber nicht minder faszinierend sind die Spezialisten der Hochmoore. Im Gegensatz zu Niedermooren haben Hochmoore keinen Kontakt zum Grundwasser, sie sind sozusagen aus ihm herausgewachsen. Hochmoore erhalten Nährstoffe nur aus der Luft und vom Regen und sind deshalb noch nährstoffärmer als Niedermoore. Wer hier überleben will, braucht besondere Eigenschaften und Strategien.

Die Moosbeere und andere Zwergsträucher der Hochmoore leben in Symbiose mit einem Pilz. Der fleischfressende Sonnentau versorgt sich durch den Fang von Insekten mit Stickstoffverbindungen. Ganz besondere Eigenschaften  haben Torfmoose. Torfmoose können das 10-25 fache ihres Trockengewichts an Wasser speichern. An ihren Zellwänden binden sie sehr effektiv Nährstoffe und säuern dabei ihre Umgebung an. Durch sie entsteht das typische Hochmoor-Milieu:  feucht und sauer - plakativ ausgedruckt, ein ähnliches Milieu wie in einem Essiggurkenglas. Und jeder weiß, dass Essiggurken dort gut konserviert sind. Auch im feuchten-sauren Hochmoor-Milieu werden abgestorbene Pflanzenteile nur teilweise zersetzt und werden zu Torf. Dieser bleibt über Jahrhunderte erhalten. Allerdings nur solange das Milieu so bleibt. Werden Moore entwässert, beginnt die Zersetzung und der im Torf gebundene Kohlenstoff wird als CO2 frei und  trägt zum Klimawandel bei.

Gemeinsam für Moore aktiv

Moore sind auch sensible Lebensräume. Durch Entwässerungen, früheren Torfabbau, intensive Landwirtschaft, Freizeitnutzungen u.ä. sind viele Flach- und Hochmoore in der Bodenseeregion beeinträchtigt. Hier besteht Handlungsbedarf. Dieser Herausforderung nahmen sich der Naturschutzbund Vorarlberg, die inatura, der BUND Regionalverband Bodensee-Oberschwaben, die Schweizerische Stiftung für Vogelschutzgebiete und das Naturmuseum St. Gallen unter der Koordination des Landratsamts Ravensburg an und starteten gemeinsam das  Interreg-Projekt  "Nachhaltiges Moormanagement".

Konkret wurden vier Moorgebiete, das Arrisrieder Moos bei Kißlegg, das Haubacher Moos bei Isny sowie das Götzner Moos und die Streuwiesen Mösle in der Marktgemeinde Götzis durch Wiedervernässungen und andere Maßnahmen aufgewertet. 

Mösle - artenreiches Streuwiesengebiet
Für das Streuwiesengebiet Mösle, auch als Jägerloch bekannt, erstellte das Projektteam des Naturschutzbundes ein Entwicklungskonzept und setzte ausgewählte Maßnahmen um. So wertete der Pflegetrupp des Naturschutzbundes durch Entbuschungen in den Jahren 2012 und 2013 das artenreiche Flachmoor für lichtliebende Streuwiesenarten auf.
 
