Bitte um Reh-spekt: Finger weg von Jungtieren

Naturschutzbund gibt Tipps beim Fund von jungen Wildtieren

Ob Hasenjunge, Rehkitze oder andere junge Säuger: Wer im Frühling und Sommer in der Natur auf ein scheinbar verlassenes Jungtier stößt, sollte unbedingt Distanz wahren. Denn dass die Kleinen allein auf Wiesen, Feldern oder im Wald herumsitzen, ist ein bewährter Schutzmechanismus der Natur: Um keine Fressfeinde anzulocken, lassen die Muttertiere ihren Nachwuchs tagsüber zurück und kommen nur regelmäßig zum Säugen vorbei.

© Hans Glader

Warum menschlicher Kontakt zu vermeiden ist:

  • Geruch-Faktor: Durch den Hautkontakt überträgt sich menschlicher Geruch auf das Junge. Im schlimmsten Fall wird es danach von der Mutter verstoßen und verhungert.
  • Stress-Faktor: Die unmittelbare Nähe des Menschen versetzt Wildtiere in Todesangst, was zu einem Kreislaufkollaps führen kann. 


Wichtige Ausnahme:
Ein Eingreifen ist ausschließlich dann empfohlen, wenn das Tier direkt auf der Straße sitzt und dort überfahren werden könnte. Wie man Jungtiere richtig vor dem Straßenverkehr schützt:

  1. Hautkontakt vermeiden: Den Nachwuchs niemals mit bloßen Händen berühren.
  2. Geruchsbarriere schaffen: Ein großes, dickes Bündel Gras oder Laub nehmen, um die Hände komplett abzuschirmen. Achtung Bissgefahr bei Fuchswelpen!
  3. Umsiedeln: Das Jungtier vorsichtig damit anheben und im direkt angrenzenden Sichtbereich (z.B. auf der Wiese, am Waldrand oder im dichten Gebüsch) absetzen.
  4. Rückzug: Den Ort unverzüglich wieder verlassen, damit das Muttertier stressfrei zurückkehren kann.

Was tun, wenn man ein verletztes Jungtier findet?
Bei sichtbaren Verletzungen sollte man das Jungtier ebenfalls nicht anfassen, sondern umgehend eine Wildtierauffangstation, den Tierschutz oder den lokalen Jagdpächter verständigen.

Sonderfall: Eichhörnchen
Einem Eichhörnchen-Jungtier sollte nur geholfen werden, wenn es aktiv den menschlichen Kontakt sucht. Ein lautes Piepen, Hinterherlaufen oder Festklammern an den Hosenbeinen ist ein eindeutiges Signal dafür, dass die Mutter verunglückt oder das Nest (der Kobel) zerstört ist. Da verwaiste Eichhörnchen-Junge sehr rasch auskühlen, muss das Tier schnellstmöglich in ein Handtuch gewickelt und mit einer handwarmen Wärmflasche gewärmt werden.
Wichtig: Unterkühlte Tiere dürfen niemals Nahrung oder Flüssigkeit erhalten, da dies immer tödlich endet. Nach diesen ersten Sofortmaßnahmen ist empfohlen, umgehend eine Eichhörnchen-Nothilfe oder den Tierschutz zu kontaktieren.

02.06.2026

 

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