Gabriele Payerhofer hat in ihrem Garten in Mödling eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht: Eine teil-leuzistische Kohlmeise hat sich neben anderen heimischen Vögeln an der Futterstelle am Baum gelabt. Der Naturschutzbund freut sich über die wundervolle Beobachtung, die Frau Payerhofer auf seiner Citizen-Science-Plattform naturbeobachtung.at geteilt hat – denn die Beobachtung dieses besonders gefärbten Vogels ist eine wahre Rarität!
Ein, der aufmerksamen Dame auf den ersten Blick unbekannter Vogel, hat sich zwischen Kohl- und Blaumeisen an der Futterstelle in ihrem Garten gelabt. Nachdem sie kurzerhand Bilder des Vogels mit dem erstaunlichen Federkleid auf www.naturbeobachtung.at geteilt hatte, wurde dieser von Naturschutzbund-Expert*innen als äußerst seltene teil-leuzistische Kohlmeise identifiziert. Das Tier hat einen größtenteils weißen Kopf, einen gelben Körper und dunkle Schwungfedern. Durch den Leuzismus fehlt dem Tier der Großteil der dunklen Färbung an Kopf, Burst und Flügeln – wie sie „normale“ Kohlmeisen aufweisen.
Was es mit dem Leuzismus auf sich hat
Leuzismus ist eine harmlose Mutation, die zu einem Defekt in den Farbstoff bildenden Zellen führt. Dabei werden die Zellen unfähig, Melanin zu produzieren, das für die Färbung des Gefieders in den Farben Braun und Schwarz verantwortlich ist. Jedoch gibt es unterschiedlichste Gene, deren Mutation zu Leuzismus führen können. Am häufigsten ist in der Natur der Teil-Leuzismus zu beobachten, bei dem nicht alle Melanin produzierenden Zellen betroffen sind: Dabei fehlt die Färbung nur an Teilen des Körpers. Diese Stellen erscheinen in Weiß. Vögel besitzen neben dem Pigment Melanin auch andere Pigmente wie Carotinoide oder aber bestimmte Federstrukturen, die Farben durch Lichtbrechung erzeugen. So können neben weißen Flecken auch sehr interessante Farbeffekte entstehen, beispielsweise eine Aufhellung gewisser Körperbereiche, wie eine solche auch bei dieser teil-leuzistischen Kohlmeise gut zu beobachtbar ist.
Leuzismus versus Albinismus
Leuzismus wird oft mit Albinismus verwechselt: Beim Albinismus handelt es sich jedoch um eine Mutation, die die Bildung aller Farbpigmente am ganzen Körper verhindert. Albinotische Tiere haben so auch rötliche Augen und helle Haut. Bei Vögeln sind echte Albinos gut daran erkennbar, dass sie zusätzlich zu den roten Augen auch rosa oder rötliche Schnäbel und Füße haben. Selbst bei komplett weißen leuzistischen Tieren sind hingegen Schnabel, Beine und Augen „normal“ gefärbt. Zusätzlich führt Albinismus in vielen Fällen zu gesundheitlichen Problemen, wie etwa verminderter Sehkraft aufgrund der fehlenden Pigmente.
Nachteile durch Leuzismus
Leuzismus hat – neben der Farbmutation – meist keine weiteren körperlichen Einflüsse auf die betroffenen Tiere. Ein negativer Effekt sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden: Tiere mit Leuzismus werden – aufgrund ihrer weißen oder aufgehellten Färbung – schneller von Beutegreifern gesichtet und haben so eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit in freier Wildbahn. Leuzistische bzw. teil-leuzistische Tiere kommen daher fast ausschließlich in und um Siedlungen vor. Im Allgemeinen lässt sich Leuzismus häufiger bei Tierarten, die in Dörfern oder Städten leben, beobachten – so auch bei Eichhörnchen oder Amseln.
Der Naturschutzbund freut sich über jedes einzelne geteilte Bild von außergewöhnlich gefärbten Tieren auf seiner Citizen-Science-Pattform www.naturbeobachtung.at. Die Bilder werden von Expert*innen ausgewertet, um daraus Schutzmaßnahmen für die seltenen Tiere abzuleiten.
03.02.2026