© Bianca Burtscher
Götzner Moos - faszinierender Moorkomplex
Für das Götzner Moos, auch als Orsanka Moos bekannt, erstellte der Naturschutzbund Vorarlberg ein Entwicklungskonzept und wertete den Moorkomplex gemeinsam mit der Marktgemeinde Götzis und der Agrargemeinschaft Götzis durch die erste Hochmoorrenaturierung Vorarlbergs auf. Alte Entwässerungsgräben hatten das Hochmoor im Götzner Moos so stark ausgetrocknet, dass Fichten und andere standortfremde Gehölze aufkommen konnten. Teilweise bildeten sie bereits dichte Bestände und verstärkten die Austrocknung des Hochmoores und die damit verbundene Torfmineralisierung. Zudem beschatteten sie die lichtliebende Moorvegetation mit seltenen Arten wie Rundblättrigem Sonnentau, Rosmarinheide und Moosbeere. Dies zeigten die Erhebungen des Naturschutzbundes im Interreg-Projekt „Nachhaltiges Moormanagement“. Damit das Götzner Moos seinen Charakter und seine Funktion als Lebensraum für seltene Arten langfristig behalten konnte, waren dringend Maßnahmen erforderlich. Dabei setzte der Naturschutzbund auf Teamarbeit. Gemeinsam mit der Marktgemeinde Götzis und den Grundbesitzern, der Agrargemeinschaft Götzis, erarbeitete der Naturschutzbund ein Entwicklungskonzept mit einem Maßnahmenplan. Im Winter 2012/13 befreiten „Holzer“ der Agrargemeinschaft Götzis und der Pflegetrupp Naturschutz des Naturschutzbundes das Hochmoor von Fichten und anderen standortfremden Gehölzen.
Für den Einbau der Stauwehre in die Entwässerungsgräben engagierte der Naturschutzbund die Firma Lässer Erdbau aus Hittisau. Diese brachte nicht nur ihren bodenschonenden Moorbagger, sondern auch ihre langjährige Erfahrung mit Hochmoorrenaturierungen in Deutschland mit. Im November 2013 konnten 19 Stauwehre eingebaut werden. Davon enthalten 15 Stauwehre Spundwände aus Weißtannen-Brettern, die die Agrargemeinschaft Götzis dankenswerterweise spendierte. Durch diese Stauwehre wird der mooreigene Wasserhaushalt verbessert, der entscheidende Faktor in einem Hochmoor.
 

Mehr als Biotopschutz

Durch die Maßnahmen in den vier Projektgebieten sollen diese wertvollen Lebensräume für typische Moorarten wie z.B. den Hochmoor-Gelbling aufwertet werden. Aber auch wir und kommende Generationen profitieren von diesen Maßnahmen. Moore haben wichtige Funktionen im Naturhaushalt, sind Archive der Landschaftsgeschichte  – und nicht zuletzt ist Moorschutz = auch Klimaschutz. Nur intakte Moore sind klimaneutral. Entwässerte Moore hingegen geben durch Torfzersetzung CO2 ab und tragen so zum Klimawandel bei. Durch Wiedervernässung wie im Projekt geplant, kann dem entgegengewirkt werden. Damit dies gelingt, müssen wir die breite Bevölkerung und Entscheidungsträger für den Moorschutz gewinnen.

© Hildegard Breiner

Ein weiteres wichtiges Projektziel war, das Interesse für Moore zu wecken, Zusammenhänge zu vermitteln und für den Schutz der Moore zu werben. Kernstück dabei war die Sonderschau Moore – gefährdete Kleinode unserer Landschaft, die vom Naturmuseum St. Gallen erstellt wurde und in allen drei Ländern, u.a. in der inatura in Dornbirn gezeigt wurde. Eine Multimedia-Moor-Show, erstellt vom BUND Regionalverband Bodensee-Oberschwaben, war zusammen mit Auszügen der Ausstellung in Rathäusern, Schulen etc. zu sehen. Exkursionen, Unterrichtsmaterial für Schulen, Folder und ein Internetauftritt sollten Moore in den öffentlichen Fokus rücken. 

Mit interaktiven Infotafeln werden BesucherInnen des Götzner Mooses und des Mösle über diese beiden faszinierenden Moorgebiete und die Maßnahmen im Interreg-Projekt "Nachhaltiges Moormanagement" informiert. Über QR-Codes gibt´s Antworten auf spannende Fragen und überraschende Eigenschaften der Moorlebewelt zu entdecken. Was haben etwa Gefrierschutz, akrobatische Liebesspiele oder Zombies mit den Götzner Moorgebieten zu tun? Sie als Homepage-BesucherIn finden die Antworten hier.

Weitere Infos zum Interreg-Projekt "Nachhaltiges Moormanagement": www.moormanagement.net

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