Hybridisierungsgrad nicht so hoch, wie bisher angenommen?

© Helmut Heimpel

Die Vermischung oder Hybridisierung zwischen Wildtierarten und ihren domestizierten Artgenossen wird als große Bedrohung des Artenschutzes betrachtet. Die genetische Reinheit der Europäischen Wildkatze ist beispielsweise so ein Anliegen, da diese in ihrem Verbreitungsgebiet zahlenmäßig von Hauskatzen übertroffen wird. Eine Forschergruppe des Forschungsinstituts Senckenberg in Deutschland untersuchte 1.071 Wildkatzenexemplare anhand von Haarproben und Verkehrsopfern, die in den stark zerstückelten Wäldern des westlichen Mitteleuropas – in Deutschland und Luxemburg – gesammelt wurden, um die Einkreuzung in die Wildkatzenbestände in menschlich geprägten Landschaften zu beurteilen. Sie wandten dabei eine neue, genauere Untersuchungsmethode mit sog. SNPs (gesprochen „Snips“) an. Dabei werden im Erbgut bestimmte Einzelpositionen molekulargenetisch untersucht, um Mischlinge zu identifizieren. Diese Methode ist wesentlich treffsicherer als die bisher angewandte mit Mikrosatelliten-Markern.

Die Analysen ergaben eine niedrige Erbgut-Vermischungsrate von nur 3,5 % der Wildkatzen, die genetische Anteile von Hauskatzen zeigten. Die neuen Ergebnisse zeigen klar, dass die hohe Hybridisierungsrate, die für Mitteleuropa in früheren einzelnen Studien ausgewiesen wurde, vielleicht auf eine ungeeignete Auswahl von Markern und/oder einen unzureichenden Beprobungsumfang zurückzuführen ist. Die neue Studie zeigt, dass die SNP-Methode eine sehr zuverlässige Erkennung von Hybriden ermöglicht und als Alternative zu bisher häufig angewendeten Mikrosatelliten-Markern verwendet werden kann. Die niedrigen Hybridisierungsraten bei Wildkatzen und Hauskatzen zeigen, dass eine Koexistenz von verwandten Arten auch in einer menschlich geprägten, fragmentierten Landschaft möglich ist.

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