Rasche Hilfe für den Luchs notwendig

In den letzten Monaten hat der │naturschutzbund│ in Kooperation mit den Österreichischen Bundesforsten einen detaillierten Bericht zur Situation des Luchses in Österreich erarbeitet. Neben weiterhin geringen Bestandszahlen werden nun konkrete Maßnahmen präsentiert, die notwendig sind, um ein Überleben der streng geschützten Wildkatzen dauerhaft zu sichern.

© Wolfgang Schruf

Explizite Empfehlungen
„Allem voran braucht es eine österreichweite Strategie für ein erfolgreiches Luchsmanagement mit dem klaren Ziel, dieser Art ein langfristiges Überleben hierzulande zu ermöglichen“, so Lucas Ende, Artenschutzkoordinator vom │naturschutzbund│. Dabei spielen unter anderem national einheitliche Monitoringstandards und länderübergreifende Lebensraumvernetzung eine wesentliche Rolle. Halbwüchsige, sogenannte subadulte Luchse wandern auf der Suche nach einem eigenen Territorium in der Regel nicht sehr weit. Umso wichtiger sind daher sichere Wildtierkorridore für jene wenigen Weitwanderer, die den genetischen Austausch zwischen den Vorkommen herstellen könnten. Außerdem müssen die kleinen Vorkommen, wie jene im Nationalpark Kalkalpen, mit Aussiedlungsprojekten unterstützt werden. „Gelingt es dort nicht, durch geeignete Maßnahmen für wesentlich mehr Nachwuchs zu sorgen, ist der Fortbestand des Luchses in den nördlichen Kalkalpen womöglich bald Geschichte“, warnt Ende. Eine erfreuliche Nachricht sind die jüngst in den Wiener Quellenschutzwäldern nachgewiesenen zwei Luchse. Ihre weitere Entwicklung muss erst genauer beobachtet werden. Dafür braucht es heuer ein entsprechendes Monitoring im Bereich Hochschwab.

Die größte Gefahr für Luchse in Mitteleuropa geht nach wie vor vom Menschen aus – durch illegale Verfolgung sowie Zerschneidung der Lebensräume durch Straßen- oder Bahnverkehr. Umso wichtiger ist es, ein Problembewusstsein für die Situation des Luchses auf politischer und gesellschaftlicher Ebene zu schaffen und Maßnahmen gegen die illegale Nachstellung zu erarbeiten.

Rückkehr in die alte Heimat
Österreich spielt aufgrund seiner Lage, des ausreichend geeigneten Lebensraums und des genügend hohen Wildbestands, zum Beispiel an Reh und Gams, eine wichtige Rolle in der Verbindung der europäischen Luchspopulationen. Die beiden Populationen, an denen Österreich Anteil hat, befinden sich einerseits im Mühl- und Waldviertel (der Böhmisch-Bayerisch-Österreichischen Population angehörig) und andererseits in der Region Nationalpark Kalkalpen sowie in Vorarlberg (beide der Alpinen Population zugehörig). Ohne aktive Maßnahmen zum Schutz droht das seltene Wildtier allerdings erneut auszusterben. Besonders im Nationalpark Kalkalpen, wo nur mehr sechs Tiere völlig isoliert leben, ist die Situation brenzlig. Neben ausreichend naturnahen Wäldern und strukturreichen Landschaften als Lebensraum sowie Wildtierkorridoren zur Vernetzung der Vorkommen brauchen die wilden Katzen Österreichs aktive Unterstützung durch Bewusstseinsbildung für größere Toleranz und Bekanntheit sowie Reduktion von menschenverursachten Verlusten. Allfällige Bestandsstützungsmaßnahmen zur Sicherung der genetischen Stabilität müssen in Betracht gezogen werden.

Akuter Handlungsbedarf ist klar ersichtlich
Ohne die Abmilderung von Gefährdungsursachen und Schritte zur Zusammenführung der einzelnen Vorkommen ist davon auszugehen, dass sich die Situation zukünftig maßgeblich verschlechtert. Die Kooperation des │naturschutzbund│ mit den Österreichischen Bundesforsten versteht sich als treibende Kraft für das langfristige Überleben dieser Wildkatzenart.

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01.02.2021

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