Wie der Naturschutzbund Arten & Lebensräume schützt

(Österreich)weit über den „Internationalen Tag der biologischen Vielfalt“ hinaus

Am 22. Mai blickt die Welt auf den „Internationalen Tag der biologischen Vielfalt“. Für den Naturschutzbund ist der Schutz von Arten und Ökosystemen jedoch tägliche Kernarbeit. Wie lebendiger Arten- und Lebensraumschutz aussehen kann, zeigen vier aktuelle Erfolgsbeispiele aus den Bundesländern.

© Hans Glader

Die Vielfalt an Pflanzen, Tieren, Pilzen und Mikroorganismen ist ein eng verwobenes, sensibles Netz. Reißt ein einzelner Faden – verschwindet eine Art –, kann dies unvorhersehbare Kettenreaktionen für das gesamte System nach sich ziehen. Biodiversität beschreibt dabei nicht nur die reine Anzahl an Arten in einem Gebiet, sondern auch deren Häufigkeit, die Stabilität der Bestände sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Populationen. „Je größer die Artenvielfalt in einem Gebiet ist, desto widerstandsfähiger ist auch das dortige Ökosystem. Es kann Krisen und extreme Wetterereignisse besser abfedern“, sagt Carolina Trcka-Rojas, Expertin beim Naturschutzbund Österreich. Fehlen jedoch zu viele Bausteine, droht das System zu kippen. Der Naturschutzbund sieht es als seine Aufgabe, die biologische Vielfalt Österreichs nicht nur am internationalen Aktionstag zu feiern, sondern sie tagtäglich zu erhalten und zu versuchen, sie – dort, wo sie bereits Schaden genommen hat – aktiv wiederherzustellen.

Arten- und Lebensraumschutz sind die beiden Haupt(schlag)adern der Naturschutzbundarbeit – das zeigen auch folgende ausgewählte Beispiele aus vier Bundesländern:   

Burgenland: Renaturierung rettet die „Dachige Siegwurz“   
Dass Artenschutz und gezielte Renaturierung Hand in Hand gehen, zeigt das Beispiel St. Michael im Südburgenland. Hier engagiert sich der Naturschutzbund für den Erhalt eines einzigartigen Wiesengebiets, das kürzlich durch großzügige Spendengelder freigekauft werden konnte. Durch Entbuschungen und die Schaffung bewirtschafteter Korridore wird eine lebenswichtige Biotopvernetzung inmitten intensiv genutzter Ackerflächen hergestellt. Dies sichert auch das dauerhafte Überleben akut vom Aussterben bedrohter Pflanzen wie der seltenen „Dachigen Siegwurz“.

Kärnten: 6,1 Hektar unberührter Wald in den Karawanken gesichert
Ein bedeutender Erfolg für den regionalen Naturschutz ist in den Kärntner Karawanken gelungen: Dank großzügiger Spenden konnte der Naturschutzbund ein rund 6,1 Hektar großes Kerngebiet am nordexponierten Hang des Altbergs freikaufen. Das unberührte Areal in einer Seehöhe von bis zu 1.470 Metern fällt durch einen ökologisch wertvollen Mischwald mit Buchen, Manna-Eschen und seltenen Hopfenbuchen, durchsetzt von markanten Beständen der „Behaarten Alpenrose“ – auch Almrausch genannt – und einen hohen Totholzanteil auf. Der Naturschutzbund sichert hier ein unersetzliches Refugium, in dem sich bedrohte Arten und alpine Lebensräume völlig ungestört entwickeln können.

Niederösterreich: 500 Freiwillige retten Frosch und Co. vorm Straßenverkehr
Alle 20 in Niederösterreich heimischen Amphibienarten stehen auf der Roten Liste. Neben dem Verlust naturnaher Lebensräume stellt auch die Landschaftszerschneidung durch den Straßenverkehr eine tödliche Gefahr dar. Beim Projekt „Amphibienschutz an NÖs Straßen“ halten mehr als 500 freiwillige Helferinnen und Helfer unermüdlich dagegen: An 205 bekannten Wanderstrecken betreuen sie Schutzzäune und bringen jährlich hunderttausende Tiere sicher über die Straße.

Vorarlberg: Allianz für bedrohte Wiesenbrüter im Rheintal
In den Riedgebieten des unteren Rheintals – dem wichtigsten Wiesenbrütergebiet des Bodenseeraums – stehen stark gefährdete Vogelarten wie der Große Brachvogel und der Kiebitz vor dem Verschwinden, da intensive Nutzung, zu starker Gehölzaufwuchs und sinkende Grundwasserstände ihre Lebensräume verknappen. Gemeinsam mit zahlreichen Partnern setzt der Naturschutzbund Vorarlberg gezielte Rettungsmaßnahmen um. Es werden Flachteiche angelegt, Flächen entbuscht, eine wiesenbrüterfreundliche Bewirtschaftung mit Landwirt*innen vereinbart und Nester mittels Schutzzäunen vor Beutegreifern gesichert.

Mit diesen und vielen weiteren Projekten zeigt der Naturschutzbund, wie effektiver Artenschutz „geht“: Durch den kontinuierlichen und engagierten Einsatz vor Ort erhält und restauriert die Organisation jene Ökosysteme, die wir zum Überleben brauchen. „Unser Ziel ist es, Österreichs sensibles Natur-Netz dauerhaft zu erweitern, zu stärken und – weit über den Aktionstag hinaus – für kommende Generationen zu bewahren“, sagt Trcka-Rojas.

19.05.2026

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