Aktuelle Situation des Luchses in NÖ

© Josef Limberger

Die Rückkehr des Luchses nach Niederösterreich geht sehr langsam voran. Dass sie überhaupt in Gang gekommen ist, ist der Wiederansiedlung von 17 Luchsen, die aus den Karpaten stammten, im südböhmischen Šumava/Böhmerwald in den 1980er Jahren zu verdanken. Heute ist von der böhmisch-bayerisch-österreichischen Luchspopulation die Rede, haben sich die Tiere doch auf die bayerische Seite (Oberpfalz) und auch bis ins Wald- und Mühlviertel ausgebreitet. 2019/20 konnte man im gesamten Gebiet 130 Luchse nachweisen. Nur ca. 20 % haben sich davon auf österreichischem Boden, u. a. im Waldviertel aufgehalten.

Luchse kommen und gehen
Vor zehn Jahren starteten Luchsforscher, ein Luchsmonitoring im Waldviertel aufzubauen. Der Einsatz von Wildkameras gab ihnen Aufschluss über deren Verbreitung. Es kam zu Hinweisen auf Luchse und auch auf Reproduktion und Jungluchse. Von einer kontinuierlichen Luchsansiedelung konnte jedoch nicht die Rede sein, zu oft folgten Jahre nur mit wenigen oder sogar gar keinen Luchsnachweisen. Die Mehrheit der Luchse waren Grenzgänger zwischen Waldviertel, Mühlviertel und Südböhmen.
Eine Luchsin blieb und schaffte es, viermal hintereinander (2017 - 2020)  im Waldviertel Junge großzuziehen. Davor registrierte man nur eine einmalige bzw. zweimalige Fortpflanzung von Luchsinnen im Waldviertel. Trauriger Höhepunkt war 2013 der Fund einer Luchsin und eines Jungen, die getötet und in einem Plastiksack in die Ysper geworfen wurden.

Donauüberquerungen
Das Monitoring im Waldviertel zeigte auch, dass Luchse die Donau überquerten. Um Artgenossen zu suchen, wurden sie in Waldgebieten wie dem Sauwald und dem Kürnberger Wald in OÖ oder dem Dunkelsteiner Wald in NÖ gesichtet. Gelegentlich waren Luchse im südlichen NÖ unterwegs. Dabei handelte es sich meist über Individuen aus dem Luchsprojekt des Nationalparks Kalkalpen in OÖ oder ganz selten waren es Tiere unbekannter Herkunft.

Interview
Wir haben zur aktuellen Lage des Luchses im Waldviertel noch mit Mag. Thomas Engleder von Luchsprojekt Österreich Nordwest gesprochen.

Wie sehr wird der Luchs unter den Waldviertlern und Mühlviertlern akzeptiert?
Engleder: Die Akzeptanz zum Luchs ist in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen, auch durch viel Kommunikation von Grundlagenwissen und Forschungsergebnissen. Akzeptanzprobleme gibt es vor allem in Gebieten, wo der Luchs wieder neu auftritt und es noch Informations-/Erfahrungsdefizite gibt. In Gebieten wo der Luchs wieder seit Jahren/Jahrzehnten dauerhaft lebt hat man mit ihm großteils leben gelernt. Durch das Wiederauftreten des Wolfes in den vergangenen Jahren wurde auch realisiert, dass man mit dem Luchs vergleichsweise leicht auskommt.

Das Waldviertel ist zwar keine typische Weidelandschaft, aber sind Schäden an Nutztieren durch Luchse bekannt?
Engleder: Es gab in den vergangenen Jahrzehnten keine größeren Probleme mit dem Luchs bezüglich Haltung von Nutztieren. Es sind nur ganz wenige Einzelfälle bekannt, wo ein Luchs Damwild oder dergleichen gefressen hat. Einzelne verwaiste Jungluchse wurden kurzzeitig an Gehöften beobachtet, auf der Suche nach einfacher Beute (Geflügel, Kaninchen, ...).

Gibt es auch Luchse, die einfach so verschwunden sind? Also womöglich illegal abgeschossen wurden?
Engleder: Ja, es gab in den vergangenen Jahren viele Luchse, die nicht mehr festgestellt werden konnten und deren Schicksal unklar ist, also als verschollen gelten. Die Gründe dafür können vielfältig sein: Monitoring-Lücken, natürliche Todesursachen, Verkehr, illegale Tötungen, etc. Die Turnoverrate der Luchse in der Region ist zu hoch, um sie nur mit natürlichen Ursachen erklären zu können.

Was weiß man über die Luchse, die tot in der Ysper gefunden wurden?
Engleder: Luchsin und Junges wurden nahe der Yspermündung in der Donau gefunden. Die Informationen beziehen sich auf die Aussagen von Beteiligten und auf Fotos. Leider wurde von der BH damals keine weitere Untersuchung angeordnet.

Projekt Intensivierung des Luchsmonitorings im Waldviertel

Für ein Überleben der Luchse in Mitteleuropa sind das Waldviertel und das Mühlviertel ganz wichtige Lebensräume. Um den Wissensstand über die Luchse im Waldviertel und Umgebung zu verbessern, sollen nun mehrere Fotofallen aufgestellt werden. Mehr über dieses Vorhaben, das vom Naturschutzbund Österreich unterstützt wird, erfahren Sie hier auf unserer Projektseite.

 

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