Insektensterben führt zu „Kollaps der Natur“

Insekten sind auf dem Weg auszusterben. Zu diesem alarmierenden Schluss kommt ein kürzlich publizierter Bericht in der Zeitschrift „Biological Conversation“. Schon innerhalb eines Jahrhunderts könnten, wenn es zu keiner Trendumkehr kommt, 40 Prozent der Insektenarten der Vergangenheit angehören. Das könnte zu einem „Kollaps der Ökosysteme der Natur führen".

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Wie es mit der Gefährdung bzw. dem Schutz unseres heimischen Artenspektrums aussieht, darüber berichtete Dr. Martin Lödl, der Direktor der 2. Zoologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien in einem Vortrag beim Wiener Naturschutzbund.  Die höchste Gefährdung und als tatsächliche Ursache für das großräumige Verschwinden von Insektenarten  sieht der Wissenschaftler  in der flächendeckenden Verwendung von Insektiziden und Herbiziden und in der Veränderung der Lebensräume. „Also  in der landwirtschaftlichen Nutzung, der Versiegelung des  Bodens, in der Trockenlegung von Feuchtbiotopen und Gewässerregulierungen“, so Lödl. Dazu komme noch die Entfernung von Totholz, das zur Totalzerstörung ganzer Insektengruppen wie etwa der Bockkäfer führe.

Eine mittlere Gefährdung bestehe durch den Verlust von Rückzugsbiotopen (ungepflegte Bahndämme, Sandflächen und Feldraine) und der „Hygienisierung“ des Siedlungsraumes (unkrautfreie Gärten, Verlust sogenannter „Gstätten“).  Merkbare Störungen verursachen auch der Rückgang unbefestigter Feldwege und eine zu starke Erdverdichtung durch moderne Traktoren. Lödl: „Damit werden zum Beispiel die Nester von Hummeln zerstört“. Ein weiterer Faktor ist die Gefährdung  durch immer mehr eingeschleppte Pflanzen (Neophyten).

Die Lichtverschmutzung bzw. den Autoverkehr  bezeichnet der Wissenschaftler als geringe Gefährdung bzw. mäßige Störung, keine Gefährdung sieht er durch individuelles Sammeln von Insekten oder Tötung von Insekten (Wespen im Garten).

Warum uns die verschiedenen Bedrohungen von Insektenarten kümmern sollten,  sind vor  allem die Auswirkungen auf  Tiere, die Insekten fressen. Wenn diese Nahrungsquelle weggenommen wird, verhungern Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische. Vom Bestäuben unzähliger Pflanzenarten etwa durch  Bienen gar nicht zu reden. „In Österreich“, so Lödl, „haben wir noch einige hochalpine Standorte und eventuell noch den Rotwald bei Lunz als ursprüngliche Ökosysteme. Und das war`s“. Der Rest sind „naturnahe Lebensräume“ und Natur im Sinne „gottseidank ist es grün draußen“. Hier übe der Mensch, so der Wissenschaftler, ständig Energiehoheit aus.  Es werde gemäht, gegossen, gehegt und gepflegt, Pflanzen und Tiere nach Gutdünken entfernt oder zugesellt. Lödl: „Der urbane Homo sapiens neigt dazu, diesen Naturbegriff zu verallgemeinern,  die Bewohner betonverwüsteter Legebatterien empfinden den englischen Rollrasen als Inbegriff der 'natürlichen Natur' – weil’s grün ist“.

Informationen:
Dr. Martin Lödl, Naturhistorisches Museum Wien,
Tel. 52177/318,  E-Mail: martin.loedl@NHM-Wien.ac.at


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