Hummeln sind die besten Kürbisbestäuber

Ein Netzwerk von Blühstreifen am Rand der Felder ist die Basis für eine gute Kürbisernte

Die Zusammenarbeit von Naturschutzbund, dem Lebensmittelhändler HOFER und Estyria Naturprodukte brachte es ans Licht: Kürbisse werden von Hummeln weitaus am besten bestäubt. Das Forschungsprojekt zeigte zudem die Bedeutung von vielfältigen, blütenreichen Landschaften im Umfeld der Kürbisfelder. Nur mit diesen kann eine hohe Hummelpopulation in einer Region überleben und ihrer Bestäubungsarbeit optimal nachkommen. Diese Erkenntnisse haben für die erfolgreiche Bewirtschaftung von Kürbisfeldern große Bedeutung.

© Kathrin Grobbauer

Gute Bestäubung spielt für eine erfolgreiche Ernte eine wichtige Rolle. Besonders bei Pflanzen, die nur durch Insekten befruchtet werden, wird der Rückgang der Populationen von Bienen, Käfern & Co schmerzhaft sichtbar. Immer öfter wird mangelhafte Bestäubung als eine Ursache für schlechte Erträge genannt. Der Naturschutzbund hat nun mit dem Lebensmittelhändler HOFER die Ergebnisse eines mehrjährigen Projektes präsentiert, das im Rahmen des gemeinsamen Bienenschutzfonds durchgeführt wurde. Mit diesem Projekt sollte festgestellt werden, welchen Anteil Honigbienen bzw. Hummeln an der Bestäubung der Kürbisse haben. „Sieger“ waren eindeutig die Hummeln.

Was Hummeln können und Honigbienen nicht
Untersuchungsgegenstand war der Steirische Ölkürbis. Nur mit einer guten Bestäubung bringt er genug Kerne hervor, um für die Kernölproduktion interessant zu sein, idealerweise sind es mehrere hundert Kerne pro Kürbis. Damit das gelingt, muss eine große Menge Pollen von den männlichen Blüten zu den weiblichen transportiert werden, denn pro Pollenkorn entsteht ein Kürbiskern.

Doch warum machen das die Hummeln besser als die Honigbienen? Kürbisblüten öffnen sich sehr bald am Morgen und sind um 11 Uhr schon wieder geschlossen – je heißer die Temperaturen, desto eher. In dieser Zeit muss ein intensiver Blütenbesuch stattfinden, damit es viele Kerne gibt. Damit sind Hummeln gegenüber Honigbienen deutlich im Vorteil, denn sie fliegen auch bei kühleren Temperaturen, also auch frühmorgens. Außerdem transportieren die größeren, pelzigen Hummeln viel mehr Pollenkörner in ihrem Haarkleid als die kleineren Honigbienen „Damit führen ein oder zwei Hummelbesuche schon zu ziemlich vollständig bestäubten Blüten und großen Kürbissen, während auch bei drei Honigbienenbesuchen die Kürbisse mickrig blieben und in 90 % der Fälle wegen mangelhafter Bestäubung sogar abfallen. Die Anwesenheit von Hummeln hat deshalb eine große Bedeutung für eine erfolgreiche Kürbisernte!“, betont der Bienen-Experte Johann Neumayer.

Wie die Hummeln zu den Kürbisfeldern kommen
Oft werden gezielt Honigbienen zur Zeit der Kürbisblüte an die Felder gebracht oder gar Hummelvölker gekauft, um die Bestäubungssituation zu verbessern. Das bedeutet nicht nur wirtschaftliche Kosten für den Bauern, es birgt auch die Gefahr, Krankheiten aus anderen Gebieten einzuschleppen und damit die heimischen Hummeln zu schädigen. Viel nachhaltiger und auch erfolgversprechender ist es für blütenreiche Landschaften mit Blühstreifen, Rainen, Brachen und Hecken zu sorgen. Diese bieten den Hummeln auch den für die Brut notwendigen Pollen sowie Nahrung, wenn die Kürbisblüten verblüht sind.

Das Projekt
Die Projektflächen liegen in den Bundesländern Niederösterreich, Steiermark und Burgenland. 84 interessierte Vertragslandwirte von Estyria Naturprodukte wurden hinsichtlich Saatgut, Mährhythmus und Mahdzeitpunkt speziell geschult und legten in der Folge Blühstreifen entlang von rund 680 ha Kürbisfeldern an. Auf ausgewählten Feldern gab es zudem eine wissenschaftliche Begleitung durch die Bienenexperten Kathrin Grobbauer und Johann Neumayer. Das Projekt findet im Rahmen des Bienenschutzfonds von Naturschutzbund und dem Lebensmittelhändler HOFER statt und läuft noch bis 2021.

Ausführliche Infos zu diesem Projekt gibt´s im aktuellen natur&land-Heft des Naturschutzbundes. Es kann um € 6,50 zzgl. Versandkosten im Webshop des Naturschutzbundes bestellt werden.

© Kathrin Grobbauer

09.07.2020

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