Die wärmeliebende Wespenspinne, auch Zebraspinne genannt, formt wundervolle radförmige Netze. Sie ist für den Menschen ungefährlich und breitet sich – klimabedingt – mehr und mehr in Österreich aus. Um mehr über die außergewöhnliche Art zu erfahren, bittet der Naturschutzbund, Beobachtungen auf seiner Citizen-Science-Plattform www.naturbeobachtung.at oder über die gleichnamige App zu teilen.
Die Wespenspinne (Argiope bruennichi) stammt ursprünglich aus der Mittelmeerregion, ist jedoch seit den 1950er-Jahren auch in Österreich heimisch. Die Zahl der als „Klimaindikatorin“ geltende Spinne steigt stetig, da die Art sehr anpassungsfähig, hitze- und trockenheitsresistent ist. Man findet sie in allen Bundesländern in unbewaldeten Lebensräumen, meist unterhalb von 900 Metern Seehöhe, bevorzugt auf sonnigen, offenen Flächen mit niedriger Vegetation, wie beispielsweise Ackerrandstreifen, Trockenrasen oder Magerrasen. Wespenspinnen sind von Juli bis Oktober aktiv und spinnen räderförmige, tellergroße Netze mit einem typischen Zickzack-Band in der Längsachse. Dieses Band, gleicht einem Multifunktions-Werkzeug, dessen Funktionen je nach Umweltbedingungen und physiologischem Zustand variieren können: Die einzelnen Stränge des Zick-Zack-Bands – auch Stabilimente genannt – können unter anderem der Tarnung der Spinne, dem Anlocken ihrer Beute, der Aktivierung der Spinnendrüsen für das Einwickeln von Beutetieren, der "Speicherung" von hochwertigen Proteinen, insbesondere wichtig während des Häutungsprozesses, und sogar dem Sammeln von Trinkwasser dienen.
Das große Sterben
Die Wespenspinne ist eine einjährige Spinnenart, die ihre Radnetze in Bodennähe baut. Meist sitzt sie in der Mitte des Netzes und lässt sich bei Störung oder Beunruhigung fallen. Im Spätsommer baut das Weibchen einen oder mehrere Eikokons. Die Spinne paart sich ab Ende Juli und verspeist meistens nach dem Geschlechtsakt das Männchen, um den hohen Nährstoffbedarf für die Eiproduktion zu sichern. Die Eier legt sie in den Eikokons ab, wobei ein Eipaket mehr als hundert Eier enthalten kann. Nach der Eiablage stirbt auch das Weibchen.
Neues Leben
Etwa vier Wochen nach Eiablage und dem Tod des Muttertiers schlüpfen die Jungen und verbleiben den Winter über im Ei-Kokon. Dieser wird aufgrund seiner ballonartigen Form und seiner beige-braun-gestreiften Zeichnung auch Tabakbeutel genannt. Etwa ab Mai werden die Jungspinnen „flügge“, verlassen erstmals den Kokon und krabbeln bei geeigneter Witterung auf die Spitzen nahegelegener Grashalme. Von dort verbreiten sie sich mittels eines sogenannten „Luftdrifts“, auch „Ballooning“ genannt. Dabei gibt es zwei Startmethoden: Beim „Tip-toe“ produzieren die Jungtiere mehrere feine Seidenfäden aus ihrem Hinterleib und lassen sich damit von der Luft forttreiben. Beim „Rappelling“ seilen sie sich zunächst an einem Sicherheitsfaden von der Spitze des Grashalms ab und produzieren währenddessen weitere Seidenfäden. Sobald diese vom Luftstrom erfasst werden, durchtrennen die Jungspinnen den Sicherheitsfaden und lassen sich davontragen. Ihre Flugbahn und die zurückgelegte Distanz wird dabei unter anderem durch die Windrichtung sowie -geschwindigkeit als auch ihre eigene Körpermasse bestimmt. Sobald sie landen, beginnen die Jungspinnen unverzüglich mit dem Bau eines Fangnetzes.
Wespenspinnen altern schnell
Die jungen Spinnen entwickeln sich überdurchschnittlich rasch: Sie durchlaufen ihre Entwicklungsstadien von der Jungspinne bis hin zum adulten Weibchen, das seine Eier ablegt, innerhalb weniger Wochen. Bis zum Sommer sind Wespenspinnen erwachsen. Um ihre maximale Größe zu erlangen, muss sich die Art mehrmals häuten. Erst ab ihrer Geschlechtsreife zeigt sich ihre namensgebende gestreifte Zeichnung.
Der „Mehrwert“ der Wespenspinne
Als Indikatorart für intakte Ökosysteme regulieren Wespenspinnen einerseits unsere Insektenbestände. Andererseits dienen sie ihrerseits beispielsweise Vögeln, Hornissen und Gottesanbeterinnen als Nahrung. Ihre Eikokons werden von sogenannten Parasitoiden, wie z.B. Schlupfwespen, als Wirt genutzt. Für uns Menschen ist die Spinnenart ungefährlich, da sie sehr beißunlustig ist und ihre Mundwerkzeuge bzw. Giftklauen in der Regel zu kurz sind, um menschliche Haut zu durchdringen.
Wespenspinnen (mit)erforschen: Der Naturschutzbund bittet, Begegnungen mit der Wespenspinne fotografisch zu dokumentieren und die Fotos auf www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App hochzuladen. So hilft man, mehr über Vorkommen und Verbreitung dieser Art herauszufinden.
24.08.2026