2016: Safrangelber Weichporling

(Hapalopilus croceus)

Als große und auffällig gefärbte Art ist der Safrangelbe Weichporling eigentlich kaum zu übersehen. Die wenigen Fundmeldungen in Österreich geben daher vermutlich ein annähernd korrektes Bild der Seltenheit dieser Art. Die wenigen Nachweise lassen auf weitgehend isolierte Populationen schließen. Die drei Funde aus dem Lainzer Tiergarten umspannen beinahe ein Jahrhundert!

Safrangelber Weichporling © Alexander Urban
Safrangelber Weichporling © Alexander Urban
Kurzbeschreibung:
Der Safrangelbe Weichporling bildet meist große (bis > 20 cm) und konsolenförmige Fruchtkörper aus. Dank seiner leuchtend orangen Farbe ist dieser prachtvolle Porling sehr auffällig und einfach zu erkennen. Die Farbe des Hutfleisches und der Poren erinnert an das Fruchtfleisch eines Hokkaido-Kürbisses. Die Fruchtkörper sind weichfleischig, schwammig-feucht und relativ kurzlebig, nach einigen Wochen verlieren sie ihre Pracht. Die schwammig-weiche Textur und die Vergänglichkeit der Fruchtkörper ergeben sich aus dem Fehlen von Skelett- und Bindehyphen. Auch die Porenmündungen sind orange, mit 2-3 Poren pro mm sind die Poren gut mit freiem Auge zu erkennen. Bei jungen Fruchtkörpern kann die Bildung von Tropfen zu beobachten sein, beim Vertrocknen schrumpft das weiche Flechtgewebe recht stark. Das Wachstum an stehendem oder liegendem Totholz mächtiger alter Eichen, fallweise auch an alten Edelkastanien, ist charakteristisch. Der Safrangelbe Weichporling fruktifiziert in den gemäßigten Breiten Europas vor allem in den Sommermonaten. Durch das Wachstum auf mächtigem Totholz hat diese Art Zugang zu einem ergiebigen Wasserspeicher und kann auch sommerlichen Hitze- und Trockenperioden widerstehen.
 
Verwechslungsmöglichkeiten:
Der ebenfalls äußert seltene und in Österreich noch nicht nachgewiesene rötende Weichporling (Aurantioporus alborubescens)ist zunächst weißlich und rötet bald. Er ist auf Buchenholz spezialisiert.
Der recht häufige Zimtfarbene Weichporling (Hapalopilus nidulans) wächst vorwiegend auf Eichenholz, aber auch auf anderen Laubhölzern, selten wurden auch Funde von Nadelholz berichtet. Die Art ist ebenso wie der Safrangelbe Weichporling weichfleischig, ist jedoch durch die zimtbraune Farbe der Fruchtkörper leicht zu unterscheiden.
Die recht häufige und weit verbreitete Zinnobertramete (Pycnoporus cinnabarinus) ist in der Regel auf Laubholz zu finden. Dieser leuchtend rote Porling ist wenig anspruchsvoll, was die Dimension des Substrats betrifft, und besiedelt Äste unterschiedlicher Stärke. Die Fruchtkörper können je nach Substratangebot unterschiedlich groß werden, erreichen jedoch nur selten mehr als 10 cm im Durchmesser. Der Pilz ist nicht weichfleischig sondern korkartig-zäh und schrumpft beim Trocknen nur wenig.
 
Funde in Österreich:
In Österreich ist der Safrangelbe Weichporling bislang nur aus Wien und dem Burgenland bekannt. In Wien kommt er im Lainzer Tiergarten, einem Schutzgebiet mit bedeutenden Eichen-Altbeständen, vor und wurde insgesamt dreimal gefunden (12.7.1922, Viktor Litschauer; Herbarium GJO;  19.9.1991, Irmgard Krisai-Greilhuber, Dorotheerwald-Schottenwald; Herbarium WU 10619); 20. 8. 2015, Alexander Urban, Gabriele Wolfslehner, Kernzone Johannser Kogel. Im Burgenland wurde er bei Windisch-Minihof, am Schusterberg gefunden (9.07.1978, Plank Stefan, Herbarium GJO). Quelle der älteren Funddaten: Datenbank der Pilze Österreichs, http://austria.mykodata.net/.
Als große und auffällig gefärbte Art ist der Safrangelbe Weichporling kaum zu übersehen, die wenigen Fundmeldungen dieser Art in Österreich geben daher vermutlich ein annähernd korrektes Bild der Seltenheit dieser Art. Andererseits könnte die relative Kurzlebigkeit dieser Art die Sichtungswahrscheinlichkeit vermindern. Auch finden sich sehr alte Baumbestände selten im Einzugsgebiet von Wanderwegen, aus Gründen des Besucherschutzes. Die Entdeckung neuer Fundorte dieses Pilzes in Österreich wäre wünschenswert, dieser Beitrag ist daher auch als Aufruf zur Meldung allfälliger Beobachtungen  dieser Art zu verstehen.
Die wenigen Nachweise lassen auf weitgehend isolierte Populationen schließen. Die vermutlich nächstgelegenen Vorkommen liegen in der südlichen Slowakischen Republik, wo diese Art an zwei Standorten gefunden wurde und ebenfalls als sehr selten gilt. Die drei Funde aus dem Lainzer Tiergarten umspannen beinahe ein Jahrhundert. Diese wenigen Daten lassen vermuten, dass die Reliktvorkommen dieser Art lokal lange Zeit überdauern können, solange geeignetes Substrat vorhanden ist. Die Beobachtung, dass der Safrangelbe Weichporling an einem einzigen Baum über 70 Jahre lang Fruchtkörper bildete, legt nahe, dass die Myzelien dieser Art sehr langlebig sind, ähnlich wie ihr Substrat, das sich nur langsam zersetzende Eichenholz.
 
