Durch seine Baukunst – von beeindruckenden Biberburgen bis hin zu kunstvoll errichteten Dämmen – schafft das größte Nagetier Europas als tierischer „Landschaftsarchitekt“ Lebensräume für zahlreiche Arten und trägt maßgeblich zur Wiederherstellung natürlicher Flusslandschaften bei. Doch trotz seiner enormen ökologischen Bedeutung stößt der Biber vielerorts auf Widerstände.
Der Biber gestaltet seinen Lebensraum und trägt damit wesentlich zur Renaturierung unserer Kulturlandschaft bei: Wasserlebensräume werden vielfältiger und dynamischer, er reaktiviert "alte" Feuchtgebiete und schafft neue, der Strukturreichtum an und in Gewässern steigt und das Totholz nimmt zu. Durch seine rege Bautätigkeit beeinflusst der Biber die Lebensräume anderer Tierarten der Auen. Wo er das Gewässer gestaltet, verbessert er die Lebensbedingungen u.a. für Schwarzstorch und Eisvogel sowie viele Amphibien- und Libellenarten. Er fördert naturnahe Prozesse und erbringt eine Gratis-Naturschutzleistung: Fließgewässer müssen so nicht mit großem finanziellem Aufwand renaturiert werden.
Mehr Raum für Fließgewässer …
In Europa galt der Biber mehr als 100 Jahre als ausgestorben, bevor man zwischen 1977 und 1983 die Wiederansiedlung des Nagers wagte – inzwischen ist der Biber wieder weit verbreitet. Als Gestalter seines nassen Lebensraumes gerät er jedoch zunehmend mit uns Menschen und der Nutzung der Uferbereiche in Konflikt: Das zeigt ein Dilemma, in das sich der Mensch seit einigen Jahrzehnten hineinmanövriert hat und das ihm die wiederkehrenden Hochwässer in den vergangenen Jahren schmerzlich vor Augen geführt haben. Wir haben unseren Fließgewässern den erforderlichen Raum genommen und immer weiter an die Ufer herangebaut bzw. bis an die Ufer hin Flächen bewirtschaftet. Der Biber erobert sich diesen Lebensraum nun zurück, zwar in viel schonenderer Art und Weise als die Hochwässer der vergangenen Jahre – jedoch da und dort mit ähnlichen Effekten.
… und für den Biber
Die Wiederausbreitung des Bibers sollte daher zusätzlicher Anstoß sein, den ökologischen Zustand unserer Gewässer zu verbessern. Mehr Raum für unsere Fließgewässer ist nicht nur für einen an der Natur orientierten Hochwasserschutz wichtig, mehr Raum für unsere Fließgewässer schafft auch mehr Raum für die Bedürfnisse des Bibers. Er kann nur dort dauerhaft leben, wo Gewässer noch einigermaßen naturnahe Verhältnisse aufweisen. Kaum ein anderes Tier ist als „Leitart“ für eine intakte Auenlandschaft besser geeignet. „Wenn der Biber mehr Platz zum Leben bekommt, ist er einer der wertvollsten Verbündeten im Kampf gegen den Artenschwund, bei der Gewässerrenaturierung und beim Hochwasserschutz. Wir sollten die Fähigkeiten des tierischen Landschaftsarchitekten nutzen – er kann es mitunter sogar besser und billiger als so manche menschliche Maßnahme“, so Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas.
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03.04.2025