So unterschiedlich sind Wespennester gebaut

Wespen als begnadete Architektinnen

Während viele in Wespen nicht mehr als lästige Störenfriede bei Picknicks und Co. sehen, beleuchtet der Naturschutzbund ihre Begabung in der Baukunst und stellt einige der interessantesten Nestformen vor.

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Wespenartige sind Insekten, gehören zu den Hautflüglern und lassen sich in drei Großgruppen unterteilen: die Pflanzenwespen, die Legimmen und die Stechimmen. Die Lebensräume dieser Gruppen unterscheiden sich deutlich: Viele Pflanzenwespen und Legimmen kommen vor allem in Lebensräumen mit höherer Luftfeuchtigkeit vor, während zahlreiche Stechimmen eher warme und trockene Lebensräume bevorzugen. „Natürliche Hohlräume wie Baumhöhlen oder Totholz werden immer weniger – deshalb nutzen manche Wespenarten zunehmend auch vom Menschen geschaffene Strukturen, etwa Jalousiekästen, Dachböden, Gartenhäuschen oder Schuppen“, sagt Carolina Trcka-Rojas, Expertin beim Naturschutzbund Österreich.

Wespenartige sind in der Regel von Ende April bis in den Oktober aktiv. Es gibt soziale und solitäre Wespenarten: Soziale Wespenarten leben in Staaten mit einer Königin und vielen Arbeiterinnen. Sie bauen ein gemeinsames Nest, in dem zahlreiche Tiere zusammenleben und die Brut gemeinsam versorgen. Bei den sozialen Wespenarten – etwa der Gemeinen Wespe, der Deutschen Wespe und der Sächsischen Wespe – überleben ausschließlich die begatteten Jungköniginnen den Winter. Als ungeladene Gäste bei Grillfeiern oder Picknicks sind sie eher unbeliebt: Auf dem Speiseplan steht Süßes, aber auch Fleischiges: Süßes dient den erwachsenen Tieren als Energiequelle, während sie Fleischiges für ihren Nachwuchs erbeuten.

Nicht alle Wespenarten leben jedoch sozial und bauen Nester. Die meisten Wespenarten sind solitär, das heißt, sie leben einzeln. Jedes Weibchen baut bzw. nutzt eigene Brutzellen und versorgt seine Nachkommen selbst. Einen Wehrstachel besitzen ausschließlich die Weibchen der Stechimmen, den sie in der Regel nur dann benutzen, wenn sie sich selbst oder ihr Nest bedroht sehen.

„Die unterschiedlichen Bauweisen zeigen, wie vielfältig die Lebensweisen der Wespenartigen sind. Wespennester, die für uns oft unscheinbar oder störend wirken, sind – biologisch betrachtet – ein faszinierendes Zusammenspiel aus Anpassungsfähigkeit, Baukunst und Überlebensstrategie“, sagt Trcka-Rojas.

Einige der erstaunlichsten architektonischen Meisterleistungen von Wespenartigen im Vergleich:
Die Nester der Gemeinen Wespe, die zu den Stechimmen gehört und eine der häufigsten heimischen Wespenarten ist, bestehen aus einem papierartigen Material, aus zerkautem Holz und Speichel. Die Behausungen sind meist hellbraun, ockerfarben oder grau, kugelförmig und können bis zu 50 cm groß werden. Ihre charakteristische Außenhülle ist muschelförmig strukturiert.

Eine weitere Stechimme, die Behaarte Töpferwespe, baut – wie der Name bereits vermuten lässt – winzige, kugelförmige oder urnenförmige Töpfe aus feuchtem Lehm oder Ton. Die etwa einen Zentimeter großen Brutkammern besitzen eine kleine Öffnung und werden an Pflanzenstängeln, etwa von Heidekraut, oder an Steinen befestigt.

Heimische Hornissen errichten große, kugel- oder birnenförmige Bauten aus bräunlichem, papierartigem Material mit einer groben, muschelartig geschichteten Struktur. Die Nester besitzen ein großes Einflugloch an der Unterseite, erreichen oft die Größe eines Fußballs und hängen meist geschützt in Baumhöhlen, Schuppen oder auf Dachböden.

Eine weitere Stechimme, die Frühlings-Wegwespe, beherrscht hingegen den Tiefbau: Sie entwirft keine großen, sichtbaren Papiernester etwa an Bäumen oder Häusern, sondern lebt solitär und legt ihre unterirdischen Bruthöhlen in sandigen, offenen Böden an – in Form eines bis zu zehn Zentimeter langen Gangs. Dieser Gang mündet in einer kleinen Endkammer, in der sich eine gelähmte Spinne befindet, auf der das Weibchen seine Eier ablegt.

Die Breitfüßige Birkenblattwespe, die zu den Pflanzenwespen gehört, baut keine Nester. Sie lebt stattdessen in lockeren Fraßgesellschaften an den Blättern ihrer Wirtspflanze, der Birke. Dort sitzen die Larven dicht beieinander und fressen gemeinsam.

Die Gemeine Eichengallwespe, ebenfalls eine Legimme, legt beim Einstich ein Ei ins Blatt. Ihre Larven sondern Stoffe ab, die eine große Wucherung im Blattgewebe entstehen lassen. Die Wucherung dient zum einen als Nahrung für die Larven, zum anderen sind diese darin perfekt geschützt, bis sie sich verpuppen und schließlich ausfliegen.

Wespennest – was nun?
Der Naturschutzbund bittet, Wespennester nicht vorschnell zu entfernen und die Tiere als wichtigen Bestandteil unserer heimischen Natur zu betrachten. Wer ein Nest entdeckt, sollte zunächst prüfen lassen, um welche Art es sich handelt und ob tatsächlich ein Handlungsbedarf besteht. Wenn jemand im Umfeld allergisch sein sollte, findet man HIER die Kontakte für eine Nestentfernung in den jeweiligen Bundesländern. Ist keine Gefahr in Verzug, bittet der Naturschutzbund, Fotos von Wespenartigen bzw. ihren Nestern auf www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App zu teilen.

18.08.2026

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