Anlässlich des Welttages der Schildkröte am 23. Mai macht der Naturschutzbund auf die Bedeutung und Gefährdung der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) aufmerksam. Die Art ist die einzige natürlich vorkommende Schildkrötenart Österreichs, und gilt laut Roter Liste Österreich als „vom Aussterben bedroht“.
Sumpfschildkröten zählen zu den ältesten heute lebenden Reptiliengruppen der Erde. Fossilfunde belegen ihre Existenz bereits vor mehr als 200 Millionen Jahren. Die Europäische Sumpfschildkröte gehört zur Familie der Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae) und besiedelt strukturreiche Stillgewässer und langsam fließende Gewässer wie Altarme, Teiche und Feuchtgebiete. Charakteristisch für die Art ist ihr dunkelbrauner bis schwarzer Panzer mit feinen gelben Punkten und Linien. Die Tiere erreichen eine Panzerlänge von meist 13 bis 18 Zentimetern. Weibchen werden dabei deutlich größer als Männchen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Augenfarbe: Männchen besitzen häufig eine orange bis rotbraune Iris, Weibchen hingegen gelbliche bis weißliche Augen.
Hohe Ansprüche an Lebensraum
Die Europäische Sumpfschildkröte stellt hohe Ansprüche an ihren Lebensraum: „Neben reichhaltiger Unterwasservegetation in strukturreichen Stillgewässern oder langsam fließenden aquatischen Ökosystemen benötigt sie sonnige Ruheplätze wie ins Wasser ragende Baumstämme und geeignete Eiablageplätze mit lockeren, sandigen Böden“, so Naturschutzexpertin Carolina Trcka-Rojas. Die Weibchen legen dort einmal im Jahr zwischen sechs und fünfzehn Eier ab. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus aquatischen Insektenlarven, Schnecken, Würmern, Kaulquappen sowie kranken oder toten Fischen.
Worunter die Sumpfschildkröte leidet
Die Hauptursachen für den drastischen Rückgang der heimischen Populationen liegen in der Zerstörung und Fragmentierung geeigneter Lebensräume durch menschliche Eingriffe. Zusätzlich stellt die Aussetzung invasiver Schildkrötenarten eine zunehmende Gefahr dar. Besonders problematisch sind nordamerikanische Schmuckschildkröten wie die Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) und die Gelbwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta), die ursprünglich häufig als Heimtiere gehalten wurden. Durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit und Konkurrenzstärke verdrängen sie die heimische Europäische Sumpfschildkröte zunehmend aus geeigneten Lebensräumen. Darüber hinaus können eingeschleppte Krankheitserreger zusätzliche Risiken für die heimische Art darstellen. „Man sollte Heimtiere nie in der Natur aussetzen, sondern in ein Tierheim oder eine Auffangstation bringen, wenn man sich nicht mehr um sie kümmern kann. Für Schildkröten wären hier spezifisch einige Tierheime die Reptilienexpertise haben oder Reptilien-Auffangstationen die richtigen Ansprechpartner“, so Trcka-Rojas.
Sumpfschildkröte als wertvoller Bioindikator
Sumpfschildkröten erfüllen wichtige ökologische Funktionen und gelten als nützliche „Allrounder“: Als vorwiegende Fleischfresser verhindern sie die Ausbreitung von Krankheiten in „ihren“ Gewässern. Durch den zusätzlichen Verzehr von Wasserpflanzen entstehen „Leerstellen“ im Pflanzenbestand und somit neuer Flächen für Jungpflanzen. Somit fördert die Art auch das Wachstum und die Verbreitung der Unterwasserflora. „Das Vorkommen der Europäischen Sumpfschildkröte gilt als verlässlicher Hinweis auf intakte, strukturreiche Feuchtgebiete und zeigt die hohe ökologische Qualität von Flussauen- und Verlandungslandschaften an“, sagt Trcka-Rojas. Der Schutz der Art, als Bioindikator intakter Natur, kommt auch zahlreichen weiteren Tier- und Pflanzenarten zugute. „Um das langfristige Überleben der Europäischen Sumpfschildkröte in Österreich zu sichern, sind der Erhalt naturnaher Feuchtgebiete, die Vermeidung illegaler Aussetzungen exotischer Arten sowie gezielte Schutzmaßnahmen entscheidend“, so Trcka-Rojas.
Im Einsatz für unsere Sumpfschildkröte
Der Naturschutzbund bittet, Beobachtungen der seltenen Schildkrötenart via Foto auf seiner Citizen-Science-Plattform www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App zu teilen. Expert*innen werten diese Daten aus und können so – mit Hilfe der Bevölkerung – mehr über Vorkommen und Verbreitung der faszinierenden Art herausfinden und in Folge Schutzmaßnahmen für unsere einzige, wild lebende heimische Schildkrötenart ableiten.
21.05.2026