Naturschutzbund NÖ nimmt zur Kampagne "Wir für Bienen!" Stellung

Am 11. April fiel der Startschuss für die Kampagne „Wir für Bienen“, die die NÖ Landwirtschaftskammer gemeinsam mit der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich umsetzt. Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte LH-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf gemeinsam mit dem Präsidenten der NÖ Landwirtschaftskammer Johannes Schmuckenschlager die Ziele und Inhalte der Kampagne vor. Mehr dazu siehe https://www.enu.at/start-der-kampagne-wir-fuer-bienen und https://www.wir-fuer-bienen.at/.


Bei der Pressekonferenz wurde mehrmals betont, wie besonders günstig Niederösterreich für Wildbienen und die Honigbiene sei. Wir teilen diese Meinung nicht und haben die dort getätigten Aussagen einem Faktencheck unterworfen:

„Unsere Bäuerinnen und Bauern sind nicht die Größten, aber mit Sicherheit die Besten im europäischen Vergleich. Würden alle in Europa so vorbildlich arbeiten wie unsere bäuerlichen Familienbetriebe, gäbe es mehr Bienen und mehr Artenvielfalt“. (LH-Stellvertreter Pernkopf)

Naturschutzbund NÖ: Niederösterreich hat mit über 600 verschiedenen Arten eine besonders hohe Diversität an Wildbienen. Dies liegt aber nicht an der naturschonenden Wirtschaftsweise der niederösterreichischen Bauern und Bäuerinnen, sondern am Zusammentreffen unterschiedlicher Lebensräume und Klimagebiete. Wie dramatisch die Situation ist, zeigt der Umstand, dass etwa ein Drittel der Arten knapp vor dem Aussterben steht. Hauptursache für den Artenschwund ist die intensive Landwirtschaft. Solche Bereiche sind für blütenbesuchenden Insekten extrem lebensfeindlich. Meist sind mehrere Faktoren dafür ausschlaggebend, etwa das ungünstige Blütenangebot, der Verlust von Nistplätzen, die Überdüngung und der Spritzmitteleinsatz.
Noch vor einigen Jahrzehnten gab es einen kleinräumigen Biotopverbund bestehend aus Brachen, blütenreichen Feldrainen sowie extensiv genutzten Wiesen und Weiden. Durch das Zusammenlegen der Felder, den Umbruch der Wiesen und die intensive Ackernutzung haben sich aber die Lebensraumbedingungen für Wildbienen dramatisch verschlechtert.

„Landwirtschaft und Artenvielfalt sind in Niederösterreich keine Gegensätze, unsere Bienen und unsere Bauern sind untrennbar miteinander verbunden. Die Landwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt, denn Wiesen, Felder, Blühstreifen und Wälder sind für Bienen und viele andere Lebewesen wertvolle Ökosysteme, die es zu schützen gilt“. (LH-Stellvertreter Pernkopf)

Naturschutzbund NÖ: Historisch betrachtet ist es richtig, dass die Landbewirtschaftung dazu geführt hat, dass wertvolle Offenstandorte entstanden sind. So hat die Landwirtschaft über die Jahrhunderte dazu beigetragen, dass sich Bienenarten ausbreiten konnten. Kleinräumige Feldstrukturen, blütenreiche Feldraine, Brachen sowie extensiv genutzte Weiden und Wiesen bereichern das Artenspektrum.

Mit der Intensivierung der Landwirtschaft während der letzten Jahrzehnte haben viele Bienenarten jedoch ihre Lebensräume verloren. Wildbienen sind zumeist standorttreu und überwinden nur kurze Distanzen von einigen Hundert Metern. Ausgeräumte Landschaften, aber auch intensiv genutzte Wiesen und Weiden sind als Lebensräume für Wildbienen nicht geeignet, da es hier keine Nistmöglichkeiten gibt. Zudem fehlte es oft an geeigneten Pollen- und Nektarquellen.

„Die Bauern geben auf insgesamt 230.000 Hektar blühenden Feldern Bienen Heimat: 112.000 Hektar Begrünungs- und Biodiversitätsflächen sind wertvolle Ökosysteme, 23.000 Hektar Raps sind die Lieblingsnahrung für Bienen, 17.000 Hektar Sonnenblumen sind Bienen- und Augenweiden gleichzeitig, 12.000 Hektar Kürbis sorgen für Speiseöl. Dazu kommen noch die 770.000 Hektar Waldflächen, mehr als 40 Prozent der Landesfläche, welche die Grundlage für den Waldhonig liefern“. (LH-Stellvertreter Pernkopf)

Naturschutzbund NÖ: Auf den genannten Flächen sind in der Regel nur wenige Pflanzenarten zu finden. Wildbienen brauchen eine artenreiche Vegetation, da viele Arten spezialisiert sind (etwa ein Drittel) und auf einer oder wenigen Pflanzenarten Pollen sammeln. Der Anbau von Raps fördert beispielsweise nur wenige Bienenarten, zudem ist die Blühdauer bei Winterraps auf wenige Wochen beschränkt. Aufgrund der beschränkten Zeit ist nur die Versorgung weniger Nester möglich. Um den Wildbienen ein Überleben zu ermöglichen, müssten im näheren Umfeld dieser Blühflächen entsprechende Nistplätze sein. Insbesondere für boden- und stängelnistende Arten fehlen entsprechende Strukturen.

Fazit des Naturschutzbund NÖ: Durch die intensive Landnutzung und den hohen Dünge- und Spritzmitteleinsatz werden die Lebensräume der Wildbienen großflächig zerstört - in Niederösterreich aber auch anderswo. Um die Bestäubung von Obst, Gemüse und anderen Pflanzen sicherzustellen, müssen wir rasch handeln.

 

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