Naturschutzbund verlangt wirksamen Schutz vor Luftschadstoffen

Noch immer wogt die Diskussion über die Höhe der Grenzwerte für Stickoxidemissionen hin und her. Herr Univ. Prof. Michael Studnicka bezieht als Vorstand der Pneumologie am Uniklinikum Salzburg eine klare Position zu den aktuell gültigen Grenzwerten und hält sie für äußerst gerechtfertigt.

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Grenzwerte schützen Menschen und Umwelt
Die Auseinandersetzung wurde vor dem Hintergrund der vielen Grenzwertüberschreitungen für Feinstaub und Stickoxide in Deutschland von 113 deutschen Lungenfachärzten (das sind 3 Prozent) losgetreten und wird – wie die Reaktionen des deutschen Verkehrsministers und des ADAC zeigen – als Entlastungsangriff zugunsten der säumigen deutschen Autoindustrie verstanden.
Dass diese strengen Grenzwerte auf die menschliche Gesundheit positive Auswirkungen haben, erkennt auch die Mehrheit von 97% der deutschen Pneumologen zumindest stillschweigend an.
Und trotzdem muss auf einen anderen Aspekt mit aller Deutlichkeit hingewiesen werden: Stellt man eine Gesamtschau über die Auswirkungen der Stickoxidemissionen an, kommt rasch an den Tag, dass nicht nur die menschliche Gesundheit  leidet sondern – fast unbeobachtet – tragische Veränderungen in vielen Ökosystemen ablaufen.

Stickstoffeintrag schadet Arten und manchen Ökosystemen
Der Verkehr – und hier besonders die Dieselfahrzeuge – trägt maßgeblich zum Eintrag von Stickstoff in die Umwelt bei. Der Anteil reaktiver Stickstoffverbindungen in der Atmosphäre (Ammoniak, Lachgas, NOx) hat sich in den letzten 150 Jahren verzehnfacht und liegt mittlerweile über den Toleranzwerten für viele Ökosysteme, Tier- und Pflanzenarten.
Viele der durch die Intensivlandwirtschaft (insbesondere auch Güllewirtschaft) nur noch in höheren und / oder abgelegenen Regionen verbliebenen Lebensräume und Arten drohen bei einem aktuellen Lufteintrag von mindestens 30 kg/ha und Jahr in manchen Regionen zu verschwinden. Der vom Verkehr verursachte Anteil wird auf etwa ein Drittel geschätzt.

Sensible Arten kommen in Bedrängnis
Trockenrasen und ihre an ein geringes Nährstoffangebot angepasste Pflanzenarten wie Orchideen werden von stickstoffliebenden allgegenwärtigen Arten verdrängt, die durch den Eintrag aus der Atmosphäre massiven Anschub erhalten. Viele andere Organismen (Wildbienen, Schmetterlinge, manche Flechten-, Moos- und Pilzarten) verlieren in der Folge ihre ökologische Basis und drohen zu verschwinden. Auch Hochgebirgsgewässer oder Hochmoore werden letztlich durch ein – zu einem wesentlich durch Stickoxide aus dem Verkehrsbereich bedingtes – Überangebot an Stickstoffverbindungen überfüttert und massiv verändert. Durch die Veränderungen in den Biozönosen der Böden gerät nicht zuletzt auch die Stabilität der Bergwälder in Gefahr. Hohe Stickoxidemissionen gefährden also nicht nur die Gesundheit der Menschen sondern auch seine Umwelt.

Appell an Verkehrsminister Hofer
Auch Österreichs Verkehrsminister Hofer, der eine Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit auf österreichischen Autobahnen auf 140 km/h anstrebt und damit eine Steigerung der Verkehrsemissionen und Schadstoffimmissionen riskiert, sollte nicht weiterhin Erkenntnisse der Medizin, der Klimaforschung und der Umweltwissenschaften ignorieren. Hier ist große Verantwortung gefragt: Schließlich geht es um Mensch und Natur.
Der Naturschutzbund Österreich tritt mit aller Kraft für die Beibehaltung der strengen Schadstoffgrenzwerte ein und lehnt eine weitere Erhöhung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit im österreichischen Straßennetz ab.

01.02.2019


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