Aktuelle Bestandssituation - Reptilien in der Steiermark

© Wolfgang Schruf
Alle heimischen Arten sind gefährdet!  Allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß: Arten mit einem Verbreitungsschwerpunkt im Gebirge (Kreuzotter und Bergeidechse) sind durch menschliche Eingriffe am wenigsten beeinträchtigt. Ihre Vorkommen in inneralpinen Feuchtgebieten tieferer Lagen sind durch Lebensraumverlust und -degradierung jedoch massiv beeinträchtigt.
 
Eine weite Verbreitung mit stellenweisen hohen Bestandsdichten weisen Blindschleiche und Ringelnatter auf.
 
Bezüglich der Äskulapnatter ist dies höchst unterschiedlich. Sie ist vor allem in der West- und Oststeiermark weit verbreitet, in Regionen mit niedriger Strukturvielfalt jedoch ausgesprochen selten.
 
Auf Grund ihrer versteckten Lebensweise wird die Schlingnatter nur selten beobachtet, in der Regel als Einzelfund. Sie besitzt zwar eine weite Verbreitung, zu einer Bestandseinschätzung fehlen jedoch ausreichende Wissensgrundlagen.
 
Die Europäische Hornotter (Sandviper) ist in der Steiermark fast gänzlich ausgestorben. Etliche Bestände erloschen erst in den 1990er-Jahren. In der Südsteiermark ist ein aktueller Bestand auf einer Fläche von nur etwa 1 Hektar bekannt. Ein zweites Vorkommen existiert sonst nur mehr südlich des Neumarkter Sattels.
 
Einen Sonderfall stellt die Würfelnatter dar. Sie war in den 1970er Jahren durch Gewässerverschmutzung fast gänzlich ausgestorben. Durch Sanierung der Fließgewässer konnte sie sich wieder etwas erholen. Durch Kraftwerksbauten und Mangel an Landlebensräumen werden aber wieder Bestandsverluste verursacht.
 
Die relativ großflächige Verbreitung der Zauneidechse täuscht über ihre tatsächliche Bestandssituation hinweg. Vor allem in den letzten Jahrzehnten sind ihre Bestände drastisch zurückgegangen und viele lokale Vorkommen gänzlich erloschen.
 
Die Verbreitung der stark gefährdeten Smaragdeidechse beschränkt sich auf meist nur sehr kleinräumige und isolierte Gebiete der südlichen Steiermark, des Vulkanlandes und der Feistritzklamm. Vorkommen im Grazer Bergland sind praktisch gänzlich erloschen. Ihre Lebensräume werden stark vom Menschen in Anspruch genommen (vor allem durch Weinbau) bzw. werden ungenutzte Steillagen mit hohem Pflegeaufwand aufgeforstet.
 
Einer ähnlichen Situation unterliegt auch die heimische Mauereidechse. Allerdings besitzt sie zusätzlich eine größere Verbreitung an felsigen Standorten des Grazer und Weizer Berglandes, bei meist nur geringen Bestandsdichten. Eine vermeintlich größere Verbreitung im Grazer Raum und im Murtal stellte sich 2015 als ein schon seit Jahrzehnten eingeschlepptes Vorkommen italienischer Unterarten heraus.
 
Die Steiermark liegt außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes von Schildkröten. Trotzdem finden sich seit einigen Jahren wieder vereinzelt Vorkommen von der Europäischen Sumpfschildkröte. Bekannt sind auch zahlreiche Aussetzungen von Rotwangen-Schmuckschildkröte und der Nordamerikanischen-Schmuckschildkröte.
 
Generell ist zu vermerken, dass das Wissen zu Reptilienvorkommen in nahezu der ganzen Obersteiermark äußerst dürftig ist. Mit der Hilfe von naturinterssierten Menschen können auf naturbeobachtung.at aktuelle Verbreitungsdaten gesammelt und Lücken geschlossen werden. Helfen sie mit!


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