Mit dem Monatswechsel von April auf Mai wandelt sich das Pollengeschehen fundamental: Während die Baumpollen-Saison ausklingt, rücken nun Gräser in den Fokus. Der Naturschutzbund erklärt das Phänomen der „unzerstörbaren“ Wanderer und gibt Tipps zur Linderung bei Allergien.
Für Millionen von Menschen beginnt jetzt die herausforderndste Zeit des Jahres. Wissenschaftlich betrachtet ist das Pollenjahr in drei Phasen unterteilt. Aktuell findet der Übergang von der Frühjahrsphase (Baumpollen) in den Hochsommer (Gräserpollen) statt. Während sich die Birke Ende April langsam verabschiedet, spielen ab Mai die Gräser die Hauptrolle.
Winzige Organismen mit unzerstörbarem Schutzpanzer
Pollen sind weit mehr als nur gelber Staub. Es handelt sich um stark reduzierte, eigenständige männliche Organismen. Um ihr Erbgut sicher zur nächsten Blüte zu transportieren, sind sie mit einem nahezu unzerstörbaren Panzer aus Sporopollenin ausgestattet. Diese Widerstandsfähigkeit macht sie nicht nur für die Natur, sondern auch für die Forschung wertvoll: In der Klimaforschung dienen sie als Zeitkapseln, in der Forensik als biologische Fingerabdrücke zur Spurensicherung.
Drei Arten von Pollen
Nicht alle Pollen sind für die typische Allergie verantwortlich. Die Pflanzenwelt verfolgt unterschiedliche Strategien:
Warum das Immunsystem „Fehlalarm“ schlägt
Eine Pollenallergie ist im Kern eine Verwechslung. Das Immunsystem stuft die eigentlich harmlosen Proteine der Pollen als gefährliche Krankheitserreger ein und startet eine Abwehrreaktion. „Moderne Hygienestandards und zunehmende Umweltbelastungen führen dazu, dass unser Immunsystem unterfordert ist oder durch Schadstoffe aggressivere Pollenproteine bekämpfen muss“, so Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas.
Die Gräser-Phase (Mai bis Juli)
Nachdem Hasel, Erle und Birke ihre Hochphase beendet haben, beginnt nun die für die Mehrheit der Betroffenen intensivste Zeit. Von Mai bis Juli dominieren die Gräser – allen voran das Wiesen-Lieschgras (Phleum pratense), der Roggen (Secale cereale), das Knäuelgras (Dactylis glomerata), das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne) und das Wiesen-Rispengras (Poa pratensis) – das Pollenfluggeschehen. Das Wiesen-Lieschgras gilt als das „Modell-Gras“ der Allergologie und weist eine extrem hohe Pollenproduktion und Allergenpotenz auf. Erst im Spätsommer (August bis Oktober) folgt die Kräuter-Phase mit Beifuß und Ambrosia.
Tipps für Gräser-Allergiker*innen
Pollenträger-Beobachtungen teilen
Um mehr über die Verbreitung und die Entwicklungsstadien allergieverursachender Gräser zu erfahren, bittet der Naturschutzbund, Fotos von „Pollenträgern“ auf seiner Citizen-Science-Plattform www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App zu teilen.
29.04.2026