2017: Sumpf-Bovist

(Bovista paludosa)

© Irmgard Krisai-Greilhuber

Kurzbeschreibung:
Der Sumpf-Bovist bildet kleine kugelige, birnförmige oder gestieltkopfige Fruchtkörper, die 1-6 cm hoch und 1-5 cm breit sind. Der Stiel ist häufig grubig bis faltig und oft nach unten zu verjüngt. Das Myzel an der Stielbasis ist am Boden mit Moosen verfilzt. Der Kopfteil ist rein weiß, ganz glatt, älter bisweilen etwas felderig, seine äußere Hülle trocknet ein und bleibt dann als häutige, eng anliegende, weißliche Fetzen auf der inneren Hülle erhalten. Die innere Hülle, die die Sporenmasse umschließt, ist hauchdünn, pergamentartig, zuerst gelbbraun, dann rot- bis schwarzbraun, schimmert bisweilen kupferrötlich und ist matt bis schwach glänzend. Der Fruchtkörper öffnet sich bei der Sporenreife am Scheitel mit einem kleinen Spalt oder einem unregelmäßigem Loch. Die Sporenmasse ist anfangs weiß, dann olivbraun, weil die reifen Sporen olivbraun gefärbt sind. Der Sumpf-Bovist hat seinen typischen Standort in Mooren und Feuchtgebieten, stets in Verbindung mit Moosen.

Phänologie
Der Sumpf-Bovist fruktifiziert in den gemäßigten Breiten Europas vor allem in den Sommermonaten. Die Fruchtkörper erscheinen von Juli bis September, alte überwinterte Bovista paludosa wurden auch im Februar gefunden. Durch das Wachstum in feuchten Gebieten kann diese Art sommerliche Hitze- und Trockenperioden ertragen.
 
Lebensweise und Lebensräume
Der Sumpf-Bovist lebt saprotroph, er ernährt sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial, wobei eine Verbindung mit Moosen sehr wahrscheinlich ist. Er wächst auch auf Resten von Seggen (Carex spp.), anderen Sauergrasgewächsen (Cyperaceae) und Gräsern (z.B. Pfeifengras). Die von ihm besiedelten Habitate sind immer feucht und moosig und erstrecken sich von Kalk-Niedermooren, über Feuchtwiesen, Röhricht-Gesellschaften, Pfeifengras-Wiesen, Quellmoore, nasse Heidegesellschaften, feuchte Wiesen in Bergwäldern, Kiefern-Moorwald bis zu Hochmooren.
Was die Bodenansprüche betrifft, besiedelt der Sumpf-Bovist mehr oder weniger rein organotrophe Substrate bei zumeist basischen pH-Werten, der Stickstoffgehalt schwankt von wenig bis mäßig. In Bezug auf die Synanthropie ist das Vorkommen auf natürliche und naturnahe Standorte, selten semi-natürliche Standorte beschränkt. Dadurch ist der Sumpf-Bovist ein guter Zeigerorganismus für ungestörte oder nur schwach gestörte Moore und Feuchtgebiete.
 
Höhenlagen
Diese Art kommt in Österreich in unterschiedlichen Höhenstufen vor. Sie fehlt im Tiefland und oberhalb der Waldgrenze, tritt selten im Hügelland auf, hat ihren Schwerpunkt am Alpenrand und im Mittelgebirge, ist noch im Bergland zu finden und steigt selten bis unter die Waldgrenze auf. Aus der Schweiz ist ein Fund aus 2250 m Höhe bekannt.
 
Verbreitung in Europa
Der Sumpf-Bovist hat seinen Schwerpunkt in Mitteleuropa, besonders in den Alpen. Er tritt auch noch in Skandinavien häufiger auf. Am häufigsten ist er noch in der Schweiz (Alpen und Jura) und in Bayern im Alpenvorland zu finden. In weiteren Teilen Europas kommt er vereinzelt vor.
Weltweite Verbreitung: Europa, Asien (Altai, Sibirien, Himalaya, Indien) und Nordamerika (USA, Kanada).
 
Funde in Österreich
In Österreich gibt es weniger als zwanzig Nachweise. Der Sumpf-Bovist ist aus Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg bekannt. Er hat seinen Verbreitungsschwerpunkt in den Nördlichen Kalkalpen und im Nördlichen Alpenvorland, kommt weiters in den Zentralalpen, dem Klagenfurter Becken, den Südlichen Kalkalpen und im Waldviertel vor.
Die Nachweise umspannen den Zeitraum von 1966 bis 2012. Die meisten der Nachweise stammen aus der Zeit zwischen 1970 und 1990. Nur fünf Nachweise sind aus den Jahren nach 1992.
Als in Mooren auffällige Art ist der Sumpf-Bovist kaum zu übersehen, die wenigen neueren Fundmeldungen dieser Art in Österreich geben daher ein wohl richtiges Bild von der zunehmenden Seltenheit dieser Art.
 
Verwechslungsmöglichkeiten
Durch den charakteristischen Standort in Feuchtgebieten ist der Sumpf-Bovist gut eingenischt. Es wachsen eventuell zwei weitere Bauchpilze auch in diesen Lebensräumen, nämlich Lycoperdon caudatum und L. muscorum, diese sind beide ebenfalls sehr selten und in derselben Gefährdungsstufe „Endangerd“. Beide Arten haben eine fein warzige bis stachelige äußere Hülle, wodurch sie leicht vom Sumpf-Bovist, der eine glatte Hülle hat, zu unterscheiden sind.
 
Gefährdung
In Europa sind vom Sumpf-Bovist nur ca. 150 Fundorte bekannt. Er ist in vielen Ländern rückläufig. Es wurde in Tschechien, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Polen und Schweden eine Abnahme innerhalb der letzten 50 Jahre festgestellt. Gemäß den international standardisierten Kategorien der IUCN ist er in Österreich als stark gefährdet, das ist die Kategorie Endangered EN, einzuordnen.
Der Sumpf-Bovist ist durch die ständige Gefährdung seiner Lebensräume, nämlich der Moore und Feuchtgebiete stark bedroht.
Der Sumpf-Bovist steht in Österreich auf der Roten Liste der Gefährdeten Arten, ebenso in etlichen weiteren europäischen Staaten.
 
Schutzmaßnahmen
Der Sumpf-Bovist benötigt natürliche bzw. allerhöchstens noch naturnahe Lebensräume. Die Bestände des Sumpf-Bovistes sind unbedingt zu schützen. Das bedeutet umfangreichen Schutz für die Biotoptypen, in denen er vorkommen kann, also für Moore u.a. Feuchtgebiete. Und das in entsprechend großflächigem Ausmaß und mit flächenmäßig ausreichenden Pufferzonen zu umgebenden land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen.
 
Bitte melden
Sichtungen des Sumpf-Bovistes sollten an die Österreichische Mykologische Gesellschaft weitergemeldet werden.
 
Info zusammengestellt nach einem Text von Irmgard Krisai-Greilhuber
 
 
Das Bildmaterial darf im Rahmen der Berichterstattung zum Pilz des Jahres 2017 mit Nennung des Bildautors unentgeltlich verwendet werden.
Der gefährdete Pilz des Jahres 2017 für Österreich wurde von der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft ernannt.
 
 
 

Zurück

Cookies helfen uns bei der Erbringung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Angebote erklären Sie sich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Weiterlesen …