„Klimahülle“ hat sich als „Klimahölle“ erwiesen

Das haben wir heuer in vielen Städten Europas hautnah erleben müssen: Urbane Hitze-Inseln, die alles das, was mediterrane Stadtkulturen und erstaunlich lebenswerte Wüstenstädte auszeichnet, vermissen lassen.

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„Wir sollten möglichst schnell aus den Bautraditionen jener Kulturen lernen, die seit jeher ohne Fossilenergie in heiß-trockenen Klimazonen überleben mussten“, so Univ. Prof. Dr. Bernd Lötsch in seinem Referat „Stadtökologie im Extremklima“ (Naturschutzbund Wien). Und auch bei Entwicklungshilfe und Technologietransfer in die bevölkerungsreichen Länder im Sonnengürtel der Erde (Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten) wird man in Zukunft auf die Kunstgriffe des akkumulierten Bauens aus dem Erfahrungsschatz hunderter Generationen aus Zeiten, in denen es die billige Fossil-Energie noch nicht gab und in Zukunft nicht mehr geben wird, zurückgreifen müssen.

Besonders dramatisch findet der Humanökologe Fehlanpassungen bei „modernen“ Bauten von einheimischen Architekten, die stolz sind in Europa oder USA studiert zu haben und etwa den regional bewährten bewährten ungebrannten Lehmziegel als primitives „Arme-Leute-Bauen“ verachten. Der industriell-maschinell dominierte „internationale Stil“, entwickelt in Europa und Nordamerika, habe – so der Humanökologe – im Wüstenklima zu katastrophalen Fehlanpassungen  mit hohem Fremdenergieeinsatz geführt, etwa von chronisch überhitzter Glas-Architektur. Lötsch: „Beispiel für den sogenannten ìnternationalen Stil, der sich mit seinem Pathos des Sachlichen  funktional(istisch) gibt ohne funktional zu sein, sind die gläsernen Vorhangfassaden der Bauhausgründer. Von Mies v.d. Rohe gerne als Klimahülle propagiert, haben sie sich  selbst in Mitteleuropa zunehmend als Klimahölle erwiesen.

Prof. Lötsch, der seit vielen Jahren  alte Bautraditionen im Nahen und Mittleren Osten studiert, inspirierende Kontakte mit dem „wise old man“ der Wüstenarchitektur, Alternativ-Nobelpreisträger Hassan Fathy, pflegt und u.a. als Konsulent für die persischer Stadt Quasvin tätig war (Agende 21, Preis der UNO Habitat, Vancouver), empfiehlt der modernen Architektur die stärkere Berücksichtigung der 12 Goldenen Regeln der Bauökologie. Wer traditionelles Material verwenden möchte, müsse allerdings auch entsprechende Kunstgriffe anwenden:

  • Massive Mauern                                
  • Gewölbe und Kuppeln, umschlossene Höfe als Speicher kalter Nachtluft, dazu noch Bäume und Schattenplachen                                                                
  • Passive Ventilation                              
  • Enge Gässchen, deren Fassaden einander gegenseitig beschatten                              
  • Arkaden, südorientiert                              
  • Keine Wohnhochhäuser sondern „low rise high density „Wohnhöfe“  
  • Abwehr von motorisierten Durchzugsverkehr                             
  • Optimierung Urbanen Grüns an dafür angelegten Wasseradern                              
  • Wasser-Ökonomie                                                                                            
  • Kluges Nutzen der Klima-Extreme                             
  • Respekt vor Gewachsenem

 

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