Nachruf Gudrun Foelsche 1938 - 2020

von DI Bernd Skyva, Obmann des Schöffelvereins

© Schöffelverein Mödling

Mit Gudrun Foelsche verliert Mödling eine Schlüsselfigur des Kulturlebens und der lokalen Berichterstattung und eine engagierte Kämpferin für den Natur- und Artenschutz in unserer Region. Geboren am 2. August 1938 in Klagenfurt, verstorben am 18. September 2020 in Mödling, ihrem Zuhause seit über 50 Jahren.

Im Naturschutz gibt es Menschen mit Engagement und solche mit Wissen. Bei wenigen vereinigen sich diese Eigenschaften so wie bei Gudrun. Sie war eine souveräne Persönlichkeit, die allseits hoch geachtet wurde. Dies hatte sie Ihrem unermüdlichen Einsatz zu danken, bei dem es immer um die Sache, aber niemals um einen persönlichen Vorteil ging. Dies hat ihr nicht nur Beliebtheit eingebracht.

Gudrun Foelsche war die Seele des Naturschutzvereins Schöffel. Es war ihr nichts zu unbedeutend, wie das (geschützte) Hornköpfchen am Straßenrand und nichts zu groß, wie die geplante Änderung des Forstgesetzes. Gegen diesen groben Eingriff in die Natur könne man nichts machen, hieß es da. „Da muss man etwas machen!“ war Gudruns Aufruf zum erfolgreichen Widerstand.

Der Eichkogel war ihre große Herzensangelegenheit. Unermüdlich und äußerst vielseitig war der Einsatz. Gudrun hat nicht nur Schüler bei den Pflegemaßnahmen angeleitet, sondern auch ihren Mann Dietmar zum Experten gemacht. Keiner weiß wie er, wo, was, wann blüht und wie der Vergleich zu den vergangenen Jahren aussieht. Die vom Naturschutzverein Schöffel durchzuführenden Managementmaßnahmen stehen unter seiner tatkräftigen Leitung.

Noch im fortgeschrittenen Alter und trotz gesundheitlicher Rückschläge war Gudrun Foelsche immer wieder auf „ihrem“ Eichkogel unterwegs, um zu forschen, zu beobachten, zu dokumentieren und bei den Pflegemaßnahmen zu helfen.

Ihr ganzes Berufsleben lang und weit darüber hinaus war sie leidenschaftliche Journalistin, Fotografin und Autorin. Begonnen hat es 1972, als sie mit anderen gegen den geplanten "Badstraßendurchbruch" kämpfte. Dadurch blieben alte Gebäude der Klostergasse, darunter das Weinhauerhaus aus dem 16. und 17. Jhdt., in dem sich heute das Volkskundemuseum befindet, erhalten.

In weiterer Folge setzte sich intensiv für den Erhalt der Mödlinger Altstadt ein. Als Beispiele seien das Ratzhaus, der Herzoghof , die "Zwei Raben" oder die „Kolonie“ in der Schöffelvorstadt genannt. Ein Anliegen waren ihr auch Menschen ohne Lobby, vor allem Kinder am Rande der Gesellschaft.

25 Jahre war Gudrun Foelsche freie Mitarbeiterin der NÖN - Niederösterreichische Nachrichten. Ihre Artikel und Fotos erschienen aber auch in anderen Printmedien. Besonders stolz war sie auf einen Beitrag über den Maler Oscar Asboth, der auch in der Washington Post veröffentlicht wurde.

Durch ihre berufliche Tätigkeit war sie mit zahlreichen Personen des öffentlichen Lebens bekannt und befreundet. Für ihre journalistische Integrität spricht, dass sie über die Jahre von sämtlichen politischen Parteien in Mödling zur Kandidatur angefragt wurde. Altbürgermeister Harald Lowatschek nannte Frau Foelsche einmal "das Gewissen der Stadt".

Immer wieder haben sich Menschen an sie gewandt, wenn die Natur, oft auch durch behördliche Maßnahmen, bedroht war. Gudrun Foelsche, eine profunde Kennerin der Flora und Fauna in der Region Mödling, setzte sich mit unermüdlicher Kraft für den Natur- und Umweltschutz ein und trat gegen Umweltzerstörung vehement auf.

Gudrun war fachliche Leiterin des Mödlinger Volkskundemuseums und auch langjährige Obmann-Stellvertreterin des Bezirks-Museums-Vereins Mödling. Sie war Ehrenmitglied der Österreichischen Albert-Schweitzer Gesellschaft und der NÖ Berg- und Naturwacht, erhielt den Schöffel-Förderungspreis des Landes Niederösterreich und war Trägerin der Ehrennadel in Gold der Stadt Mödling.

Hier eine kleine Auswahl der zahlreichen Publikationen Gudrun Foelsches:

Blütenparadies Eichkogel, 2002
Einzigartige Pflanzen- und Tierwelt im Nahbereich der Großstadt. Unter Mitarbeit von Manfred A. Fischer und Waltraud Gerdenitsch und unter Verwendung wissenschaftlicher Texte und Bilder aus dem Nachlass von Walter Redl, dem „Retter des Eichkogels“; erschienen 2002 im Heimat-Verlag, Schwarzach; bzw. als dritte Auflage
Naturparadies Mödlinger Eichkogel zusammen mit Dietmar Foelsche, 2011. (leider vergriffen)

Das Volkskundemuseum – Spurensuche im Raum Mödling gestern und heute, erschienen in der Schriftenreihe medilihha, Bezirks-Museums-Verein Mödling, 1995.

 

 

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