Gefährdete Nachbarin – die Dohle in Wien

Verbreitungsmuster, Bruthabitate und Schutzmaßnahmen für eine prioritär bedeutende Art

Die Wiener Dohlenpopulation scheint sich hinsichtlich des Bestandes und der Verbreitung im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert zu haben. Zumindest soweit der Vergleich aktueller und älterer, allerdings aus lückenhaften Kartierungen stammender Daten zeigt, scheint die von Dohlen besiedelte Fläche heute größer zu sein als in früheren Zeiträumen. Ehemals von Dohlen besetzte Gebiete im Stadtzentrum und in zentrumsnahen Bezirken sind heute jedoch frei von brütenden Dohlen. Der Gesamtbestand an Brutpaaren wiederum dürfte zugenommen haben und liegt heute bei knapp 700 Paaren, wobei die größten Vorkommen im Norden und Nordosten Wiens zu finden sind.

© Maria Hoi-Leitner

Über 90% aller Dohlenpaare nisten in unmittelbarer Nähe zum Menschen in unterschiedlichen Strukturen in und an Gebäuden und technischen Bauten. Mehr als die Hälfte davon machen die kaminbrütenden Dohlen aus, die sich vor allem im 21. Bezirk vermutlich durch ein großes Angebot an stillgelegten Kaminen stark ausgebreitet haben. Mit einem Anteil von nur ca. 8% des Gesamtbrutbestandes sind dagegen baumbrütende Dohlen in Wien verglichen mit anderen mitteleuropäischen urbanen Gebieten sehr selten. Die Situation für Baumbrüter scheint sich seit dem Vergleichszeitraum vermutlich durch ein abnehmendes Angebot an Altbaumbeständen verschlechtert zu haben.

Die Aufrechterhaltung der Wiener Dohlenpopulation ist somit von der Erhaltung der Gebäudebrutplätze abhängig. Diese sind jedoch gefährdet, da zum einen viele der bereits stillgelegten Kamine in den kommenden Jahren umgewidmet, verschlossen oder abgerissen werden könnten und zum anderen Fassaden vor allem der Gründerzeithäuser, die im 2. und 20. Bezirk viele Dohlenbrutplätze beherbergen, zunehmend saniert werden.

Da die Dohle nach dem Wiener Naturschutzgesetz als streng geschützte Art gilt, ist es notwendig, eine Lösung anzustreben, die ihr langfristig gesicherte Brutmöglichkeiten bietet. Ein Schutzkonzept sieht daher vor, bei Sanierungen Nistplätze der standorttreuen Dohle, wenn möglich, zu erhalten sowie bei absehbarem Nistplatzverlust Ersatznistplätze in Form von künstlichen Nisthilfen wie Nistkästen oder Scheinkaminen bereitzustellen.

Vortragende: Dr. Maria Hoi-Leitner
Ort: Naturschutzbund Wien, Museumsplatz 1/Stiege 13
Datum:

 

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