Gesamtverbreitung:
Das Verbreitungsgebiet des Safrangelben Weichporlings erstreckt sich über weite Teile Europas und reicht laut Literatur bis Nordamerika, Nordafrika und Asien, dem Verbreitungsgebiet von Eichen und Edelkastanien folgend. In Mitteleuropa bis zum südlichen Nordeuropa liegen die meisten Funde im Flach- und Hügelland, in Südeuropa steigt die Art höher ins Gebirge. Der Safrangelbe Weichporling ist in ganz Europa selten, in den Ländern mit den meisten Fundorten wird er als vom Aussterben bedroht (CR = critically endangered: Deutschland, Estland, Schweden) oder als stark gefährdet (EN = endangered: Polen, Lettland) gelistet. Daher gilt die Art europaweit als vom Aussterben bedroht (CR). Ihr Status in anderen Kontinenten ist wegen unzureichender Datenlage noch ungeklärt (The Global Fungal Red List Initiative,  http://iucn.ekoo.se/iucn/species_view/445931)
 
Gefährdungsursachen:
Der Safrangelbe Weichporling ist auf sehr alte Eichenbestände spezialisiert, ein europaweit seltenes und schützenswertes Habitat. Der Safrangelbe Weichporling hat damit ähnliche Substratansprüche wie seltene und geschützte Totholzkäfer (z.B. Heldbock, Hirschkäfer, Juchtenkäfer und Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer) und seltene Höhlenbrüter, und ist trotz seiner prachtvollen Erscheinung ein weniger bekannter Teil dieser saproxylen Lebensgemeinschaften (Totholzbewohner). Er ist auch an jenen Standorten selten, wo geeignetes Substrat noch reichlich vorhanden ist. Beispielsweise konnte der Pilz im Naturwaldreservat Johannser Kogel rezent nur mit einem Fruchtkörper an einem einzigen Eichenstamm beobachtet werden.
 
Die Seltenheit der Eichenbestände mit geeigneter Habitatqualität und die Alterspyramide der Eichenbestände geben Anlass zur Sorge: Gegenwärtig finden sich die Vorkommen des Safrangelben Weichporlings in Wien typischerweise in Schutzgebieten mit sehr alten Eichenbeständen (>= 400 Jahre).  Diese für den Safrangelben Weichporling optimalen Altbestände sind meist schon in der Zerfallsphase, die sich je nach Bestandesstruktur über mehrere Jahrzehnte erstrecken kann. Während in vielen Waldgebieten zahlreiche jüngere Eichen (<100 Jahre) vorhanden sind, besteht vielfach ein Mangel an reifen Eichen (200-400 Jahre), die auch in Zukunft Substrat geeigneter Qualität bieten können.
Der europaweite Mangel geeigneter Eichenwälder ist nicht zuletzt ein Ergebnis des Landschaftswandels infolge geänderter Landnutzung, bedingt durch die Industrialisierung der Landwirtschaft. Gegenwärtig finden sich potentiell geeignete Eichenbestände weniger in Wirtschaftswäldern, als vielmehr in Parkanlagen, Schlossgärten, Jagdgattern, Alleen und Friedhöfen (Sekundärhabitate). Auch in für die Holzbringung ungünstigen Lagen, besonders an Steilhängen, haben sind mancherorts noch Eichen-Altbestände erhalten. Die hochgradige Gefährdung des  Safrangelben Weichporlings in Europa wird also nicht nur aus der gegenwärtigen Seltenheit des Pilzes, sondern auch aus der ungünstigen Alterspyramide der Eichen, seines bevorzugten Substrats, abgeleitet.
 
