Tauben bitte nicht füttern!

© Naturschutzbund Wien

Wer unseren Stadttauben Gutes tun will, der füttert sie nicht. Dazu gibt es kein Wenn und Aber.  Wer die „armen Tauberln“ mit Speiseresten, Brot und Semmeln „verwöhnen“ will, macht sie krank, sie bekommen Durchfall, verlernen die Futtersuche, werden vom Füttern abhängig. Der Schwarm – sonst ständig in Bewegung – sitzt dann den ganzen Tag an derselben Stelle. Die Folgen: die wohlstandsverwahrlosten Vögel verunreinigen diese Plätze massiv und können dann punktuell schnell zu den „meistgehassten Tieren“ im urbanen Lebensraum werden. 86 Prozent der Wiener meinen, Taubenkot mache „alles dreckig“, für 76 Prozent ist Taubenkot hygienisch bedenklich, und immerhin 60 Prozent befürworten Strafen für Taubenfütterer.

Füttern führt außerdem zu einer Vergrößerung der Population, die Tauben kämpfen um die wenigen geeigneten Nistplätze, die noch nicht durch Altbausanierungen verloren gegangen sind. Im Normalfall kann jedes Taubenpaar im Jahr theoretisch bis zu zwölf Junge großziehen, die ihrerseits nach einem halben Jahr geschlechtsreif werden. Da können „slumartige“ Zustände entstehen, die Gefahr durch Infektionen und Parasitenbefall nimmt kräftig zu. Und schließlich: Wer Tauben füttert, füttert Ratten.

Die Wiener Stadtverwaltung versucht seit Jahrzehnten, so wie eine Reihe anderer Großstädte, die Taubenproblematik in den Griff zu bekommen. „Dazu ist es wichtig zu wissen, dass die Stadttauben keine Schädlinge, sondern Lästlinge sind, die dem Tierschutzgesetz unterliegen“, so Dr. Christian Fellner, Taubenexperte bei der Tierschutz Ombudsstelle Wien.

Der Taubenschlag der Stadt Wien in Meidling © Naturschutzbund Wien

Die Erfahrung hat gezeigt, dass weder das Vergiften noch medikamentöse Verhütungsmittel (die werden auch von Igeln, Eichhörnchen und Mardern gefressen) dazu geeignet sind, die Population nachhaltig zu verringern. Außerdem wurden Nebenwirkungen, etwas krampfartige Zustände, beobachtet. Immerhin leben in Wien 130.000 bis 150.000 Tauben. Auch das Angebot von eigenen Taubenschlägen hilft nur punktuell. Dr. Fellner: „Wir haben 2010 in Meidling eine derartige Unterkunft eingerichtet, in der rund 70 Vögel leben. Sie werden gefüttert, bekommen frisches Wasser, Nistmöglichkeiten und verbringen hier aufgrund dieser Annehmlichkeiten bis zu 8o Prozent ihrer Zeit.
In diesem Zeitraum wurden 1900 Eier gegen Attrappen ausgetauscht, was lokal zwar etwas bringt. Aber für 150.000 Tauben ist das natürlich keine Option“. Vor allem weil Teile der Bevölkerung rund um den Taubenschlag munter weiter füttern…

Bleiben neben technischen Maßnahmen wie Gitter, Netze, Spikes, fledermausfreundliche Taubenwippen, geschlossene Bauweise und Vermeidung von Nischen natürliche Feinde wie Wanderfalken. Turmfalken (350 Brutpaare leben in Wien) sind keine natürlichen Feinde der Stadttauben und können diese auch nicht nachhaltig vergrämen.

„Alle Bemühungen konnten aber bisher das Problem nicht lösen, sondern nur verschieben“, resümiert der Taubenexperte Dr. Fellner. „Dabei wäre es relativ einfach: Tiere nicht füttern!“. Leider ist es bisher nicht gelungen, die falsch verstandene Tierliebe, die großen Schaden anrichten kann, Teilen der Bevölkerung bewusst zu machen. Daher der Appell des „Österreichischen Naturschutzbundes: „Bitte Tauben nicht füttern!“


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