Naturschutz & Landwirtschaft: Ja – aber mit Hausverstand!

Naturschutzbund übt Kritik an der Plakat-Aktion des Bauernbundes und freut sich über Ankündigung von Naturschutz-Landesrätin Maria Hutter zum Erhalt der Biodiversität

Vorweg: Es gibt eine ganze Reihe von Bauern, die sorgsam mit den ihr anvertrauten Flächen wirtschaften und dabei auch der Natur ihren Raum lassen. Sie fördern freiwillig, über Vertrags-Naturschutz oder auf Basis des gesetzlichen Schutzes die Vielfalt an Biotopen, Pflanzen- und Tierarten. Aber das ist keineswegs die Strategie der gesamten Landwirtschaft, ganz im Gegenteil:

Der Bauernbund Salzburg stellt den (amtlichen) Naturschutz auf seinen Plakaten in Frage. Mit der Aussage, dass unsere Bauern seit Generationen Naturschützer seien untermalt von einem idyllischen Bild voller Blütenvielfalt und Insektenreichtum, wird eine heile Natur suggeriert. Die „zeitgemäße“ Landwirtschaft hat aber landauf, landab derartige Bilderbuch-Ansichten vernichtet. Faktum ist, dass mittlerweile ausgeräumte Landschaften unser Land prägen. Blumenwiesen finden wir zumeist – frühzeitig im Jahr niedergemäht und samt restlichem Insektenvolk eingepackt – in Plastikballen wieder. Durch die zu frühe und viel zu häufige Mahd nimmt die Vielfalt an Blumenarten, der Insektenreichtum und die Vogelanzahl auf den Wiesen im Land Salzburg dramatisch ab.

Die Abnahme ist wohl nicht durch den vom Bauernbund plakatierten „Schreibtisch-Naturschutz“ (s. u.) geschehen. Denn dieser hat vielmehr dazu beigetragen, dass überhaupt noch ein paar Flächen übrig geblieben sind, naturschutzfachlich kartiert wurden und mittels Vertragsnaturschutz-Zahlungen für erbrachte Pflegemaßnahmen gefördert wurden.

Dass wir heute viele intensiv genutzte, entwässerte, überdüngte Wiesen vorfinden, auf denen Blütenpflanzen, Insekten (Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken, ….), Amphibien, Wiesenvögel, …. kaum mehr eine Überlebenschance haben, ist NICHT den Naturschützern zuzuschreiben, sondern den Bewirtschafter*innen mitsamt den Agrarpolitiker*innen. Es waren also zum großen Teil – aus welchen Gründen oder wirtschaftlichen Zwängen auch immer – die Bauern selbst (und ihre Vertreter in Kammern und Bauernbund), die die Kulturlandschaft weitgehend ausgeräumt haben. Wo blieb da der plakativ beschworene Hausverstand? 

Wen wundert es noch, dass mittlerweile in Städten eine größere Artenvielfalt herrscht als auf dem Land, wo weite Flächen als Agrarwüsten zu Industriegebieten unter freiem Himmel verkommen sind?

Die politischen Natur- und Umweltreferent*innen der Bundesländer haben bei ihrer heutigen Konferenz in Salzburg das Problem jedenfalls erkannt. Die neue Salzburger Naturschutz-Landesrätin Maria Hutter teilte dazu mit: „Der Erhalt unserer Artenvielfalt ist mir ein großes Anliegen, für das wir heute auch wichtige Weichen gestellt haben. Wir wollen ein bundesweites Maßnahmenpaket zum Erhalt der Biodiversität besonders bei den Insekten einführen.“ Fraglich ist noch, ob wir jetzt auf die (freiwillige) Wiederherstellung vielfältiger, artenreicher Flächen hoffen dürfen, oder ob wir dazu gesetzliche Aufträge brauchen werden.

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