Sechs flügge Brachvögel, sensationeller Braunkehlchen-Bruterfolg, aber kaum flügge Kiebitze

Projekt „Wiesenbrüterschutz in Vorarlberg“

Ein über weite Strecken warm-trockenes Frühjahr und ein außergewöhnlich heißer und extrem trockener Sommer kennzeichneten die Brutsaison 2026. Während der überwiegend auf Äckern brütende Kiebitz stark unter diesen Bedingungen litt, gab es bei den in Streuwiesen brütenden Arten Brachvogel und Braunkehlchen sehr erfreuliche Bruterfolge.

Flügger Brachvogel © Jürgen Ulmer

Sechs Brachvogel-Junge erreichten 2026 das flugfähige Alter! Von den sechs Brachvogel-Paaren hatten mindestens vier Schlüpferfolg, vermutlich schlüpften auch im Gelege eines fünften Paares Küken. Zu diesem Zeitpunkt waren die Streuwiesen schon relativ hoch und boten sowohl Deckung als auch ein reiches Insektenangebot. Zum guten Bruterfolg 2026 hat auch beigetragen, dass zum ersten Mal Brachvogel-Gelege großflächig eingezäunt wurden, damit die Küken in diesen geschützten Bereichen auch Nahrung finden und sich länger aufhalten konnten. Drei der flüggen Jungen stammen aus groß eingezäunten Gelegen, drei aus klein eingezäunten.

Großflächig eingezäuntes Brachvogel-Gelege © Jürgen Ulmer

Am besten kam das Braunkehlchen mit der trocken-warmen bzw. -heißen Witterung zurecht. Einzelne Paare begannen bereits kurz nach dem Eintreffen im Brutgebiet Anfang Mai mit dem Brutgeschäft, sodass die ersten Jungen schon Anfang Juni das Nest verließen und die Altvögel in einigen wenigen Fällen sogar die Möglichkeit hatten, ein zweites Mal erfolgreich zu brüten. Von 113 Brutpaaren in den Braunkehlchen-Kerngebieten hatten mindestens 100 Paare Junge. Insgesamt flogen mindestens 250 Junge aus – so viele wie noch nie seit Beginn unserer systematischen Bruterfolgskontrollen!

Der überwiegend auf Äckern brütende Kiebitz hingegen litt in zweifacher Hinsicht unter der Trockenheit: Zum einen wurden bereits im Frühjahr offene Wasserstellen knapp, die Ackerböden wiesen teilweise schon im Mai mehrere Zentimeter breite Trockenrisse auf und waren im Juni nicht mehr stocherfähig. Regenwürmer und andere im Boden lebende Wirbellose zogen sich in immer tiefere, für den Kiebitz nicht mehr erreichbare Bodenschichten zurück. Selbst unter den früh geschlüpften Küken überlebten daher nur wenige. Verschärfend kam die bei trockener Witterung besonders intensive landwirtschaftliche Nutzung hinzu. Bei einem Gesamtbestand von mindestens 64 Brutpaaren erreichten lediglich acht Junge aus fünf Familien das flugfähige Alter.

Kiebitz-Küken auf Acker mit Trockenrissen © Jürgen Ulmer

Durch die Klimakrise werden trocken-heiße Perioden häufiger und noch ausgeprägter werden. Für die Erhaltung des Kiebitz-Bestands sind deshalb Maßnahmen unerlässlich, die feuchte Mulden, Zugang zu offenen Wasserstellen und insbesondere hohe Grundwasserstände sichern oder wiederherstellen.

Ein hoher Grundwasserspiegel in den Wiesenbrütergebieten ist auch für Brachvogel und Braunkehlchen unerlässlich. Die guten Bruterfolge in diesem Jahr dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Lebensraum - die Streuwiese – nur auf Böden mit einem hohen Grundwasserstand langfristig erhalten werden kann.

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