Naturschutzbund fordert mehr Unterstützung für naturnahe Beweidung

Internationales Jahr der Weidelandschaften

Wenn mit dem Herbst die Weidetiere von den Almen zurückkehren, pausiert eine wichtige Form der Landschaftspflege in den Bergen. Aber auch in den Tälern profitieren zahlreiche Trocken- und Magerrasen, Hutweiden und andere artenreiche Grünlandlebensräume von extensiver Beweidung. Heute drohen diese artenreichen Lebensräume entweder Nutzungsintensivierung oder Nutzungsaufgabe zum Opfer zu fallen: Düngung und häufige Mahd schaden der Artenvielfalt ebenso wie Verbuschung bei ausbleibender Bewirtschaftung. Der Naturschutzbund fordert anlässlich des Internationalen Jahres der Weidelandschaften und des Hirtentums eine stärkere und langfristige Unterstützung für extensive, naturnahe Beweidung, um diese wertvollen Lebensräume zu erhalten.

© Josef Limberger

Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums erklärt. Damit soll sichtbar werden, welchen Beitrag Weidelandschaften und die Menschen, die sie bewirtschaften, zu Ernährungssicherheit, Biodiversität, nachhaltiger Landnutzung und Klimaanpassung leisten. Rund die Hälfte der weltweiten Landfläche zählt zu den Weidelandschaften.

Gute Weidewirtschaft ist gelebter Naturschutz

„Gerade angesichts des dramatischen Artenverlusts und der Klimakrise muss naturnahe Beweidung als wirksames Werkzeug für den Natur- und Klimaschutz umfassend gestärkt werden“, sagt Gernot Neuwirth, Geschäftsführer Naturschutzbund Österreich. „Extensive Weidewirtschaft hält Lebensräume offen, schützt Böden und macht die Landschaft widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit. Voraussetzung ist jedoch eine standortangepasste und gut gelenkte Beweidung – nicht, möglichst viele Tiere auf einer Fläche zu halten.“

Wie das funktionieren kann, zeigen Projekte des Naturschutzbundes: In Oberösterreich wird mit Steinschafen eine bunte Magerwiese erhalten, in Kärnten verwandeln Schottische Hochlandrinder eine vernässte ehemalige Ackerfläche wieder in eine artenreiche Feuchtwiese.

Naturnahe Beweidung fair honorieren

Extensive Beweidung ist oft arbeitsintensiver und weniger produktiv als intensive Nutzung. Zäune, Wasserversorgung, Weidemanagement und gegebenenfalls Hirtenpersonal verursachen zusätzliche Kosten. Demgegenüber stehen vielfache Vorteile für unsere Gesellschaft, wie Schutz der Artenvielfalt und des Klimas sowie Stärkung der kleinstrukturierten regionalen Landwirtschaft – diese Leistung muss systemisch gefördert werden, und darf nicht länger vom Engagement einzelner Betriebe und Naturschutzorganisationen abhängen.

Der Naturschutzbund fordert daher im Zuge der Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung einen klaren Paradigmenwechsel in den Agrar- und Umweltprogrammen. Diese müssen sich künftig stärker an ökologischen Zielen und messbaren Leistungen für Biodiversität, Boden, Wasser und Klima orientieren. Naturschutzleistungen der Landwirtschaft müssen prioritär, ausreichend und dauerhaft honoriert werden. Nur wenn sich ökologische Bewirtschaftung auch wirtschaftlich lohnt, kann es gelingen, artenreiche Lebensräume langfristig zu sichern, wiederherzustellen und gleichzeitig die Zukunft einer vielfältigen Landwirtschaft zu stärken.

29.09.2026

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