Das neue natur&land "Renaturierung als Chance" ist da!
Mit dem Inkrafttreten der EU-Wiederherstellungsverordnung steht Österreich an einem historischen Wendepunkt. Da sich 80 Prozent der heimischen Arten und Lebensräume derzeit in einem mangelhaften Zustand befinden, darf Österreich nicht nur das gesetzliche Mindestmaß erfüllen. Ein mutiger, ambitionierter Weg muss eingeschlagen werden, um eine umfassende ökologische Erneuerung einzuleiten. In der aktuellen natur&land-Ausgabe analysieren Expert*innen des Naturschutzbundes die einzelnen Artikel der Verordnung und werfen einen kritischen Blick auf die laufende Erarbeitung des nationalen Wiederherstellungsplans …
Die Analyse zeigt in den sechs zentralen Säulen der Verordnung dringenden Nachbesserungsbedarf:
Lebensräume brauchen Vernetzung, warnt Thomas Wrbka (Präsident Naturschutzbund Österreich); damit Schutzgebiete nicht isolierte ökologische Sackgassen werden, sei eine funktionale Vernetzung durch Landschaftselemente entscheidend.
Die Stadtökologie wird laut Romana Ull (Naturschutzbund Steiermark) zur bloßen Flächenbilanz degradiert, da der Entwurf Grünflächen und Baumkronen nicht qualitativ, sondern nur in Quadratmetern misst. Lichtverschmutzung wird völlig ignoriert.
Beim Schutz der Bestäuber mahnt Johann Neumayer (Naturschutzbund Österreich) zur Trendumkehr, da jedes dritte Lebensmittel von Insekten abhängt; der Ausschluss von NGOs aus den Vorbereitungsgremien gefährde hier den gesellschaftlichen Konsens.
Im Bereich Landwirtschaft & Moore betont Winfrid Herbst (Naturschutzbund Salzburg) die historische Chance auf krisensichere Einkommen durch die Honorierung von Ökosystemleistungen der Landwirtschaft; der Widerstand gegen diese Maßnahmen schadet den Bauern selbst und müsse dringend überwunden werden.
Für die Wälder fordert Fritz Schwarz (Naturschutzbund Oberösterreich) ein Ende der Fichten-Monokulturen, eine gesetzliche Verankerung naturnaher Waldwirtschaft, einen Ausbau des Netzwerks an Naturwaldreservaten sowie einen weitgehenden Stopp des Forststraßenbaus, da fast 60 Prozent der Waldgesellschaften gefährdet sind.
Schließlich verweist Karin Hochegger (Naturschutzbund Steiermark) darauf, dass nur noch 17 Prozent der Flüsse frei fließen, also barrierefrei sind; für wirksamen Hochwasserschutz und intakte Fischbestände müssen nicht nur Barrieren zurückgebaut werden, auch den Flüssen und ihren Auen muss wieder mehr Raum gegeben werden.
Weitere Informationen und Einblicke in die Wiederherstellungsverordnung finden sich in der aktuellen Ausgabe von natur&land, DER österreichischen Naturschutzzeitschrift. Hier geht’s zur Bestellung