Aug in Aug mit Steinböcken

Steinbock © Harry MARK

„Als wir den Grat erreichten und diesen dann in östlicher Richtung zum Gipfel folgten, entdeckten wir knapp unter uns eine Gruppe Steinböcke. Diese ließen sich durch uns nicht stören, so konnten wir sie aus nächster Nähe in aller Ruhe beobachten. Es dürften an die 16 dieser majestätischen Tiere gewesen sein. Sie lagen da und genossen die Sonne, schauten ins Tal hinunter, standen hie und da auf um die Position zu wechseln, um sich dann wieder gemütlich im Gras niederzulassen. Sie schauten auch hin und wieder in unsere Richtung, kratzten sich mit den mächtigen Hörnern das Fell am Rücken und kauten an den schon etwas dürren Grashalmen. Ein ganz besonders kräftiges Tier mit langen Hörnern, vermutlich das Leittier, lag alleine etwas abseits an der höchsten Position und behielt dabei seine Artgenossen immer im Blick.“

So berichtet Harald Mark vom | naturschutzbund | Vorarlberg über eine seiner Wanderungen, die er am 18. Oktober von Au im Bregenzerwald aus auf die Kanisfluh unternahm. Dass man das Steinwild in Vorarlberg zu Gesicht bekommt, kann durchaus vorkommen, und die Population an der Kanisfluh scheint keine große Fluchtdistanz vor Wanderern zu haben. (Im Übrigen bieten verschiedene Hotels auch Steinbockwanderungen an.)

© Harry Mark

Da sich Steinböcke während des ganzen Jahres meist über der Baumgrenze aufhalten, müssen sie den harten Bedingungen im Hochgebirge widerstehen. Mit dichtem Fell und sicherem Tritt, den ihnen die Hufe mit harten Außenschalen und weichen Innenballen ermöglichen, durchstreifen sie die Hochgebirgsregionen auf der Suche nach Futter. Im Winter halten sie sich gerne auf Südhängen auf, wo durch die Sonneneinstrahlung der Schnee eher abrutscht und die Schneedecke dünner ist.

Beide Geschlechter sind gehörnt, wobei die großen Hörner der Männchen als Waffe bei Rangkämpfen dienen, die kleineren Hörner der Weibchen hauptsächlich zur Verteidigung gegen Fressfeinde.

Im Dezember während der Paarungszeit treffen sich alle Tiere an den steilen Südhängen, wo die Männchen um die Gunst der Weibchen werben. Im Mai bis Juni setzen die Geißen ihre Kitze. Sie leben mit ihren Müttern in von den Männchen getrennten Rudeln.

Im 19. Jhdt. war der Steinbock im gesamten Alpenraum durch intensive Bejagung so gut wie ausgerottet. Trophäenjäger und die Zuschreibung von Heilkräften bestimmter Körperteile hätten beinahe zum Verschwinden des „Königs der Alpen“ geführt. Nur im Bereich des Gran Paradiso konnte sich die Art noch halten, da sie hier vom italienischen König 1821 unter Schutz gestellt wurde. Von diesen Tieren stammen alle heute lebenden Alpensteinböcke ab. 1911 wurden, nach gezielter Zucht in Tiergärten der Schweiz, schließlich die ersten Auswilderungen vorgenommen. Mit heute über 40000 Tieren im gesamten Alpenraum ist durch systematische Freilassungen dies wohl die weltweit erfolgreichste Wiederansiedlung eines vormals beinahe ausgerotteten Wildtieres.

Verbreitung des Steinbocks im Alpenraum 2006 © M. Giacometti & G. Carmignola

Seit den ersten Auswilderungen von Schweizer Wildfängen 1956 in Gargellen sind die Vorarlberger Bestände auf beachtliche 1500 Tiere angewachsen. Dieser Bestand wird durch 70 Entnahmen pro Jahr reguliert. Die Wiedereinbürgerungen wurden von der Vorarlberger Jägerschaft und der BH Bludenz initiiert, und nach der erfolgreichen Erstansiedlung erfolgten Freilassungen in weiteren Gebieten, so im Klostertal, am Arlberg, dem Kleinen Walsertal und dem Großen Walsertal.

Die größte Kolonie befindet sich im Klostertal, gefolgt von derjenigen an der Roten Wand. Im gesamten gibt es zehn Kolonien in Vorarlberg, die gut verteilt im ganzen Land in höheren Regionen angetroffen werden können.

Eigene Steinbock-Sichtungen können Sie auf www.naturbeobachtung.at online eintragen und so zum Wissen über die Verbreitung dieser Art beitragen. Denn seit Kurzem sind dort alle Säugetierarten meldbar.
Auf dieser Online-Plattform des Naturschutzbundes Österreich können Sie nicht nur viele weitere Tier- und Pflanzenarten melden, sondern auch Experten um Bestimmungshilfe bitten, sich im Forum mit Gleichgesinnten austauschen und jeden Tag Faszinierendes über unsere Natur erfahren!

Schauen Sie doch einfach mal rein! www.naturbeobachtung.at

Stefan Pruner, MSc., Vorstandsmitglied des Naturschutzbundes Vorarlberg

Weitere Infos zum Steinbock bieten folgende Links:

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