Artenschutzprojekt „Flussseeschwalbe“ – eine Erfolgsgeschichte

Die Flussseeschwalbe ist in Österreich vom Aussterben bedroht und auf künstliche Bruthilfen angewiesen. Die Arbeitsgruppe Flussseeschwalben betreut seit vielen Jahren die Brutflosse im Vorarlberger Rheindelta. Dieser Einsatz lohnt sich:  Heute befinden sich dort über zwei Drittel der gesamten österreichischen Population der Flussseeschwalbe. 

© Manfred Waldinger

Die Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) brütet auf vegetationsarmen, offenen Kies- und Sandbänken, die in guter Erreichbarkeit von nahrungsreichen Gewässern liegen sollten. Im letzten Jahrhundert verlor sie einen Großteil ihrer natürlichen Brutplätze, denn durch Flussregulierungen sind dynamische Kies- und Sandbänke im Tal selten geworden. Heute ist diese Vogelart deshalb in Österreich vom Aussterben bedroht und auf gezielte Artenschutzprogramme angewiesen.

Auch im Vorarlberger Rheindelta brütet die Flussseeschwalbe seit Jahrzehnten auf künstlich errichteten Nisthilfen, zuerst auf Kiesinseln und seit 1993 auf Brutflossen. Diese werden von der Arbeitsgruppe Flussseeschwalben unter Leitung von Alwin Schönenberger betreut und bei Bedarf erneuert. Jeden Winter wird auch die Bevölkerung zu einem Pflegeeinsatz eingeladen, bei dem sie selbst für die Flussseeschwalben aktiv sein können.

Seit vielen Jahren kontrolliert Daniel Bruderer den Brutbestand und –erfolg der Flussseeschwalbe im Rheindelta. Seine Monitoring-Ergebnisse zeigen, dass sich der langjährige Einsatz lohnt. Lag der Bestand der Flussseeschwalbe Anfang der 1990er Jahre bei 74 – 135 Paaren, so steigerte er sich nach 1996 kontinuierlich bis 2005 auf 310 Paare. Seither hat sich die Anzahl auf einem etwas geringeren Niveau stabilisiert. Heute beherbergt das Rheindelta über zwei Drittel der gesamten österreichischen Population der Flussseeschwalbe (Kilzer et al. 2011). In Vorarlberg konnte die Flussseeschwalbe von der Gefährdungskategorie “vom Aussterben bedroht“ (Blum & Kilzer 1993) auf „gefährdet“ (Kilzer et al. 2002) zurückgestuft werden.

Brutsaison der Flussseeschwalbe 2010 im Rheindelta

© Jürgen Ulmer

Erstmals seit 10 Jahren hat die Art wieder an der Mündung des Alten Rheines gebrütet. Ein altes Floss wurde im Bereich der renaturierten Mündung im Winter 2008/2009 neu platziert und nun erstmals besetzt. Weil neben der Lagune auch wieder das Rückhaltebecken besetzt wurde, waren 2010 3 Brutplätze gleichzeitig belegt. Insgesamt (alle 3 Plätze zusammen) brüteten am 16.6.2010 maximal 259 Paare, was im Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegt. Der Erfolg war mit mind. 266 ausgeflogenen Jungvögeln ziemlich gut und liegt ebenfalls im langjährigen Schnitt.

Die maximale Paarzahl vom 16.6.2010 verteilte sich auf die Lagune (dort wurden fünf der sechs Flosse angenommen) 212 Paare, Rückhaltebecken 46 Paare und Altrheinmündung 1 Paar. Später verließen erfolglos brütende Paare die beiden Flosse im Rückhaltebecken um wahrscheinlich an die Lagune und die Altrheinmündung mit einer Zweitbrut fortzufahren. Mindestens 237 Junge wurden flügge auf den Flossen der Lagune, 24 Junge im Rückhaltebecken und 5 Junge an der Altrheinmündung.

Besonders erwähnenswert war ein Sturmereignis Anfang Juni, bei welchem zwei Flosse in der Lagune von den Ankersteinen weggerissen und an den Rheindamm gedrückt wurde. Dadurch konnten Landraubtiere (wahrscheinliche Füchse) die vorhandenen Gelege (50) zerstören. Weiter kippte das neue (zweite) Floss im Rückhaltebecken Ende Mai einseitig ab, was zur Aufgabe von ca. 15 Gelegen führte.

Vier der sechs Flosse der Lagune müssen in diesem Winter repariert werden, da die tragenden Holzlatten teilweise stark verfault sind und durchbrechen. Wir können zufrieden auf das vergangene Jahr blicken und auch im 2011 einen guten Bestand der Flussseeschwalbe im Rheindelta erwarten.

Text: Daniel Bruderer

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