Anlässlich des Tages des Wolfes am 30. April – zugleich das Ende des Monitoringjahres (1. Mai bis 30. April) – weist der Naturschutzbund Österreich auf gravierende Widersprüche im Umgang mit dem Wolf hin. Im Monitoringjahr 2025/26 wurden acht Wolfsrudel nachgewiesen – eines weniger als im Jahr zuvor. Nur vier davon leben vollständig in Österreich. Die übrigen Rudel sind grenzübergreifend und somit nicht eindeutig dem österreichischen Bestand zuzurechnen. In lediglich drei Rudeln wurde Fortpflanzung bestätigt, mit insgesamt mindestens sieben nachgewiesenen Welpen.
Rudelverluste bremsen Entwicklung
Ob einige Rudel – insbesondere in Kärnten – noch existieren, ist unklar. Die Daten basieren teils auf Nachweisen von Anfang 2025 und damit auf dem vorherigen Monitoringjahr. Verlässliche Aussagen zur aktuellen Situation sind daher nur eingeschränkt möglich. Seit 2018 haben sich zudem fünf Rudel wieder aufgelöst – Ursachen unbekannt. Dabei sind stabile Rudel die Grundlage jeder Population. Tatsächlich konnten sich bislang nur wenige Rudel in Österreich über mehrere Jahre halten. Der Großteil der 2025 genetisch nachgewiesenen rund 120 Wölfe waren hingegen Durchzügler, die bisher keinen Beitrag zum Bestandsaufbau leisten konnten.
Mehr Abschüsse als Nachwuchs
Gleichzeitig wurden im Monitoringjahr 2025/26 insgesamt 27 Wölfe offiziell getötet, darunter auch Jungtiere. „Damit übersteigt die Zahl der Abschüsse die der nachgewiesenen Welpen deutlich. Es ist zwar davon auszugehen, dass nicht alle Welpen erfasst wurden, aber insgesamt erreicht von Natur aus nur ein Teil der Welpen das Erwachsenenalter. Das Beispiel legt jedenfalls die Schieflage zwischen lückenhafter Datengrundlage und intensiven Eingriffen offen“, sagt Lucas Ende, Experte beim Naturschutzbund Österreich.
Weitere Lockerungen geplant
Anstatt zunächst diese Wissenslücken zu schließen, sollen Abschüsse weiter erleichtert werden – etwa in Salzburg, der Steiermark und Vorarlberg. In Tirol ist der direkte Abschuss von Wölfen auf Almen und an Weiden seit 1. April bei „gegenwärtiger Gefährdung“ oder „unmittelbarer Bedrohung“ landwirtschaftlicher Nutztiere bereits erlaubt – ohne nähere Begriffsklärungen, ohne Berücksichtigung des Erhaltungszustandes und ohne Überprüfungsmöglichkeiten der Umstände. „Der geplante Abschuss von Wölfen in Salzburg ohne Anlass steht dem Erreichen des günstigen Erhaltungszustands ebenfalls diametral entgegen“, so Ende.
Keine wissenschaftliche Grundlage für Gefahrennarrative
Für die oft geäußerte Behauptung, Wölfe würden ohne Bejagung ihre Scheu vor Menschen verlieren und gefährlich werden, gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Wildtiere suchen nicht von selbst die Nähe des Menschen – entscheidend sind vielmehr Anreize wie Futter. „Der Naturschutzbund fordert daher ein Wolfsmanagement auf Basis belastbarer Daten mit Fokus auf Monitoring, Prävention in Form von Herdenschutz und sachlicher Informationsarbeit – statt weiterer pauschaler Eingriffe in einen ohnehin fragilen Bestand“, sagt Thomas Wrbka, Präsident des Naturschutzbundes Österreich.
27.04.2026