Naturschutzbund und Umweltbundesamt verraten, wie und wo Tagfalter die kälteren Monate überstehen. Wesentlich dabei ist unter anderem der Einfluss des Klimawandels auf Flugzeiten und Überwinterung der flatternden Schönheiten, die vielfältige Strategien entwickelt haben, um über die frostige Zeit zu kommen.
Wenn im Herbst die Tage kürzer und die Temperaturen kühler werden, endet die aktive Zeit vieler Tagfalter. Doch längst nicht alle Arten verschwinden bereits zu dieser Jahreszeit. Der Klimawandel verändert zunehmend ihr jahreszeitliches Verhalten: Viele Arten werden früher aktiv und können durch die verlängerte Vegetationsperiode teilweise bis weit in den Herbst beobachtet werden. Wie lange ein Falter aktiv bleibt, hängt von Temperatur, Tageslänge, Höhenlage und vor allem von seiner artspezifischen Lebensweise ab. Manche Arten verlängern ihre Aktivitätsphase oder bilden zusätzliche Generationen, andere beginnen bereits mit den Vorbereitungen auf die Überwinterung.
Mit unterschiedlichen Strategien durch den Winter
Arten wie das Tagpfauenauge (Aglais io) und der Kleine Fuchs (Aglais urticae) überwintern als erwachsene Falter. Sie fressen sich im Herbst Energiereserven an, reduzieren während der Winterdiapause, einer artspezifisch gesteuerten Ruhephase, ihren Stoffwechsel stark und können dadurch mehrere Monate ohne Nahrung auskommen. Das Tagpfauenauge nutzt beispielsweise Baumhöhlen oder Gebäude, der Kleine Fuchs zusätzlich Keller und andere geschützte Bereiche.
Der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) zählt zu den kältebeständigsten europäischen Tagfaltern. Er überwintert ebenfalls als erwachsener Falter, allerdings weitgehend frei in der Vegetation – etwa unter Blättern, in Brombeerhecken oder an kleinen Zweigen. Entscheidend sind windgeschützte Plätze. Bei manchen Arten bildet der Körper während der Vorbereitung auf den Winter vermehrt Kälteschutzstoffe wie Glycerin und bestimmte Zucker. Diese reichern sich vor allem in der Hämolymphe und im Gewebe an und tragen dazu bei, dass die Körperflüssigkeiten auch bei niedrigen Temperaturen nicht so leicht gefrieren und Zellen vor Kälteschäden geschützt werden.
Beim Admiral (Vanessa atalanta) zeigt sich eine deutliche Veränderung durch das wärmere Klima: Er gilt als klassischer Wanderfalter und überwintert aufgrund milderer Bedingungen zunehmend auch in Österreich als erwachsener Falter. Im Frühjahr können daher sowohl überwinterte als auch neu aus dem Süden eingewanderte Admirale beobachtet werden. Als Winterquartiere dienen ihnen unter anderem Gebäude, Holzstapel und Spalten.
Als Raupe oder Puppe durch den Winter
Nicht alle Tagfalter überwintern als erwachsene Schmetterlinge: Der Apollofalter (Parnassius apollo) überdauert den Winter als bereits entwickelte Jungraupe im Ei. Beim Großen Ochsenauge (Maniola jurtina) und beim Kleinen Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) verbringt die Raupe den Winter bodennah in der Grasvegetation. Das Große Ochsenauge hält dabei keine echte Diapause: Bei günstigen Bedingungen können die Raupen weiterhin Nahrung aufnehmen. Beim Kleinen Wiesenvögelchen wird die Winterruhe unter anderem durch die Tageslänge beeinflusst. Eine weitere Strategie zeigt der Aurorafalter (Anthocharis cardamines): Er überwintert als Puppe, meist an einem Pflanzenstängel oder Zweig in Bodennähe. Die Entwicklung wird während der obligatorischen Diapause unterbrochen und im Frühjahr temperaturabhängig fortgesetzt.
Milde Winter und fehlende Verstecke als Gefahr
Doch nicht jeder Tagfalter überlebt den Winter – unabhängig davon, in welchem Entwicklungsstadium er überwintert. Extreme Kälte kann Körperflüssigkeiten gefrieren und Zellen schädigen. Gleichzeitig können milde Winter problematisch sein: Erwärmen sich Winterquartiere, steigt der Stoffwechsel und damit der Verbrauch der Energiereserven. Auch
Feuchtigkeit und Nässe erhöhen die Kälteempfindlichkeit. Während der Diapause verlieren die Tiere zudem kontinuierlich Wasser; unter ungünstigen, zu trockenen Bedingungen besteht die Gefahr der Austrocknung. Eine zusätzliche Bedrohung ist der Verlust geeigneter Winterquartiere. Hohle Bäume, Laub- und Totholzhaufen, Grasstrukturen, Brombeerhecken und andere Kleinstlebensräume sind wichtige Rückzugsorte. Ihr Rückgang in der Kulturlandschaft erschwert vielen Arten das Überwintern.
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07.09.2026