In jüngerer Zeit ist zwar einerseits das Bewusstsein für die Bedeutung des Totholzes für die Artenvielfalt gewachsen, andererseits haben sich bestehende Nutzungs- und Zielkonflikte verschärft. Mit der forcierten thermischen Holznutzung erwuchs den auf Totholz angewiesenen Arten starke Konkurrenz. Das Problem der Wegesicherung trug den Konflikt um Altbäume und stehendes Totholz bis in höchstrangige Schutzgebiete, denn in Österreich haftet der Wegehalter straf- und zivilrechtlich für die Sicherheit der Waldbesucher. Deswegen werden im Einzugsbereich von Wegen Altbäume gefällt. Zumindest in Natur-und Kernzonen steht dies in Widerspruch zum Prozessschutz, also der vorrangigen Zielsetzung, eine natürliche Entwicklung zuzulassen. Der Rechnungshof beschrieb anlässlich der Überprüfung des Nationalparks Donauauen diesen Zielkonflikt, der auch andere Schutzgebiete betrifft: „Aufgrund der Haftungsbestimmungen des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches in Verbindung mit dem Forstgesetz werden Bäume, die im Gefährdungsbereich von öffentlichen Wegen stehen und eine Gefahr darstellen können, von den zuständigen Nationalpark–Forstverwaltungen gefällt (Wegehaftung). ….Der RH bemängelte, dass die Bewahrung der repräsentativen Tier– und Pflanzenwelt einschließlich ihrer Lebensräume, wie es alle gesetzlichen Grundlagen verlangen, bei der derzeitigen Länge und Dichte des Wegenetzes nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist. Es besteht hier ein Konflikt in Hinblick auf die Ökologie sowie die Zielerreichung des Nationalparks. Er empfahl, speziell im Bereich der Naturzone das Wegenetz auf ein Maß zu reduzieren, das der ökologischen Zielsetzung besser entspricht“ (Au-Blick 37, S. 9, 2013: http://www.donauauen.at/dateien/5993_AuBlick_37.pdf; http://www.rechnungshof.gv.at/fileadmin /downloads/2006/berichte/teilberichte/wien/Wien_2006_01/Wien_2006_01_2.pdf .
Es bleibt bei bestehender Gesetzeslage also die Wahl zwischen einer Ausdünnung des Wegenetzes und weitgehenden Sicherungsmaßnahmen entlang bestehender Wege.  Ein möglicher, jedoch aufwändiger und sehr teurer, Kompromiss besteht in Entlastungs- und Sicherungsschnitten im Kronenbereich der potentiellen Risikobäume, oder, falls die Fällung der Krone unvermeidlich ist, im Belassen von Hochstümpfen, wie dies auch im Lainzer Tiergarten durchgeführt wird. In Einzelfällen kann auch das Verlegen von Wegen Abhilfe schaffen.
In Deutschland besteht eine für den Naturschutz vorteilhaftere Gesetzeslage: „Das Betreten der freien Landschaft erfolgt auf eigene Gefahr. Durch die Betretungsbefugnis werden keine zusätzlichen Sorgfalts- oder Verkehrssicherungspflichten begründet. Es besteht insbesondere keine Haftung für typische, sich aus der Natur ergebende Gefahren.“ (§ 60 Bundesnaturschutzgesetz der Bundesrepublik Deutschland).
 
Schutzmaßnahmen:
Bestände in denen der Safrangelbe Weichporling wächst sind zu schützen. Um alte Eichenbestände möglichst lange vital zu erhalten, kann es bei halb-offenen Waldlandschaften zweckmäßig sein, potentiell konkurrierenden Baumbewuchs hintanzuhalten, beispielsweise durch Beweidung. Die Bewirtschaftung auch des umgebenden Waldes sollte die Zielsetzung verfolgen, dass auch in Zukunft ausreichend Altbäume vorhanden sein werden. Langfristig ist eine Vernetzung der Reliktpopulationen seltener saproxyler Arten durch Schaffung eines internationalen Habitatverbunds anzustreben.
 
Danksagung:
Die Wiederentdeckung des Safrangelben Weichporlings glückte im Rahmen des von EU, Bund und Land Wien über das Programm "Ländliche Entwicklung 2007-13" geförderten Projektes „Totholzsukzession in der Kernzone Johannser Kogel“ der MA 49 - Forstamt der Stadt Wien.
Quellenverzeichnis:
Au-Blick 37, S. 9, 2013: http://www.donauauen.at/dateien/5993_AuBlick_37.pdf
Datenbank der Pilze Österreichs, http://austria.mykodata.net/
The Global Fungal Red List Initiative,  http://iucn.ekoo.se/iucn/species_view/445931
Rechnungshofbericht 2006 zum Nationalpark Donau-Auen, http://www.rechnungshof.gv.at/fileadmin /downloads/2006/berichte/teilberichte/wien/Wien_2006_01/Wien_2006_01_2.pdf
 
Pilz des Jahres 2016 ernannt von der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft
 
Text und Bilder: Alexander Urban. Das Bildmaterial darf im Rahmen der Berichterstattung zum Pilz des Jahres 2016 unentgeltlich verwendet werden.
 
 
  Pressefoto: © Alexander Urban

 

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