2014: Schwanenblume

(Butomus umbellatus)

Der | naturschutzbund | ruft die Schwanenblume zur „Blume des Jahres 2014 für Österreich“ aus. In Österreich ist die Schwanenblume sehr stark gefährdet, in manchen Bundesländern sogar vom Aussterben bedroht. Mit ihrer Wahl zur „Blume des Jahres“ soll die hübsche Blütenpflanze gemeinsam mit ihrem ebenso oftmals bedrohten Lebensraum Au ins öffentliche Bewusstsein rücken. Mit dieser Wahl schließt sich der | naturschutzbund | der Wahl zur Blume des Jahres für Deutschland der Loki-Schmidt-Stiftung an.

Schwanenblume © Loki-Schmidt-Stiftung
Schwanenblume © Loki-Schmidt-Stiftung

Die Schwanenblume kommt als Pionierpflanze auf schlammigen und nährstoffreichen Böden vor, insbesondere bei wechselnden Wasserständen. Die Pflanze hat sich an die Dynamik des Hochwassers angepasst und verträgt stark wechselnde Wasserstände. Die Fluten der Hochwässer bringen Sand, Schlick, abgestorbene Pflanzenteile sowie Samen heran, die beim langsamen Zurückgehen des Wassers in den Auen abgelagert werden. Die darin enthaltenen Nährstoffe werden danach langsam freigesetzt und können von der Blume aufgenommen werden. Sie ist recht wärmeliebend und steht deswegen im Röhricht an hellen Stellen. Die Schwanenblume ist nicht zuletzt deshalb selten, weil sie der Konkurrenz höher aufschießender, dicht wachsender und damit lichtraubender Pflanzen ausgesetzt ist. Das ist auch der Grund, warum sie häufig an Gräben anzutreffen ist.

 
Bedrohung:
Die Schwanenblume wird auf der Roten Liste der bedrohten Arten geführt, sie gilt in Österreich als sehr stark gefährdet bzw. in einigen Bundesländern sogar als vom Aussterben bedroht. Ursache des Rückgangs sind unter anderem die intensiven Hochwasserschutzmaßnahmen, die seit Jahrzehnten die Auen ihrer natürlichen Dynamik und Hochwasserrückhaltefunktion berauben. Auch Entwässerungsmaßnahmen, Flussausbau und die Konkurrenz durch Ufer-Hochstauden oder Weidengebüsche gefährden den Lebensraum der hübschen Schwanenblume.
Die Intensivierung der Landwirtschaft tat ein Übriges: Künstliche Gewässer wie Gräben, Kanäle und Bodenentnahmestellen, an deren Ufer die Schwanenblume Ersatzlebensräume gefunden hatte, werden oft so intensiv gemäht und geräumt, dass die Blume kaum noch Überlebenschancen hat. Die intensive Düngung landwirtschaftlicher Flächen sowie die Verfüllung der Gewässer oder ihr Ersatz durch unterirdische Drainagen nehmen der Schwanenblume ebenso den Lebensraum.
 
Beschreibung:
Ihren deutschen Namen hat die Schwanenblume wohl durch ihren schwanenhalsartig gebogenen Griffel erhalten. Sie ist die einzige Pflanzenart der Familie der Schwanenblumengewächse (Butomaceae). Es handelt sich um eine stattliche, bis 150 cm hohe, ausdauernde Sumpf- und Wasserpflanze mit einem kurzen, kriechenden Rhizom, das als Überwinterungsorgan dient.
Die attraktive und auffällige Schwanenblume blüht in Mitteleuropa von Juni bis August, da sich die einzelnen Blüten nacheinander öffnen. Auf einem langen, runden, blattlosen Blütenstandstiel befindet sich ein doldiger Blütenstand mit bis zu 30 weißen, rosa- oder purpurfarbenen Einzelblüten. Der Blütenstand ist von zwei oder drei Hochblättern umhüllt. Die einzelnen Blüten stehen auf unterschiedlich langen (5 bis 10 cm) zarten Blütenstielen. Im Zentrum der Blüte befinden sich sechs rote, flaschenförmige, oberständige Fruchtknoten mit gekrümmten Griffeln und gelblichen Narben.
Die Schwanenblume lockt mit ihrer auffälligen Blütenpracht Insekten an und belohnt diese Bestäuber mit nach Honig riechendem Nektar, den sie an der Basis der Fruchtblätter in kleinen Tröpfchen abgibt. Zu den Bestäubern gehören vor allem Fliegen, Schwebfliegen, Bienen und Hummeln. Nach der Bestäubung entwickeln sich die Früchte (Balgfrüchte), wobei die Blütenstiele nochmals um einige Zentimeter wachsen. Die Früchte werden so weiter aus der hochwüchsigen Ufervegetation gehoben. Dies fördert die Windausbreitung der Samen: Die Schwanenblume ist ein Windstreuer. Wenn die Früchte reif sind und der Wind den Blütenstandstiel bewegt, öffnen sich die Früchte und die Samen werden ausgestreut. Die Samen können schwimmen und treiben so zu neuen Ansiedlungsorten. Die Pflanze vermehrt sich aber auch vegetativ. Im Herbst lösen sich Brutknospen von der Mutterpflanze ab, treiben im Wasser davon und können im Schlamm Wurzeln schlagen.
 
Verbreitung:
Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst die gemäßigten Klimazonen Europas, Asiens und Nordafrikas. In Mitteleuropa ist die Schwanenblume vielerorts selten geworden. Häufiger ist sie noch in den großen Flusstälern der Ebene anzutreffen. Im Bergland fehlt sie, abgesehen von wenigen Flusstälern. In Nordamerika wurde die Schwanenblume als Zierpflanze eingeführt und ist dort ausgewildert. In einigen Staaten hat sie sich so stark ausgebreitet, dass sie als invasive Art angesehen wird.
 
Verwendung:
Die unterirdische, bewurzelte Sprossachse (Rhizom) enthält 60% Stärke und kann deshalb zu Mehl verarbeitet werden. In Asien wird das Rhizom zum Teil auch heute noch als Nahrungsmittel genutzt. Bei den Kirgisen, Kalmücken und Jakuten wird das Rhizom in Asche gebacken und wie Brot verwendet. Als in Mitteleuropa Notzeiten herrschten, diente das Rhizom auch hier als Nahrung.
Die Stängel wurden früher zum Flechten von Körben und Matten, ähnlich wie Binsen und Weiden, genutzt.
Auch als Arzneipflanze fand die Schwanenblume früher Verwendung, sie sollte gegen Wassersucht helfen.
In Gärten wird die pflegeleichte Schwanenblume gerne als Zierpflanze am Gartenteich kultiviert. Sie eignet sich aber auch für den Miniteich in einer Schale auf der Terrasse oder dem Balkon. Butomus umbellatus kann im entsprechenden Fachhandel für Stauden und Gartenteich erworben werden. Der Natur sollte sie nicht entnommen werden, um ihre Bestände zu schonen.
 
Zur Loki-Schmidt-Stiftung und weiteren Informationen: http://www.stiftung-naturschutz-hh.de/blume/2014.html
 
  Pressefoto: © Loki-Schmidt-Stiftung

 

Zurück