Wiesenbrüter brauchen Schutz und Hüter

Wiesenbrüter wie Großer Brachvogel, Kiebitz und Bekassine sind charakteristisch für das Vorarlberger Rheintal und seine Riedlandschaften. Ihr Bestand ist jedoch bedroht.  Mit einem Maßnahmenpaket setzen sich das Land Vorarlberg, der Naturschutzbund Vorarlberg und ihre Partner verstärkt für den Erhalt dieser seltenen Vögel und deren Lebensräume ein und informierten heute die Öffentlichkeit bei einem Pressegespräch in Dornbirn mit Blick auf das Naturschutzgebiet Gsieg-Obere Mäder.

Die Wiesenbrüter sind in Vorarlberg vom Aussterben bedroht. Die Lebensräume dieser Tiere sind auf kleine Inseln im intensiv genutzten Landwirtschaftsgebiet zusammengeschmolzen. Auch Fressfeinde wie Fuchs und Dachs sowie freilaufende Hunde sorgen für verminderten Bruterfolg. „Vorarlberg trägt eine besondere Verantwortung für die Erhaltung von Brachvogel, Kiebitz und Bekassine und ihrer Lebensräume. Die Riedgebiete im unteren Vorarlberger Rheintal gehören zu den wichtigsten Wiesenbrütergebieten Österreichs und sind das bedeutendste in der Bodenseeregion“, erläuterte Landesrat Johannes Rauch. Intensive Bemühungen im Rahmen des Wiesenbrüterschutzprojekts des Naturschutzbundes (Brachvogel, Bekassine, Kiebitz - gefördert durch das Land Vorarlberg), sowie die Ausarbeitung von Artenschutzkonzepten, konnten den grundsätzlichen negativen Trend bisher verlangsamen aber nicht aufhalten.

Großer Brachvogel © Manfred Waldinger

Kiebitz © Jürgen Ulmer

Reinhard Hellmair, LR Johannes Rauch, Bianca Burtscher, Petra Häfele, Sabine Ilg, Jürgen Ulmer, © VLK/W. Micheli

„Werden nicht rasch verstärkte Bemühungen angesetzt, ist mit dem endgültigen Aussterben von Arten in Vorarlberg zu rechnen“, betonte Rauch. Er appelliert an alle Verantworlichen, sich an die Spielregeln zu halten: „Bleiben Sie in den Riedgebieten, insbesondere während der Brutzeiten, auf den Wegen und nehmen Sie Ihren Hund an die Leine“. Während der Kiebitz-Bestand als Positivbeispiel angeführt werden kann, gelten der Brachvogel und Bekassine als Sorgenkinder, informierte  Jürgen Ulmer vom Naturschutzbund-Projektteam : „Bei den Kiebitzen konnten wir 70 Brutpaare zählen, während es beim Brachvogel zehn und bei den Bekassinen lediglich ein bis zwei sind.“

Wiesenbrüterschutz: Projekte, Initiativen und Förderungen

Wiesenbrüterfreundliche Grabenumgestaltung © Reinhard Hellmair

Kiebitz-Küken © Manfred Waldinger

Bianca Burtscher, Geschäftsführerin des Naturschutzbunds, nannte die wichtigsten Maßnahmen für den Erhalt der Wiesenbrüter in Vorarlberg: „Neben dem Erhalt der Feuchtwiesen und der Sicherung eines hohen Grundwasserspiegels geht es um Grabenbewirtschaftung, die Anlage von Flachteichen und eine gute Besucherlenkung inkl. Leinenzwang für Hunde während der Brutzeit von Mitte März bis Mitte Juli.“
Durch einfache Maßnahmen können Gelege- und Kükenverluste durch landwirtschaftliche Bearbeitung weitestgehend vermieden werden. Voraussetzung hierfür ist eine enge Kooperation zwischen Landwirt und Vogelkundler. „Für mich als Landwirtin ist es selbstverständlich zu helfen. Gerade die enge Zusammenarbeit mit dem Vogelkundler erleichtert es ungemein. Wir sehen gelegentlich die Kiebitze in der Nachbarschaft und erfreuen uns daran – dieser Vogel ist unbedingt schützenswert“, meinte die Landwirtin Sabine Ilg.

Maßnahmen in den Schutzgebieten, Leuchtturmprojekt Auer Ried

Auch in den Schutzgebieten wurden Maßnahmen gesetzt, die konkret oder aber durch Lebensraumaufbesserungen indirekt den Wiesenbrütern zugutekommen. So wurden zum Beispiel im Auer Ried (Natura 2000 Gebiet Soren, Gleggen-Köblern, Auer Ried, Birken-Schwarzes Zeug) Gräben abgeflacht, ein Feuchtbiotop angelegt und Flachteiche geschaffen, erklärt Reinhard Hellmair, Gebietsbetreuer und jagdlicher Koordinator des Naturschutzbund-Projekts "Wiesenbrüterschutz in Vorarlberg".

Im Zuge der bisherigen Wiedervernässungsversuche im Rheindelta wurden unter anderem Gräben dauerhaft gestaut bzw. in manchen Bereichen ein Grabenmanagement (mit Schleusen) eingerichtet. „Für die Biotoppflege laden wir seitens der Gebietsbetreuung gerne engagierte Freiwillige aus der Region zur Mitarbeit ein und dürfen zudem regelmäßig auf die Unterstützung und Mitarbeit von Asylwerbenden zählen. Es ist jedes Mal auf’s Neue fantastisch zu sehen, wieviel wir bereits mit einer kleinen Gruppe an tatkräftigen Helfern an einem Tag umsetzen und bewegen können - mit viel Freude in und an der Natur!“, berichtet die Natura 2000-Regionsmanagerin Petra Häfele. Das Auer Ried gehört zu den Leuchtturmprojekten, was Schutzmaßnahmen für den Kiebitz und neue Lebensräume angeht.Weitere Infos finden Sie in der Pressemappe. Auf vol.at können Sie den Livestream der Pressekonferenz nachsehen.



Feuchtbiotop im Auer Ried © Alfred Köb

Entbuschungsaktion im Natura 2000-Gebiet Gsieg-Obere Mähder © Petra Häfele

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