Rabenvögel (er)kennen lernen: Naturschutzbund räumt mit Rabenmythen auf

Es sind häufig jene Vögel, die man in der kalten Jahreszeit bereits in den frühen Morgenstunden schreien hört: die Rabenvögel. Dabei sind sie nicht nur gut hörbar, sondern – besonders in der weißen Jahreszeit – auch gut sichtbar. Aber nicht alle Vögel die dunkel sind und krächzen, sind Raben: So tummeln sich neben Raben auch Rabenkrähen, Saatkrähen, Dohlen und einige mehr auf den winterlichen Feldern. Der Naturschutzbund erklärt, wie man Rabenvögel voneinander unterscheidet und was sie so besonders macht.

 

© Gabriele Payerhofer

Schwarzer Vogel ist nicht gleich Rabe

In Österreich leben viele Rabenvögel: Neben dem stattlichen Kolkraben (Corvus corax) mit dem typischen breiten Schnabel – dem größten unserer Rabenvögel, meist sogar größer als ein Mäusebussard – sieht die kleinere Rabenkrähe (Corvus corone), auch Aaskrähe genannt, viel schmaler und zierlicher aus. Verwandt mit der Rabenkrähe ist die Nebelkrähe (Corvus cornix), die sich eher im österreichischen Süd-Osten aufhält, während die Rabenkrähe im Nord-Westen zu finden ist. Neue DNA-Analysen zeigen, dass es sich bei den beiden letzteren nicht etwa um Unterarten – wie früher beschrieben – sondern um zwei eigenständige Arten handelt, die dennoch Hybride bilden. Auch nicht unweit verwandt mit Raben- und Nebelkrähe ist die Saatkrähe (Corvus frugelius). Insbesondere die Alttiere kann man gut an ihrem geraden, unbefiederten Schnabel mit Farbverlauf von hell- bis dunkelgrau erkennen. Der kleinste Rabenvogel Österreichs ist die Dohle (Coloeus monedula). Diese Art ist anhand ihres gräulichen Gefieders mit schwarz an Flügeln und Gesicht, wie auch ihren stechend eisblauen Augen leicht von anderen zu unterscheiden. Nicht zu vergessen ist die Elster (Pica pica), die sich häufig in Städten aufhält und aufgrund ihrer bunt im Licht schillernden Federn und der weißen Zeichnung ebenso gut zu erkennen ist. Neben diesen „typischen“ Rabenvögeln, gehören auch beispielsweise die uncharakteristisch gemustert-bunten Eichelhäher und Tannenhäher, oder die Gebirgsarten mit farbigen Schnäbeln und Füßen wie Alpendohle und Alpenkrähe zur Gruppe der Rabenvögel.

Wer hat Angst vorm schwarzen Raben?

Viele Mythen und Sagen ranken sich rund um den Raben: So ging er als Todesvogel oder auch als Unheilbringer in die Kulturgeschichte ein. Diesen Ruf hat ihnen eingebracht, dass sie z.B. auf Schlachtfeldern und bei Seuchenausbrüchen als erstes zur Stelle waren, um sich am frischen Aas zu bedienen. Dabei verminderten sie die Ausbreitung von Krankheitserregern. Manchen Menschen mag es unheimlich sein, wenn die Rabenvögel – insbesondere in großen Trupps – umherziehen sehen. Es ist jedoch nur üblich, dass sich Rabenvögel im Winter in großen Ansammlungen zusammenrotten. Besonders die Jungtiere sammeln sich in „Jugendtrupps“ und streifen gemeinsam umher. In der Dämmerung oder der Nacht kommt es nicht selten vor, dass sich mehrerer „Jugendtrupps“ zusammenschließen und in riesigen Gruppen losziehen. Häufig tun sich dafür auch mehrere Krähenarten zusammen – so treffen sich Rabenkrähe und Dohle beispielsweise gemeinsam mit der Saatkrähe an den gleichen Übernachtungsplätzen. Die Saatkrähe sieht man im Winter besonders häufig – einfacher Grund dafür: Viele Saatkrähen kommen im Winter aus Nord-Osteuropa nach Österreich, überwintern hier zusammen mit den hier heimischen Individuen und ziehen im Frühjahr wieder ab. „Die Vogelzahl erscheint so subjektiv gesehen viel höher, als sie tatsächlich ist. Das ist jedoch kein Grund zur Sorge – im Gegenteil: Als Aasfresser spielen Rabenvögel eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht“, sagt Carolina Trcka-Rojas, Expertin beim Naturschutzbund Österreich.

Intelligent & sozial

Rabenvögel gehören weltweit zu den intelligentesten Vögeln und sogar zu den intelligentesten Tieren überhaupt. Besonders in Sachen Problemlösung und Werkzeuggebrauch lassen sie die meisten anderen Tierarten alt aussehen. Rabenvögel sind in der Lage, aktiv Werkzeuge zu bedienen, sie können diese auch als Waffen und Abwehrgegenstände verwenden. Ebenso sind sie fähig, physikalische Rätsel, wie z.B. das „Wasserrätsel“ zu lösen. Die Vögel sind auch durchaus sozial intelligent: Sie leben in Gruppen mit hochkomplexen Sozialstrukturen zusammen, der

Familienzusammenhalt ist groß, die Dynamik innerhalb der Gruppe ausgefeilt. So können sie gemeinsam Angreifer in die Flucht schlagen, Jungvögel belehren und kranke Gruppenmitglieder schützen. Zudem bilden sie untereinander Freund- und Partnerschaften, die oftmals jahrelang oder gar ein Leben lang andauern. Rabenvögel können aber auch gut tricksen: Beim Rangeln um Futter kann man beobachten, wie sie ihre Artgenossen aktiv täuschen, da sie sich in das andere Tier hineinversetzen können. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass sie sich menschliche Gesichter merken können, was zu langjähriger Freundschaft oder aber auch zu generationenlangem Groll führen kann.

13.01.2026

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