Die Heimkehr des Luchses nach Österreich

Der Luchs in Österreich wurde, so wie alle anderen Großraubtiere auch, im 19. Jahrhundert ausgerottet. Die Rückkehr des Luchses begann in den 1950er und 1960er Jahren.
© Josef Limberger

Den Grundstock für die heutige Luchspopulation in der Dreiländerregion Österreich-Deutschland-Tschechien bildeten hauptsächlich jene 17 Luchse, die in den 1980er Jahren in den slowakischen Karpaten eingefangen und schließlich im Gebiet des heutigen Šumava-Nationalparks in Südböhmen mit behördlicher Genehmigung wieder freigelassen wurden. Anfangs besiedelten die Luchse das Gebiet sehr langsam und unauffällig. Ab 1990 breitete sich die Population zunehmend aus - auch über Grenzen hinweg. Mehr oder weniger dauerhafte Vorkommen mit Reproduktion gibt es in Österreich derzeit nur in der Nationalpark Kalkalpen Region und vom Böhmerwald bis ins südliche Waldviertel. Die Zahl der Luchse in Österreich kann nur geschätzt werden, es sind vermutlich nur zwischen 10 und 15 selbstständige Tiere (Stand Februar 2015). Umherziehende Einzeltiere werden in der Steiermark, Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg gesichtet.

Die Lebensweise des Luchses

Der Luchs lebt in Lebensräumen mit größeren Wäldern, er braucht felsreiche Gebiete und gute Versteckmöglichkeiten. Er fühlt sich aber auch in einer reich strukturierten Kulturlandschaft wohl, denn die Wald-Feld-Grenzen sind für ihn als Jagdgebiet attraktiv. Luchse sind vor allem in der Dämmerung und in der Nacht aktiv, tagsüber schlafen sie oder betreiben ausgiebige Körperpflege. Luchse sind Einzelgänger und beanspruchen ein Gebiet von durchschnittlich 100 km². Dabei haben Weibchen Reviergrößen von 50-200 km², Männchen (Kuder) zwischen 150 und 400 km². Die Reviere von Männchen und Weibchen überlappen. Luchse markieren ihre Reviere mit Harnpunkten.

Die Jungtiere werden im Frühsommer geboren und von der Kätzin alleine bis in den nächsten Spätwinter hinein aufgezogen. Die Jungensterblichkeit ist sehr hoch, denn nur eines von fünf Jungtieren überlebt bis zur Etablierung eines eigenen Reviers. Durch Lauern, Anpirschen, Sprinten und einen kurzen Satz erbeutet der Luchs in Mitteleuropa vor allem mittelgroße Schalenwildarten wie Reh oder Gämsen, aber auch Rotwildkälber, Hasen, Füchse, Hauskatzen, Kleinsäuger und Vögel stehen auf seinem Speiseplan. Das Wild passt sich an die Anwesenheit des Luchses an, Störungen im Revier eines Jägers sind durch menschliche Freizeit-Aktivitäten meist wesentlich höher. Auch für Nutztiere stellt der Luchs nur eine sehr geringe Gefahr dar, so werden etwa in der Schweiz nur 0,2% der Schafe von Luchsen gerissen, während die Schafhalter mit einem Gesamtverlust von 3-5% in der Sommerperiode rechnen.

Luchse gelten als scheu, sind aber eigentlich „unsichtbar“ und heimlich, da sie auf ihre perfekte Tarnung vertrauen und selten flüchten. Wir werden daher eher öfter von Luchsen beobachtet als umgekehrt.

Aktuelle Projekte

Der Naturschutzbund arbeitet in der Nationalpark Kalkalpen Region (Arbeitskreis „LUKA“ – Luchs Kalkalpen) und im „Luchsprojekt Österreich Nordwest“ an der Rückkehr einer überlebensfähigen Luchspopulation in Österreich mit. 

