Marderweibchen sind „ziemlich beste Mütter“

Ob furchtloses Mauswiesel, fürsorglicher Baummarder oder geduldige Fischotter-Lehrmeisterin: Passend zum Muttertag rückt der Naturschutzbund den Fokus auf die faszinierende Jungenaufzucht heimischer Marderarten – und den notwendigen Schutz der Elterntiere.

Sie sind agil, hochintelligent und beweisen bei der Aufzucht ihres Nachwuchses eine Hingabe, die in der Tierwelt ihresgleichen sucht. Während das männliche Tier nach der Paarung meist wieder seiner Wege geht, bewältigen die Weibchen der Marderfamilie – die Fähen – die Aufzucht komplett allein. Zum bevorstehenden Muttertag werfen wir einen Blick in die Kinderstuben von Mauswiesel, Baummarder und Fischotter und zeigen, warum „Marder-Mamas“ echte Multitasking-Talente sind.

Mauswieselmutter: Furchtlose Verteidigerin ihrer Brut
Das tagaktive Mauswiesel (Mustela nivalis), Tier des Jahres 2026, ist ein schlankes Raubtier mit brauner Oberseite und weißer Unterseite. Unter günstigen Bedingungen sind zwei Würfe pro Jahr möglich, die in gut gepolsterten Bauen oder Steinhaufen aufgezogen werden. Nach fünf Wochen Tragzeit gebären die Fähen durchschnittlich vier bis sechs Junge. In den ersten 14 Tagen wärmt die Mutter den nackten, blinden Nachwuchs fast pausenlos. Ab der dritten Woche entwickeln sich bei den Mauswieseljungen Gehör und Augen. Die ersten Fleischmahlzeiten nehmen sie mit vier Wochen zu sich. Obwohl die Jungtiere mit acht Wochen anfangen, selbstständig zu jagen, werden sie oft bis zur zehnten Woche gesäugt. Um ihren hohen Energiebedarf zu decken, muss die Mutter unermüdlich – insbesondere Wühlmäuse – fangen. Während der Aufzucht verteidigt sie ihre Brut furchtlos selbst gegen große Feinde. Mit Erreichen der Geschlechtsreife der Jungtiere nach vier bis fünf Monaten löst sich der Familienverband auf.

© Barbara Baach

Baummardermutter: Umsorgende Kuschlerin
Der überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Baummarder (Martes martes) ist ein mittelgroßer, schlanker Kulturflüchter. Das Fell des Marders ist feinseidig und kastanienbraun gefärbt. Die Paarungszeit findet zwischen Ende Juni und Mitte August statt, wobei der Schwerpunkt im Juli ist. Nach neunmonatiger Tragzeit werden in der Regel zwei bis fünf Jungtiere in ausreichend großen Baumhöhlen ausschließlich vom Weibchen großgezogen. Das eigentliche Nest wird sehr weich mit Moos, Haaren oder Federn ausgekleidet und feinsäuberlich von Unrat gereinigt. Beim Säugen liegen die Welpen eng an den Bauch der Mutter geschmiegt, oft in einer schützenden Einrollung des Muttertiers. Bei Gefahr sind die Fähen sehr wachsam und transportieren den Nachwuchs per Nackengriff sofort in eine Ersatzhöhle. Um Prädatoren und Parasiten zu meiden, werden regelmäßig die Neststandorte gewechselt.

Fischottermutter: Ausdauernde Lehrmeisterin
Der meist dämmerungs- und nachtaktive Fischotter (Lutra lutra) mit seiner langen, schlanken Gestalt ist überwiegend braun gefärbt, die Brust ist jedoch hell. Bei unserem Wassermarder handelt es sich um die zweitgrößte heimische Marderart. In Mitteleuropa kann die Fortpflanzung das gesamte Jahr über stattfinden, weshalb Weibchen zu jeder Jahreszeit trächtig sein können. Nach etwa 60 Tagen Tragzeit gebärt das Fischotterweibchen meist ein bis drei Jungtiere in einer gut ausgepolsterten Höhle und säugt diese ein ganzes Jahr lang oder sogar länger. Zudem beleckt das Muttertier die Jungen intensiv, um sie zu reinigen und ihre Verdauung anzuregen. Der Fischotterbau ist in der Regel vorbildlich sauber. Die Wassermardermütter verbringen viel Zeit damit, trockenes Nistmaterial heranzuschaffen. Im Alter von acht Wochen verlassen die Welpen zum ersten Mal ihr Versteck. Sobald sich der Nachwuchs erstmals ins Wasser wagt, bringt ihm die Mutter Fellreinigung und Fischfang bei. Bis Fischotterjunge gute Schwimmer und geschickte Jäger sind, dauert es jedoch. Erst mit zehn bis zwölf Monaten haben sie ausreichend von ihrer Mutter gelernt, um das mütterliche Territorium verlassen zu können und sich ein eigenes Streifgebiet zu suchen. Nicht zuletzt aufgrund dieser intensiven Jungenaufzucht bekommen Fischotterweibchen durchschnittlich nur zweimal in ihrem Leben Nachwuchs.

Die Einblicke in die Jungenaufzucht von Mauswiesel, Baummarder und Fischotter zeigen, wie unterschiedlich – und zugleich anspruchsvoll – die Aufgaben der Fähen sind: vom unermüdlichen Beutefang über intensive Fürsorge bis hin zur geduldigen Weitergabe überlebenswichtiger Fähigkeiten. Diese Leistungen machen deutlich, wie sensibel die Aufzuchtphase gegenüber Störungen ist. Der Schutz der Muttertiere und ihrer Lebensräume ist daher entscheidend, um diese komplexen Entwicklungsprozesse zu sichern und den langfristigen Erhalt heimischer Marderarten zu gewährleisten.

Beobachtungen teilen – Arten schützen
Der Naturschutzbund setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz der flinken marderartigen Beutegreifer ein, insbesondere für den Fischotter, der auch das „Wappentier“ der Naturschutzorganisation ist, aber auch den Baummarder und das Mauswiesel (Tier des Jahres 2026). Um mehr über die Verbreitung der agilen Arten herauszufinden, bittet der Naturschutzbund, Beobachtungen der kleinen Beutegreifer via Foto auf seiner Plattform www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App zu teilen.

06.05.2026

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