"Wiederherstellung von Natur": Rückblick auf den Naturschutztag 2026

Hochwasser, Dürre, Artensterben und Klimakrise: Wie Wiederherstellung von Natur unsere Zukunft sichert

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Beim NÖ Naturschutztag am 17. Oktober in Berndorf stand alles im Zeichen der „Wiederherstellung von Natur“. Kaum ein Naturschutzthema hat in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit bekommen als die 2024 beschlossene EU-Wiederherstellungsverordnung. Sie soll sicherstellen, dass bis 2030 mindestens 20 % der Land- und Meeresflächen in der EU renaturiert werden. Doch wie kann das gelingen, und warum hinkt die Umsetzung in Österreich bisher hinterher? Rund 90 Teilnehmer*innen, darunter Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung, diskutierten über konkrete Maßnahmen, politische Blockaden und erfolgreiche Projekte.

Warum brauchen wir die Wiederherstellungsverordnung?
Der Zustand unserer Natur verschlechtert sich, selbst in Schutzgebieten. Josef Greimler, Vorsitzender des Naturschutzbund NÖ, warnt: „In Summe wird zu wenig unternommen, trotz des dramatischen Artensterbens. Wir müssen mit der Natur kooperieren, statt gegen sie zu arbeiten.“ Thomas Horvath, Geschäftsführer des Naturschutzbund NÖ, betonte die historische Chance der Verordnung: „Sie ist ein Instrument, um den Abwärtstrend zu stoppen. Doch der erste Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans wird von vielen NGOs – darunter auch dem Naturschutzbund – als sehr dürftig kritisiert“. Auch Bürgermeister Jürgen Schrönkhammer, Bundesrätin Bernadette Geieregger (in Vertretung von LH Mikl-Leitner) und Landesrätin Susanne Rosenkranz (über Videobotschaft) betonten die Bedeutung der Wiederherstellung von Natur, zeigten aber auch die großen Herausforderungen auf, die die Umsetzung der Verordnung – insbesondere in Zeiten von knappen Budgets – mit sich bringt.

Was die Wiederherstellungsverordnung für Österreich bedeutet
Die EU-Wiederherstellungsverordnung soll den Rückgang der Biodiversität stoppen, indem sie bestehende Richtlinien wie die Flora-Fauna-Habitat- und die Vogelschutzrichtlinie ergänzt. Bis 2030 müssen auf 20 % der Land- und Wasserflächen Wiederherstellungsmaßnahmen umgesetzt werden, bis 2050 sollen alle sanierungsbedürftigen Ökosysteme in der EU wiederhergestellt sein. Einen nationalen Aufteilungsschlüssel gibt es nicht – das Ziel gilt für alle Mitgliedstaaten.
Georg Kanz vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) begleitet die Wiederherstellungsverordnung seit vielen Jahren. Beim Naturschutztag betonte er zum kritisierten ersten Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans, dass dieser zwar noch nicht vollständig ausgearbeitet war, aber schnell nach Brüssel übermittelt werden musste, um notwendige Finanzierungen im Rahmen der aktuellen EU-Budgetverhandlungen zu sichern. Herausforderungen sieht er vor allem bei der Finanzierung. Um das knappe Budget optimal einzusetzen, plädiert er für Maßnahmen mit Mehrfachnutzen und die Nutzung von Mitteln aus der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik; z.B. Vertragsnaturschutz ÖPUL) sowie aus LIFE-Programmen. Der Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans enthält konkrete Vorschläge, die auch für Niederösterreich gelten und direkt umsetzbar sind. Die endgültige Fassung soll im September 2027 vorliegen. Anregungen können jederzeit gerne an das BMLUK übermittelt werden.

Wie der Naturschutzbund NÖ geschädigte Ökosysteme wiederherstellt
Thomas Horvath und sein Team gaben beim Naturschutztag einen Einblick in die praktische Arbeit: Der Naturschutzbund NÖ betreut 46 Schutzgebiete auf über 126 Hektar, die durch Naturfreikauf, Schenkungen und Vererbung gesichert wurden. Der erste Ankauf war das Niedermoor Brunnlust in der Feuchten Ebene im Jahr 1951. Doch der Erhalt dieser Flächen ist kein Selbstläufer. Ohne Fördermittel aus Programmen wie ÖPUL, LIFE oder (inter-)nationalen Finanzierungen sowie ohne den ehrenamtlichen Einsatz von zahlreichen Freiwilligen wäre das Management dieser Ökosysteme nicht möglich! Am Beispiel von Mooren, Feuchtwiesen, Trockenrasen und Agrarlandschaften wurde aufgezeigt, wie der Naturschutzbund NÖ geschädigte Ökosysteme schützt und wiederherstellt. Moore müssen wiedervernässt, Feuchtwiesen und Trockenrasen durch extensive Bewirtschaftung erhalten und die Agrarlandschaft durch mehr Strukturvielfalt und Vernetzung aufgewertet werden. Denn nur so können diese Flächen ihre multifunktionalen Leistungen erfüllen.
In der abschließenden Diskussion wurden Ideen und Maßnahmen ausgetauscht, wie die gemeinsamen Ziele im Naturschutz erreicht werden können. Mit Blick auf die Herausforderungen der Klimakrise und die positiven Effekte, die die Wiederherstellung von Lebensräumen dabei leisten kann, waren sich alle einig, dass wir gar nicht anders können, als zu handeln.

Alle Fotos vom Naturschutztag, den Exkursionen und die Poster zur Diskussion finden Sie auf auf unserem flickr-Account:
Naturschutztag 2026 in Berndorf

 

Auf dem Foto von links nach rechts: Jürgen Schrönkhammer (Bürgermeister Stadtgemeinde Berndorf), Georg Kanz (BMLUK), Helga Krismer (Die Grünen NÖ), Josef Greimler (Vorsitzender Naturschutzbund NÖ), Margit Gross (Naturschutzbund NÖ), Sandra Klingelhöfer (Abteilungsleiterin RU5 Naturschutz), Bernadette Geieregger (Bundesrätin), Thomas Horvath (Geschäftsführer Naturschutzbund NÖ), Andreas Weiß (Direktor Biosphärenpark Wienerwald), Roman Portisch (Landwirtschaftskammer NÖ), Jasmine Bachmann (Bereichsleiterin Naturschutz der EnU); Martin Hallerbauer (stellv. Bezirkshauptmann BH Baden) © Hans-Martin Berg

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