In der Nationalpark Kalkalpen Region würden theoretisch mindestens 120.000 Hektar Lebensraum für den Luchs zur Verfügung stehen. Im Nationalpark Gebiet wurde über mehrere Jahre ein sehr territorialer Luchs beobachtet, es konnten aber bis 2010 mit Fotofallen keine weiteren Luchse festgestellt werden. Zur Bestandsstützung der Luchse wurden mit Unterstützung des Luchsmanagement Schweiz 2011 ein Weibchen und ein Männchen und 2013 ein weiteres Weibchen im Nationalpark ausgesiedelt. Beide Luchsinnen brachten seit 2012 jedes Jahr zwei bis drei Jungtiere zur Welt, was ein sehr erfreuliches Zeichen für die Wiederansiedlung ist.

Etwas günstiger ist die Situation im Mühl- und Waldviertel – hier gibt es eine gemeinsame grenzüberschreitende Luchspopulation mit Böhmerwald/Šumava und Bayerischen Wald. Im Rahmen des „Luchsprojektes Österreich Nordwest – Böhmerwald/Mühlviertel/Waldviertel“ arbeitet der Naturschutzbund seit vielen Jahren und mit vielen Partnern grenzüberschreitend am Schutz des „Böhmerwald-Luchses“ mit.

© Wolfgang Schruf

In den letzten Jahren rückte dabei das Waldviertel verstärkt in den Fokus. Das Waldviertel bildet den südöstlichsten Teil des geschlossenen Verbreitungsgebietes der böhmisch-bayerisch-österreichischen Luchspopulation (Böhmerwaldpopulation). Das „Luchsprojekt Österreich Nordwest“ führt dort seit vielen Jahren gemeinsam mit dem Naturschutzbund ein Fotofallen-Monitoring durch. In den vergangenen Jahren gelangen im Waldviertel bis hin zur Wachau und dem Dunkelsteinerwald regelmäßig Luchsnachweise. Um mehr zum Luchs speziell im Waldviertel zu erfahren, hat der Naturschutzbund hier 2014 zehn Fotofallen angebracht. Die erfreulichen Ergebnisse: Im Bezirk Gmünd konnten drei Luchse nachgewiesen werden, zwei sind auch von der tschechischen Seite des Gebietes bekannt, das dritte Tier konnte vorerst noch nicht identifiziert werden. Außerdem tauchten hier im Herbst zwei verwaiste Jungluchse auf, womit klar eine Reproduktion nachgewiesen werden konnte und leider auch der Verlust des Muttertieres.

Auch im Bezirk Melk gelangen zwei Luchsbilder mittels Fotofallen, ein getötetes Muttertier und ein Junges. Außerdem konnte so die ca. 111 km lange Wanderung des Luchses „Duvero“ von der österreichischen Donau bis an die böhmische Moldau nachgewiesen werden. Das mehrfach belegte Überqueren der Donau durch den Luchs „Plavec“ in der Wachau zählt auch zu den bisher eindrucksvollsten Forschungsergebnissen.

Dem Raum Amstetten-Melk kommt bezüglich der Vernetzung von Wildtierlebensräumen in der Böhmischen Masse und in den Alpen eine besondere Bedeutung zu. Eine gute und aktuelle Datenlage bei Luchsnachweisen ist hier von großer Wichtigkeit, um diesen wichtigsten Wildtierkorridor zwischen Böhmischem Massiv und Alpen zu erhalten und zu verbessern.

Ob sich der Luchs dauerhaft bei uns etablieren kann, ist aber wohl weniger eine Frage des Lebensraums und der Beutetiere, sondern mehr der Toleranz von uns Menschen. Der Naturschutzbund wird sich jedenfalls weiterhin für mehr Wissen um die österreichischen Luchse und die Rückkehr von „Meister Pinselohr“ in unsere Wälder einsetzen. Wenn auch Sie den Luchs bei seiner Heimkehr in unsere Wälder unterstützen wollen, klicken Sie hier, um für unsere aktuellen Luchsprojekte zu spenden.

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