Rote Karte für den geplanten Steinbruch am Fuße der Kanisfluh

"Kanisfluh im Herbst", Herbert Albrecht

Die Kanisfluh ist nicht irgendeine Landmarke, sondern das monumentale Wahrzeichen der Talschaft Bregenzerwald und des ganzen Landes Vorarlberg. Damit ihr mit dem geplanten Steinbruch keine Landschafts-zerstörende Basiswunde zugefügt werden kann, haben sich Alpenschutzverein, Alpenverein und
I naturschutzbund I mit der Bürgerinitiative „Üsa Kanis“ zusammengetan.

Am Samstag 22. Juli 2017 machten sie mit einer Lichterkette auf der Holenke, dem Gipfel der Kanisfluh, auf diesen Frevel aufmerksam. Auf der gegenüberliegenden Schnepfegg trafen sich etwa 400 Interessierte zum Beobachten. Die Mahnfeuer waren über weite Teile des Bregenzerwaldes zu sehen.

Um die ganz besondere, unantastbare Schönheit und einzigartige Bedeutung der Kanisfluh bewusst zu machen, gab es über den Sommer eine Kunstausstellung in Mellau. Es wurden Werke von Hubert Dietrich, Franz Gassner, Ulrike M. Kleber, Herbert Albrecht, Erich Smodics, Albrecht Zauner, Hanno Metzler und anderen gezeigt. In seiner fulminanten Eröffnungsrede sprach Primar Dr. Reinhard Haller über den „Einfluss der Landschaft auf den Menschen – und des Menschen auf die Landschaft“. Ulli Troy brachte als Überraschung sein brandneues Baggerboys-Lied zur Kanisfluh mit. Die Mundartdichterin Birgit Rietzler las zur Finissage aus ihren Gedichten unter dem Titel „Natürlich bin ich für die Natur, aber ….“. Katharina Felder umrahmte das heitere Programm mit ihrem Fagott. Im stimmigen Ambiente des ausgebauten Stalls im alten Bregenzerwälderhaus in der Mellauer Klaus saß man noch zu einem richtigen Wälder „Reas“ beieinander.

Bereits die Anfänge des Naturschutzes in Vorarlberg galten der Kanisfluh und dem Edelweiß. Zu seinem Schutz erließ die Bezirkshauptmannschaft Bregenz als eine der ersten in Österreich am 29.5.1886 eine Verordnung. Trotzdem sah man nach Eröffnung der Bregenzerwälderbahn 1902 noch jeden Sonntagabend am Bahnhof Bregenz die Ausflügler „mit großen Buschen Edelweiß“ aussteigen. Daraufhin initiierte der Reichsrats- und Landtagsabgeordnete (und spätere Vizekanzler) Jodok Fink ein Landesgesetz zum Schutze der Alpenpflanzen. Auf Konstantin Graf Thun-Hohenstein, den langjährigen Leiter der Bezirkshauptmannschaft Bregenz, geht 1904 die erste amtliche Kundmachung der Feld- und Waldschutz-Gesetze mit großen Plakaten zurück.

Die Kanisfluh ist für ihren Artenreichtum an Alpenpflanzen und selten vorkommenden Vogelarten berühmt, die Südseite auch für über 1000 Schmetterlingsarten. Die seinerzeit ausgerotteten Steinböcke sind etwa 1980 wieder zugewandert. Inzwischen sollen es etwa 90 sein. (Eingeweihte kennen auch versteckte Steinbockhöhlen mit Tropfsteinen, sogar mit Tierschädelfunden aus vergangenen Jahrhunderten.) Die Steinbockrudel werden von Bergwanderern bewundert und sind für die Tourismuswerbung ein beliebtes Sujet. Doch Lärm und Beunruhigung würden sie umgehend vertreiben.

Derzeit werden die Möglichkeiten sowohl eines (örtlichen) Naturschutzgebietes an der Nordseite als auch einer Unterschutzstellung des gesamten Massivs geprüft. Der  I naturschutzbund I  befürwortet mit Nachdruck ein Naturschutzgebiet für die gesamte Kanisfluh, zumal das der frühere Vorsitzende des Naturschutzrats (beratendes Gremium der Landesregierung, das sie selbst besetzt) Univ. Prof. em Dr. Georg Grabherr bereits in den 90er Jahren angeregt hat.

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