Hundsfisch: Die Natur war stärker

© Peter Weish

Wenn an sich seltene Tier- und Pflanzenarten verschwinden, fällt das normalerweise außer Wissenschaftlern und Naturschützern kaum jemandem auf. Traurig, aber wahr. Ähnliches passierte dem Hundsfisch (Umbra krameri). Der kleine Verwandte des Hechts (nur bis 13 Zentimeter groß) war früher in der Donau östlich von Wien und den umgebenden Augewässern weit verbreitet. Der eher unauffällige Fisch verfügt allerdings über erstaunliche Fähigkeiten. Über eine Schwimmblase kann er auch Luft atmen und so eine Zeit lang selbst in sauerstoffarmen Gewässern und sogar in schlammigen Uferzonen überleben. Und die Anordnung und Bewegungsmuster der Flossen des Hundsfisches an Rücken und Bauch ermöglichen es den Tieren, auch waagrecht und schräg im Wasser auf- und abzusteigen. In der Laichzeit zwischen Februar und April legt das Weibchen bis zu 400 Eier auf Wasserpflanzen oder in ein vorbereitetes Nest, das sie anschließend bis zum Schlüpfen nach fünf bis acht Tagen bewacht. Danach verbringen die Jungfische die erste Zeit im sogenannten Dottersackstadium. In dieser Phase „befächeln“ die Weibchen ihr Gelege und halten es so sauber.

Trotzdem gingen die Bestände als Folge der Donauregulierung und der Trockenlegung von Feuchtgebieten nahezu unbemerkt immer weiter zurück. 1975 galt der Hundsfisch in Österreich als ausgestorben. 17 Jahre später entdeckten Ökologen jedoch eine isolierte Population von rund 6.000 Exemplaren im Fadenbach zwischen Eckartsau und Orth. Das war auch der Startschuss groß angelegter Schutzmaßnahmen durch den Nationalpark Donau-Auen. Unter anderen wurden der Fadenbach revitalisiert und Rückzugstümpel geschaffen, die auch bei Niedrigwasser genügend Lebensraum bieten und im Winter nicht gänzlich zufrieren.

An den Schutzmaßnahmen war auch der Tiergarten Schönbrunn beteiligt. Bei den großen Freilandaquarien waren Hundsfische in einem eigenen Becken zu sehen. Mit einigen Wildfängen, die der Zoo vom Nationalpark bekommen hatte, versuchte man ein Nachzuchtprojekt als Sicherheitsreserve für den Fall, dass es die Hundsfische im Freien nicht schaffen würden. Es gab auch das Angebot an erfahrene Aquarianer, einige Exemplare für die Nachzucht in Gartenteichen bzw. Aquarien zur Verfügung zu stellen.

Im Rahmen einer Diplomarbeit der Universität Wien konnte in der Zwischenzeit festgestellt werden, dass dank der Zusammenarbeit diverser Partner die Population des Hundsfisches in den vergangenen zehn Jahren erhalten und ihr Verbreitungsgebiet ausgeweitet werden konnte. Damit war die Natur (mit noch rechtzeitiger menschlicher Unterstützung) stärker…

Beitrag von Leopold Lukschanderl

Am 18.02.2021 referieren Dr. Anton Weissenbacher, Tiergarten Schönbrunn und Manfred Christ, Wissenschaftsjournalist und Dokumentarfilmer von der Wiederentdeckung des lange verschollenen Hundsfisches und den Bemühungen um seinen Schutz im Nationalpark Donau-Auen. Ort: Naturschutzbund Wien, Museumsplatz 1/ Stiege 13 Beginn: 18:00 Uhr

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